Das Annafest im Forchheimer Kellerwald zieht die Besucher schon seit jeher magisch an. Für die Forchheimer ist es aufgrund der idyllischen Lage am bewaldeten Kellerberg das schönste Volksfest der Welt. Auch vor 100 Jahren lockte das Fest die Besucher - nicht nur sie.

Denn genauso beliebt war das Annafest bei Schaustellern und Wirten. Betreffend "Abhaltung des Annafestes 1913" stand vor 100 Jahren im Forchheimer Tagblatt geschrieben: "Die Versteigerung der Plätze auf den Felsenkellern zur Aufstellung der Verkaufsbuden und dergleichen während des vom 27. Juli bis 3. August stattfindenden Annafestes, findet am Freitag den 11. Juli 1913 um 14:00 Uhr statt. Zusammenkunft am unteren Greif- Keller. Gezeichnet: Stadtmagistrat: Strecker königlicher Hofrat Forchheim, 6. Juli 1913."

Vor 100 Jahren muss das ein buntes Treiben schon vor Festbeginn gewesen sein, wenn die Interessenten auf den Kellern und die besten Plätze ihre Gebote abgaben.
Schon zuvor mussten sie allerdings ihre Anträge und Wünsche bei der Stadtverwaltung einreichen.


"Sprechende Fotografie"

So bewarb sich 1913 zum Beispiel Heinrich Lindner aus Nürnberg um "Genehmigung ohne Konkurrenz" für sein "Theater de Elektra", das er als "lebendige, singende und sprechende Fotografie" und auch als der "Theater-Kinematograf" anpries. Gottlieb Schönhagen aus Biberach bat um Überlassung eines 15 Meter langen Platzes für eine Schießhalle, ein "vornehmes Sportvergnügungs-Etablissement".

Da aus dem Jahr 1913 - wie Stadtarchivar Rainer Kestler zu berichten weiß - einige Annafest-Unterlagen nicht erhalten sind, hilft ein Blick ins Vorjahr. Da bewarb sich ein Konrad Schüller aus Nürnberg mit einem "Pracht-Reform-Karussell. Mit einer "Dampf-Segeljacht-Bahn" - ein Vorläufer der Achterbahn mit wellenartigen Fahrten - wartete "Witwe Sehning" aus Nürtingen auf. Auch eine Fischräucherei aus Berlin sollte nicht fehlen.


250 Bewerbungen jährlich

Nun, versteigert werden die Standplätze heute nicht mehr. Für die Vergabe der Standplätze ist das Ordnungsamt zuständig. "Das hätte mich schon mal interessiert, wie das damals abgelaufen ist", sagt Sigrid Mauser, die Marktmeisterin fürs Annafest. Heute undenkbar: Seit dem 22. Oktober 2009 gibt es klare Vergabe-Richtlinien der Stadt Forchheim. Im Vergabeverfahren müssen sich Bewerber bis zum 30. September des Vorjahres melden und alle möglichen Angaben zu ihrem Stand machen, wie Mauser erklärt: "Name, Beschreibung, Länge, Breite, Höhe, Tiefe, Strombedarf, Zahl der benötigten Packwagen, gegebenenfalls Speiseliste und Warenliste."

Erfahrungsgemäß gehen jedes Jahr rund 250 Bewerbungen für Fahrgeschäfte, Los-, Getränke- und Imbissbuden ein. Über die Vergabe der Plätze entscheidet ein Gremium der Stadtverwaltung mit dem "Annafest-Bürgermeister" Franz Streit (CSU). "Wir müssen gerade in Forchheim die Topografie berücksichtigen, da es doch spezielles Gelände ist", erläutert Sigrid Mauser, "bekannte und bewährte Betreiber werden vorgezogen, solange sie ordentlich und zuverlässig sind."

