Das Kloster St. Anton hat im Jahr 2013 schon für viele Diskussionen und Aufregung gesorgt. Der Redemptoristen-Orden, der die Anlage 1919 von der Stadt gekauft hatte, verlässt mangels Nachwuchs Forchheim wieder. Die Patres haben große Teile des Klosters verkauft.

Ein Erlanger Bauträger wird nun das alte Gemäuer und den Garten bis Ende 2014 in eine Wohnanlage mit rund 50 Einheiten umgestalten. Die Hoffnungen vor allem vieler älterer Bürger auf eine soziale Einrichtung wurden enttäuscht. Dennoch bleibt die Anlage von Leben erfüllt - wie schon vor 100 Jahren.

Ende des 17. Jahrhunderts hatte der Franziskaner-Orden die Anlage gebaut, nach der Säkularisation folgte schließlich 1830 die Aufhebung. Die Gebäude, teilweise erst im 19. Jahrhundert gebaut, dienten zunächst als Kaserne, dann der Stadt Forchheim als Schule: In den Räumen war die untere Knabenschule (1. bis 3. Klasse), die mittlere (4./5.
Klasse) und die obere (6./7. Klasse) untergebracht. Der ganze Trakt in der Klosterstraße, der an die Kirche St. Anton angebaut ist, beherbergte Schulräume.


Gedenk- und Jubelfeier


Für Leben in der Stadt war damit gesorgt, wie es auch im Forchheimer Tagblatt am 14. Juni 1913 beschrieben wird: "Gestern Vormittag begingen die Forchheimer Volksschulen ihre patriotische Gedenk-und Jubelfeier im reich dekorierten großen Saal des Gesellenhauses. Vom Klosterschulhofe aus bewegte sich unter Begleitung zweier Musikkapellen der stattliche Schülerzug von nahezu 2000 Kindern, die Mädchen alle weiß gekleidet mit Blumenstäben, die Knaben Fähnchen mit den Farben aller deutscher Staaten durch die Straßen der Stadt.

Hier wartete bereits Herr königlicher Hofrat Strecker mit den beiden städtischen Kollegien und geladenen Gästen auf die Kinder. So gestaltete sich die Feier zu einem ergreifenden und erhebenden Moment für das Vaterland und den Kaiser. Nachdem das Deutschlandlied: ´Deutschland Deutschland über alles´ verklungen war, brauste dosender Beifall auf. Die ganze Veranstaltung und die Durchführung aber lies erkennen, welcher Geist in unseren Schulen herrscht und stellt Lehrern und Schülern das beste Zeugnis aus."

Zu dieser Zeit gab es vier Schulhäuser in Forchheim: die Mädchenschule (heute Martinschule), die Volksschule (heute Stadtverwaltung an der St.-Martins-Kirche), die Kaserne (Waisenhaus) und eben die Klosterschule.


Auf dem Weg zum Gesellenhaus


Von dort zogen die Schüler zum heutigen Kolpingshaus, das genau im Jahre 1900 als Katholisches Gesellenhaus erbaut worden war. "Das ging auf die Idee Adolph Kolpings zurück", erklärt der Forchheimer Stadtarchivar Rainer Kestler, "denn die Gesellen war damals drei Jahre lang auf Wanderschaft." In Forchheim fanden sie stets Unterkunft. "Der Kolpingsaal war damals der einzige große Veranstaltungssaal der Stadt", berichtet Kestler.

1912 war der Bayerische Prinzregent Luitpold in Forchheim und ebenfalls in der Halle zu Gast.
Rainer Kestler spricht von einer stattlichen Zahl an Schülern beim jährlichen Zug durch die Stadt. Dazu mussten alle Schüler Forchheims antreten. Das Pennälerleben in der Klosterschule hatte nach dem Ersten Weltkrieg ein Ende, 1919 verkaufte die Stadt die Liegenschaft an die Redemptoristen.

Das 1899 neu gegründete Progymnasium, das zunächst ebenfalls in der Klosterschule untergebracht war, zog 1903 in das neu gebaute heutige Herdergymnasium um. 1927 kam die Zentralschule (heute Ritter-von-Traitteur-Mittelschule) hinzu. Der im Bericht vor 100 Jahren genannte Hofrat Eduard Strecker war rechtskundiger Bürgermeister und der Onkel von Karl Strecker, der in den 1930er-Jahren ebenfalls Bürgermeister und Namensgeber für den Streckerplatz war.
Die Patres nutzen die ehemaligen Schulräume bis zu ihrem im Herbst anberaumten Auszug als Wohntrakt. "Das Kloster hatte viele Jahrzehnte große Bedeutung für Forchheim und Umgebung", lobt der Stadtarchivar das Wirken der Redemptoristen.

