Wallfahrt, Schützen, Keller, Bier - diese vier Stichworte sind in Forchheim leicht auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen: Annafest. Es sind vier Elemente, die das traditionsreiche Volksfest im Kellerwald auszeichnen. Und es sind vier Attribute, die es bei einem Plakat-Wettbewerb der Stadt zur 150. Auflage des Annafestes zu berücksichtigen galt.

Die Resonanz war vor über 20 Jahren überwältigend: 153 Entwürfe wurden eingereicht - von Künstlern, Kindern, von Profis und Anfängern. "Man sieht, welch hohen Stellenwert das Annafest in Forchheim und im Landkreis hat", schwärmt der Stadtarchivar Rainer Kestler noch heute, "die Leute haben sich sehr viel Mühe gegeben."

Die vier Forchheimer Elemente finden sich in irgendeiner Form auf vielen Plakaten von 1990. Da ist die Figur der Heiligen Anna oder die ihr geweihte Wallfahrtskapelle in Weilersbach, die schon im 16. Jahrhundert Ziel der Forchheimer Pilger war. Auf dem Rückweg machten die Wallfahrer Station auf den Kellern über Forchheim. Dorthin, in das früher Bürgerwald genannte Berggelände, verlagerte im 19. Jahrhundert die Hauptschützengesellschaft ihren Standort (vormals Löschwöhrd), baute dort eine neues Schützenhaus.

Also dürfen auch sie nicht auf dem Plakat fehlen. Und was wäre ein Annafest ohne das Forchheimer Bier?

Künstlerische Elemente
Weitere künstlerische Elemente schmücken die Plakate von 1990: Brezen, Luftballons, Fahrgeschäfte, das Stadtwappen, Lebkuchenherzen. Mit viel Liebe zum Detail haben sogar ganze Familien an einem Entwurf mitgewirkt, wie Kestler erfahren hat.

Die zum meist farbenprächtigen Plakate stellte die Stadt damals allesamt in der Jahn-Halle zur Begutachtung aus. Eine Jury aus städtischen Angestellten und Künstlern wählte dann zehn Entwürfe in die engere Auswahl, schließlich wurden die besten prämiert. Die Bewerber waren angeschrieben worden, dass ihre Entwürfe wieder abgeholt werden konnten. "Aber gekommen ist fast keiner", berichtet Stadtarchivar Kestler.

Die Liste, auf der die Namen der zugehörigen Künstler standen, ist verloren gegangen. Dies hat zur Folge, dass die Stadtverwaltung einen großen Fundus an Plakaten hat, aus dem sie bis heute schöpfen kann. "Wer sein Werk erkennt, kann sich gerne melden", sagt Kestler. Das Siegerplakat von 1990 mit einem Riesenrad als beherrschendem Motiv war fünf Jahre lang im Einsatz.

Die verlorene Liste
Der damalige dritte Preis mit einem Bierkrug ziert - in leicht abgewandelter Version - das heutige Annafest-Plakat, das seit drei Jahren verwendet wird. "Sicher, wir könnten eine neue Ausschreibung machen", überlegt Rainer Kestler, "aber wir sind sehr zufrieden mit dem, was wir seit den 90er-Jahren haben."

Jetzt, vor dem 173 Jahre alten Annafest (vom 20. bis 29. Juli), hat er die Plakate im Spitzboden der so genannten Frank-Scheune, die zum Stadtarchiv gehört, akkurat aufgelegt, zeigt sie interessierten Besuchern.
Sein persönlicher Favorit hatte den Wettbewerb nicht gewonnen - aber er zeigt selbstverständlich die vier Forchheimer Elemente.