Schwarze Schafe hinsichtlich Sauberkeit oder Zahlungsmoral gebe es hin und wieder mal, doch solche kommen dann nicht mehr zum Zug. 80 bis 90 Schausteller und Buden werden letztlich zugelassen. Eine Ausschreibung erfolgt nur einmal lokal, weil genügend Bewerbungen - auch bundesweit - eintreffen. Riesenrad und Auto-Scooter gibt es immer, andere Großfahrgeschäfte wechseln.

Vor 100 Jahren bildete der Magistrat der Stadt einen Festausschuss, vor den auch im Vorfeld die Kellerwirte geladen wurden. Da wurden beispielsweise folgende Wirte aufgefordert, Lampen vor ihren Kellern an der Straße anzubringen: Wolfermann, P. Erlwein, G. Kraus, J. Frank, K. Fuchs, Fritz Grimm, A. Schindler, Elias Bayer, J. Körber, K. Schmitt, Gg. Müller (obere Keller), H. Winterbauer, Joh. Eismann, J. Herbst. Teilweise sind Wirte bis heute Namensgeber der Keller geblieben. Weiter hieß es: "Die übrigen Keller werden durch Karussell bezw. die Schießbude entsprechend beleuchtet." Bier-Fuhrwerke durften ab Nachmittag nicht mehr zu den Kellern hochfahren.

Die Stadt selbst sorgte laut Stadtarchivar Kestler für Plakatwerbung in Nürnberg, Fürth, Erlangen und Bamberg sowie in Zeitungsanzeigen. Damals wie heute ist auch das Annafestschießen der Königlich privilegierten Hauptschützengesellschaft (HSG) Forchheim ein fester Bestandteil. Und so gilt auch 2013, was vor 100 Jahren - am 19. Juli 1913 - im Tagblatt stand: "Am Sonntag, 27. Juli 1913 beginnt auf den herrlich gelegenen Felsenkellern in Forchheim das altbekannte Annafest. Es dauert bis einschließlich Sonntag, 3. August. Wer Forchheim mit seinen vielen Sehenswürdigkeiten und den im Eichenwald gelegenen Bierkellern kennt, wird nicht versäumen, das Fest zu besuchen." 100 Jahre später wird das Annafest vom 20. bis 29. Juli 2013 stattfinden.


Aus dem Forchheimer Tagblatt vor 100 Jahren - Juli 1913


Landesversammlung
der Fleischbeschauer

Der Landesverband der bayerischen Trichinen- und Fleischbeschauer hält am Sonntag in Forchheim im Gasthaus Zettelmeier an der Bayreutherstraße eine Versammlung ab. Die Tagesordnung enthält äußerst wichtige Punkte, daher ist das Erscheinen Pflicht.
(Forchheim, 5. Juli)
Königliches Bauamt restauriert Kaiserpfalz

Zurzeit wird die altehrwürdige Kaiserpfalz in Forchheim der notwendigen Restaurierung der Außenfassaden unterzogen. So ist der Bau mit einem mächtigen Gerüst umgeben und nach der Entfernung des schadhaften Verputzes zeigt sich, dass die einheitliche Wirkung durch verschiedene Umbauten gestört worden ist. Die Arbeiten stehen unter der Aufsicht des königlichen Bauamtes Bamberg Herrn Rottler. Der Zweck ist, die Außenfassade wieder so herzustellen wie sie ursprünglich war, denn die noch übrigen Farbenreste geben dafür die noch sicheren Anhaltspunkte. So wird das äußere Gewand der Pfalz dem Inneren angepasst und noch mehr als Zierde für Forchheim dienen.
(Forchheim, 6. Juli)
Es wird an die Meldepflicht erinnert

Wir machen an dieser Stelle aufmerksam, dass es nunmehr höchste Zeit ist, die am 1. Juli 1913 erfolgten Ein- und Auszüge aus der Stadt Forchheim von Mietparteien beim hiesigen Einwohnermeldeamt zu melden, der Eingang dazu ist über die Magistratskanzlei. Gegen säumige Meldepflichtige, wird vom Stadtmagistrat unnachsichtlich Strafeinschreitung veranlasst.
( Forchheim, 14. Juli)
Forchheimer Kapellen auf Erlanger Felsenkeller