Das Kirchenleben in der Gemeinde St. Anton wird aber auch nach dem Weggang des Ordens aus Forchheim mit Leben erfüllt bleiben. Mit einem Fördervereins ("Die Klosterer") und einer Stiftung soll die Kirchengemeinde unterstützt werden. Auch das jährliche Klosterfest, das nächste am 16. Juni, soll weiterhin stattfinden.

Die Proberäume für den Chor und das Orchester des Klosters werden zusammen mit der Kirche weiterhin im Eigentum der Redemptoristen bleiben. Den Gottesdienst in der Klosterkirche wird der Stadtpfarrer von St. Martin übernehmen. Und so gibt es 2013 auch gute Nachrichten über das Kloster.




Aus dem Forchheimer Tagblatt vor 100 Jahren - Juni 1913

Tierschutz
an heißen Tagen

Bei den gegenwärtig heißen Tagen möchten wir Hundebesitzer daran erinnern, dass Kettenhunde täglich mehrmals frisches Trinkwasser nötig haben. Diese armen Tiere, die vielfach den ganzen Tag über der glühenden Sonne ausgesetzt sind, haben unter der Hitze sehr zu leiden. Jedes kleine Kind ist im Stande dem Hund frisches Wasser zu reichen. Möchten Eltern ihre Kinder dazu ermuntern.
(Forchheim, 4. Juni)
Allerhöchste Auszeichnung

Der erst vor kurzem mit der neu gestifteten Kolonialgedenkmünze ausgezeichnete Schlossverwalter Herr Heinrich Merz auf der Jägersburg hat nun auch ausnahmsweise die Allerhöchste Erlaubnis erhalten, die Uniform eines Feldwebels der deutschen Schutztruppe für Kamerun mit dem Seitengewehr zu tragen.
(Forchheim, 6. Juni)
Zentner Kirschen
kostet 25 Mark

Vergangenen Dienstag brachte der Bauer Eismann aus Serlbach die ersten Kirschen auf den Forchheimer Markt am Rathaus. Der Zentner kostete 25 Mark.
(Forchheim, 6. Juni)
Feldhase macht
die Pferde scheu

Am Samstag um 5:00 Uhr wollte ein Fuhrwerksbesitzer von Nankendorf zum ersten Zug nach Ebermannstadt drei große Fässer Forellen bringen. Kurz vor Streitberg sprang ein Hase über die Straße, die Pferde scheuten und rasten bis zum Berg an der Streitburg. Der Wagen stürzte um und die ihres Elements beraubten Fische bedeckten zu Hunderten den Weg. Zwei Mann halfen die Fische wieder in die Fässer zu verstauen, dann ging's im Galopp nach Ebermannstadt.
(Streitberg, 10. Juni)
Feuer in Bamberg
scheint bis Forchheim

Vorgestern in der Nacht wurde starker Feuerschein nördlich von Forchheim beobachtet. Wie wir erfahren, ist die Malzfabrik des Hofbräus in Bamberg bis auf die Grundmauern abgebrannt.
(Forchheim, 12. Juni)
Prüfung am
Luitpoldgymnasium

Am Forchheimer Luitpoldgymnasium nahm Gestern die schriftliche Abgangsprüfung ihren Anfang. Das Thema für den deutschen Aufsatz lautet: "Rom ist nicht in einem Tag gebaut worden."
(Forchheim, 18. Juni)
Blitzschlag in Kirchehrenbach

Gestern Nachmittag fuhr während eines schweren Gewitters ein kalter Blitzschlag in den Kamin des Bauern Amon in Kirchehrenbach und zertrümmerte ihn, kam beim Herd der noch brannte wieder heraus und traf die am Herd stehende Frau Margareta derart schwer, dass nun beide Beine gelähmt sind.
(Kirchehrenbach, 23. Juni)
Im Ludwigs-Kanal ertrunken

Ertrunken wurde im Ludwig - Kanal in der Nähe des Friedhofs neben der Schleuse Herr Privatier Sebastian Lieberth, verwitwet, 70 Jahre alt, aufgefunden. Der Verlebte ging um 21:00 Uhr fort aus seiner Wohnung in der Kanalstraße und eine halbe Stunde später war schon nicht mehr am Leben. Er erfreute sich allgemeiner Beliebtheit und sein Tod wird allseits bedauert.
(Forchheim, 28. Juni)
Zirkus Heppenheimer
auf dem Paradeplatz

Seit Samstag gastiert in Forchheim auf dem Paradeplatz der Zirkus "Heppenheimer". Die Darbietungen desselben sind gute und wir wünschen zu den Vorstellungen immer ein volles Haus.
(Forchheim, 30 Juni 1913)

(Textzusammenstellung: Rainer Kestler Stadtarchiv Forchheim)