Eine Auszeichnung dafür, dass Menschen mit Behinderung im Chor mitsingen dürfen - "Wozu?", dachten sich die Mitglieder des Musik- und Gesangsvereins Adelsdorf, "das ist doch selbstverständlich." Ist es eben nicht, stellte Jürgen Ganzmann, