Zu zweit tragen die Arbeiter die riesigen Pfähle auf dem großen Parkplatz am Freibad West. Einen nach dem anderen. Und das im Akkord. Daneben wird gehämmert, gebohrt und geschraubt. Alles läuft auf Hochtouren. Getrödelt wird nicht. Denn schon am Samstag werden die ersten der bis zu 300 Asylbewerber, die der Stadt Erlangen von der Regierung von Mittelfranken für drei Wochen zugewiesen wurden, erwartet.

Insgesamt entstehen vier Zelte auf dem Areal. Zwei Zelte auf dem Parkplatz dienen als Schlafgelegenheit. Sie sind jeweils zehn mal 60 Meter groß und haben einzelne Abteilungen. Ein Verpflegungszelt steht direkt im Freibad, das für die Öffentlichkeit bereits geschlossen ist. Ein weiteres Zelt soll die Aufnahme der Flüchtlinge erleichtern. Die Zelte stammen von einem privaten Zeltverleih, sind beheizbar und wetterfest. Die Kosten übernimmt die Regierung von Mittelfranken. "Normalerweise bauen wir so ein Zelt zu acht in zweieinhalb Tagen auf. Jetzt sind wir 22 Mann und müssen bis Sonntag durcharbeiten", sagt Christian Jacobsen, Chef des Unternehmens.

Alle helfen mit
Ein Sicherheitsdienst soll rund um die Uhr vor Ort am Freibad sein. Genauso wie Personal vom Sozialamt sowie Mitarbeiter vom Bayerischen Roten Kreuz und des Arbeiter-Samariter-Bunds Erlangen-Höchstadt zum medizinischen Erstscreening der Asylbewerber. Darüber informierte Christofer Zwanzig, Pressesprecher der Stadt Erlangen. "Auch Erlanger Arztpraxen helfen ganz unbürokratisch", berichtet Zwanzig.

Die Feldbetten für die Flüchtlinge stammen aus den Beständen der Stadt und von Hilfsorganisationen. "Zwischen Zirndorf und Erlangen wird ein Busverkehr eingerichtet", sagt Zwanzig. Die sanitären Einrichtungen im Freibad können von den Flüchtlingen genutzt werden. Zudem werden Sanitär-Container aufgestellt. Die Stadtwerke kümmern sich um Wasser- und Stromanschlüsse.

Zahlen Auch im Landkreis Erlangen-Höchstadt kommen weiter neue Flüchtlinge an. In der Gemeinschaftsunterkunft in Höchstadt sind derzeit (Stand Freitag) 75 Asylbewerber untergebracht. Dezentral sind es im Landkreis 170 Flüchtlinge. Pro Woche kommen acht neue Asylbewerber dazu, die das Landratsamt vom Freistaat zugewiesen bekommt. "Das kann noch weiter steigen", sagt Pressesprecherin Hannah Reuter.

Aufruf Das Landratsamt ist weiter auf der Suche nach Unterkünften für Asylbewerber im Landkreis - sowohl bei Privatleuten als auch bei Kirchen oder anderen sozialen Einrichtungen. Die Unterbringung von Flüchtlingen wird finanziell entschädigt. Ebenfalls werden dringend Übersetzer gesucht. Informationen gibt es bei Dorle Ackermann im Sozialamt in Höchstadt unter Tel. 09193/20 545.

Spenden Das Sozialamt muss Geldspenden an Asylbewerber von den ihnen zugeschriebenen Leistungen abziehen. Dasselbe gilt für Sachspenden. Decken, Kleidung oder andere Artikel deshalb nicht an eine Unterkunft, sondern ausschließlich an Sozialkaufhäuser und Wohlfahrtsverbände geben, rät Reuter. Dort können Asylbewerber Artikel mit Geld- und Warengutscheinen vom Sozialamt käuflich erwerben.