Das Wahrzeichen von Reifenberg, die Vexierkapelle, musste vorübergehend teilweise eingerüstet werden: und zwar der Kirchturm der kleinen Bergkirche St. Nikolaus hoch oben auf der Reifenberger Höhe. Dort oben tosen Winde und Stürme ungebremst und rütteln heftig am Turmkreuz der Kirche. Besonders stark war dies während der Herbst- und Winterzeit 2019/20. Dadurch lockerte sich die Verankerung der Turmspitze. Es war vor einigen Monaten, als Martin Kraus, dem Mesner der Filialkirche, auffiel, dass das Turmkreuz schief steht. "Wenn der Wind ging, konnte man beobachten, wie sich das Kreuz hin- und herbewegte und sich je nach Windrichtung nach Osten oder Westen neigte", erzählt Kraus. Umgehend verständigte er den Kirchenpfleger Gerhard Lösel und Pfarrer Oliver Schütz von der Pfarrei St. Bartholomäus in Kirchehrenbach, der das Erzbischöfliche Ordinariat in Bamberg davon in Kenntnis setzte. Mit der Schadensfeststellung und -behebung hat die Kirchenverwaltung Reifenberg den Dachdeckermeister Johannes Pieger aus Kirchehrenbach beauftragt, der die Ursache der Lockerung schnell fand: Zwei Halterungen in der oberen Kuppelspitze waren durchgerostet und zerbrochen.

Gefahr wäre zu groß

"Im ungünstigsten Falle wäre die Gefahr sehr groß, dass bei den nächsten Stürmen das vergoldete Kreuz aus Metall samt dem Gockel auf der Kreuzspitze abgeknickt und herabgestürzt wäre", erläutert Kraus. Als erste Maßnahme wurde von der Gerüstbaufirma Sponsel aus Weilersbach nun ein 25 Meter hohes Gerüst auf drei Turmseiten errichtet. Anschließend wurde das Turmkreuz mit Knopf und Gockel in der von Kirchehrenbachs Schlosserei Pöhlmann gefertigten neuen Verankerung aus Stahl befestigt und gesichert und der Sturmschaden in schwindelerregender Höhe behoben.

Die Kosten

Die Kosten für die Instandsetzung liegen bei circa 11.000 bis 13.000 Euro. Etwas Sorge bereitet den Verantwortlichen jedoch der Aufbau des Gerüst. Denn es könnte zum Hochklettern verführen, auch bestehe eine erhöhte Einbruchsgefahr. Wie Kraus dazu ausführt, sind im Turm und im Kircheninneren Alarmanlagen eingebaut. Neben einigen anderen Turmreparaturen war eine der größten und bekanntesten die vor 122 Jahren, im Juni 1898, als ein Blitz den Turm traf. Ein Dokument über dieses Ereignis (in altdeutscher Schrift geschrieben) war im Turmknopf als "Turmknopfurkunde" aufbewahrt. Es war das erste Dokument über eine Turmreparatur, das man fand. Wie Kraus hierzu weiß, ist es seit jeher ein kirchlicher Brauch, dass bei einer Baumaßnahme beziehungsweise Reparatur am Turm mit Abnahme des Kreuzes die Urkunden im Turmknopf (auch Turmkugel) aufbewahrt und stets aktualisiert werden. So wird nun ein von Martin Kraus verfasstes Schriftstück über die Baumaßnahme im September 2020 ebenfalls im Turmknopf als "Turmknopfurkunde" in einem wasserdichten und wetterfesten Rohr aufgehoben.

Die Urkunde

Der transkribierte Text der ersten "Turmknopfurkunde" der Vexierkapelle in Reifenberg (ein Auszug): "Reifenberg, den 27. Juni 1898.

Am Mittwoch, den 15. Juni 1898, mittags zwischen 12 und 1 Uhr entlud sich über unsere Gegend ein schweres Gewitter. Ein Blitzstrahl fuhr mit einem furchtbaren Krachen in den Turm der Kapelle, riß den Hahn herunter, demolierte das Kreuz und den Turmknopf, zerstörte die Leitungsdrähte, sprang in die Rinnen des Kirchendaches über und nahm seinen Weg den Rinnen entlang an den verschiedenen Ecken der Kirche, am Boden Löcher aus dem Erdreich herausreißend."