Nach zweijähriger Pause konnte die Theatergruppe der Pfarrei Poxdorf zum Patronatsfest wieder zu einem Theaterabend eingeladen. In der nunmehr brandschutzgesicherten Turnhalle, die bis auf den letzten Platz gefüllt war, feierten rund fünfhundert begeisterte Zuschauer die Schauspieler.

Der Schwank in drei Akten von Bernd Gombold mit dem Titel "Dreistes Stück im Greisenglück" spielt in einem Seniorenheim. Dort hat die skrupellose und selbstsüchtige Heimleiterin Sieglinde (Beate Vogl) das Sagen. Unterstützt wird sie dabei vom Heimarzt, mit dem sie auch heimlich liiert ist.

Die Heimbewohner werden mit teils drastischen Strafmaßnahmen eingeschüchtert, wenn sie sich beispielsweise über das miserable Essen oder die unfreundliche Behandlung beklagen.
Opa Müllerschön (Alfons Singer) jedoch und sein vorgeblich dementer Zimmernachbar Paul (Jürgen Klein) wie auch die schwerhörige Oma Irma (Roswitha Obermayr) wollen nicht einfach kuschen und widersetzen sich der strengen Schwester Oberin mit Einfallsreichtum und Geschick.

Putzfrau mit großem Herz

Immer auf ihrer Seite ist Fatima (Inge Zwiener), die stets gut gelaunte türkische Putzfrau mit dem großen Herzen.
Vor allem Opa Müllerschön hat Beistand nötig, da ihm nicht nur die Heimleiterin, sondern auch sein geiziger Sohn Hermann (Horst Meißner) und dessen rabiate und geldgierige Ehefrau Berta (Heidi Meißner) zusetzen.
Diese beiden haben es auf das Erbe abgesehen und drängen den alten Herrn, doch endlich sein Testament zu machen. Später taucht dann noch Josef (Markus Meißner) auf, der seit zwölf Jahren verschwundene jüngere Sohn von Opa Müllerschön.

Er gibt vor, es auf Mallorca mit Immobilienhandel zu Reichtum gebracht zu haben.
In Wirklichkeit ist der Halunke pleite, sucht im Zimmer des Vaters nach dessen Sparbüchern und hofft ebenfalls auf das Erbe. Als er merkt, dass da nichts zu holen ist, tritt er den Rückzug an.
Zuvor verdreht er noch schnell der attraktiven und nach einer Scheidung nicht unvermögenden Fußpflegerin Rosi (Annika Schobert) den Kopf, sodass diese sogar mit ihm durchbrennt.

Was ist nur aus den Kindern geworden?! Das Zwiegespräch, das Opa Müllerschön mit seiner Marie beziehungsweise mit ihrem Porträt an der Wand führt, ist komisch und anrührend zugleich.
Einzig die Enkelin Karin (Antonia Trode) hängt wirklich an ihrem Opa. Sie besucht ihn oft, kauft für ihn ein, damit er genug zu essen hat, und erzählt ihm ihre Sorgen. Denn sie hat einen tätowierten Rocker zum Freund, den ihre spießigen, geldgierigen Eltern nie akzeptieren würden.

Mitreißende Spielfreude

Gespannt und belustigt verfolgte das Publikum, wie dieser doch gar nicht so wilde Alex (Markus Weber) am Ende alles ins Lot bringt: Nach dem gewitzten Plan von Opa Müllerschön gibt er sich als Wochenendvertreter des Heimarztes aus, sodass der geizige Hermann und seine Frau Berta ihn als Schwiegersohn in spe akzeptieren.
Und zusammen mit seiner Karin macht er die Machenschaften der rigorosen Heimleiterin über Radio Bamberg publik, sodass diese entlassen wird.

Die Spielfreude aller Darsteller war mitreißend. Besonders Inge Zwieners türkische Tanzeinlage sowie Jürgen Kleins und Alfons Singers Wohlfühl-Szene mit Bier und Zigarren wurden mit spontanem Szenenbeifall belohnt. Auch das Bühnenbild, die Musikeinlagen aus Rockmusik und türkischer Musik und das Nebeneinander von breitem Fränkisch, gestelztem Hochdeutsch und gebrochenem Deutsch-Türkisch fanden großen Anklang.
Zugleich regten aber die zahlreichen Anspielungen auf bekannt gewordene Vorkommnisse in Altenheimen zum Nachdenken an.

Obgleich die Zuschauer sich glänzend amüsierten, war der ernste Hintergrund allen klar. Vielleicht bedankten sie sich gerade deshalb mit begeistertem und lang andauerndem Beifall.