Was haben die berühmte Fuggerei in Augsburg und Schloss Hundshaupten gemeinsam? Für beide war Götz Freiherr von Pölnitz verantwortlich. Bei ersterem als Administrator und Verwalter der ältesten Sozialsiedlung der Welt. Bei letzterem als Burgbesitzer und Bewohner von Hundshaupten.
Götz war der Ehemann der allseits beliebten und bekannten Gudila Freifrau von Pölnitz, die vor 25 Jahren den Wildpark Hundshaupten dem Landkreis Forchheim schenkte.


Eine Art Ablasshandel

Die Familie Fugger, allen voran "Jakob der Reiche", gehörte im 16. Jahrhundert zu den reichsten Familien Europas. "1519 schrieb er Weltgeschichte, als er die Wahl Kaiser Karls V. finanzierte", schreibt Martin Kugler in seinem "Führer durch die Fuggerei".

1521 unterschrieb Jakob Fugger den Stiftungsbrief für die Reihenhaussiedlung.
Als Grund für die Errichtung dieser ältesten Sozialsiedlung der Welt vermutet man eine Art Ablasshandel. Mit dem sozialen Engagement erhoffte sich Fugger demnach im Gegenzug göttliche Gnade und das Freikaufen von Sünden.
52 zweigeschossige Häuser ließ Fugger bis 1523 errichten; mit insgesamt 106 Wohnungen für damals rund 400 Bewohner. Die Jahresmiete für die zwei Zimmer, Küche und Bad, jede Wohnung war 60 Quadratmeter groß, betrug einen rheinischen Gulden pro Wohnung. Heute sind es 88 Cent im Jahr plus Nebenkostenpauschale in Höhe von derzeit 85 Euro monatlich.

Die Warteliste ist lang. Bewerber müssen wie im späten Mittelalter einige Bedingungen für die Aufnahme erfüllen: Sie müssen katholisch und mindestens zwei Jahre lang Bürger Augsburgs gewesen sein.
Sie müssen ihre unverschuldete Bedürftigkeit nachweisen und sie müssen täglich drei Gebete für den Stifter sprechen. Über die Aufnahme eines neuen Fuggereibewohners entscheidet unverändert das Familienseniorat der Fuggerstiftung nach einer Vorprüfung durch die Adminstration.
Götz von Pölnitz war einer der fuggerschen Administratoren und damit Verwalter der sozialen Wohnungen. 1936 bereits zum Direktor des Fuggerarchivs in Augsburg ernannt, ist er 1947 zum Administrator der Fürstlich-Gräflichen Fuggerschen Stiftung berufen worden.


Geld aus dem Tourismus

In seine Amtszeit fiel der Neuaufbau der Fuggerei, die während des Zweiten Weltkriegs fast vollständig zerstört worden war. Zusammen mit dem Architekten Raimund von Doblhoff sorgte er dafür, dass die Fuggerhäuser bis Ende der 50er Jahre wieder originalgetreu aufgebaut wurden.

Bis 1971 konnte die Siedlung sogar um ein Drittel an Wohnungen erweitert werden, weil man angrenzende Trümmergrundstücke günstig erwarb. Götz von Pölnitz erlebte diese Zeit nicht mehr. Er wurde 1961 als Professor an die Universität nach Erlangen berufen und war dort Universitätsrektor. Von Pölnitz starb 1967 in Erlangen.
Die Fuggerei wird seit fast 500 Jahren durch eine Stiftung und mittlerweile auch durch den Tourismus finanziert. Zum Stiftungsvermögen gehören rund 3000 Hektar Wald und zahlreiche Immobilien in Augsburg. Das Ensemble der Siedlung mit acht Gassen und drei Toren ist eine "Stadt in der Stadt" und mittlerweile auch ein Touristenmagnet: Sie verfügt über eine eigene Kirche, eine eigene Stadtmauer und drei Stadttore.

Für Besucher ist ein Tor geöffnet, das jeden Abend um 22 Uhr von einem Nachtwächter geschlossen wird. 200 000 Gäste besuchen jährlich diese Einrichtung und zahlen dafür drei bis vier Euro Eintritt an die Stiftung. Derzeitiger Administrator ist Wolf-Dietrich Graf von Hundt. Er betreut 150 Menschen in 140 Wohnungen.