Ein frohes Leben und Treiben herrschte am vergangenen Sonntag auf den Erlanger Felsenkellern, wozu auch die Forchheimer Musikkapellen Schwengler, Ochs und Feldbaum für Stimmung sorgten. So hielt der Erlanger Schweizerbund sein 50-jähriges Stiftungsfest ab und wo man dann mit den Musikkapellen von Keller zu Keller zog und der Tag dann mit einem Feuerwerk ausklang.
(Erlangen, 15. Juli)
Am Gremsdorfer
Bahnhof überfahren

Gestern um 18:00 Uhr wurde am Gremsdorfer Bahnhof der ledige August Gattineau, geboren 1884 in Forchheim, vom Eisenbahnzug kurz vor der Station Gremsdorf überfahren. Der Kopf war vollständig vom Körper getrennt worden. Ob Unglücksfall oder Selbstmord vorliegt, ist noch nicht geklärt. Doch vermutet man, dass der Unglückliche infolge plötzlicher Geistesstörung sich beim Bahnhof dem Zug näherte seinen Kopf auf die Schienen legte und sich überfahren ließ, da er weder vom Schaffner und Lokomotivführer bemerkt wurde.
(Gremsdorf, 18. Juli)
Ein pensionierter Postoberpacker feiert

In Heiligenstadt feierte der pensionierte Postoberpacker Friedrich Daum von Schweinfurt mit seiner Ehegattin bei ihrem Sohne, dem dortigen Pfarrer Daum, die goldene Hochzeit. Aus diesem Anlass wurde dem Jubilar von der Marktgemeinde Heiligenstadt das Ehrenbürgerrecht verliehen.
(Heiligenstadt, 25. Juli)
Neuer Forchheimer Priester wird abgeholt

Gestern um 9:00 Uhr beging in der Pfarrkirche von Forchheim der neu geweihte Priester Johannes Jann sein erstes heiliges Messopfer. Der Neupriester wurde von seiner elterlichen Wohnung von der hochwürdigen Geistlichkeit abgeholt und in einem feierlichen Zuge, an dem sich auch die katholischen Vereine, der Gesellenverein das Kasino mit ihren Fahnen beteiligten. Die Primizpredigt hielt Herr Pfarrer Galster aus Erlangen. Den Primizsegen empfingen unzählige Gläubige. Möge das Wirken des Neupriesters im Weinberg des Herrn ein recht segensreicher werden.
(Forchheim, 28. Juli)
Weltliche Kirchweih in Reuth wird gestattet

Auf das von der Gemeindeverwaltung mit der Zustimmung der Gemeindeversammlung gestellte Gesuch wurde die Abhaltung der weltlichen Kirchweihfeier in Reuth an dem alt hergebrachten Tage, also am ersten Sonntag im Oktober gestattet.
(Reuth, 26. Juli)
Judenfriedhof in Pretzfeld geschändet

Östlich von Pretzfeld auf der Höhe befindet sich der Judenfriedhof, die Grabstätte der hier ehemals ansässigen Jüdischen Mitbürger. Der Kirchhof ist schon seit 20 Jahren nicht mehr benutzt worden, seine Mauern sind zerfallen, die meisten Grabsteine sind umgefallen die Stätte zeigt ein ernstes Memento. Nun wurde die Ruhe der dort oben Verstorbenen von ruchloser Hand gestört, in dem ein Grab aufgegraben und das darin sich befindende Skelett heraus geworfen wurde. Auch ein Grabstein wurde von dem Täter umgeworfen.
(Pretzfeld, 31. Juli)



Textzusammenstellung: Rainer Kestler/Stadtarchiv Forchheim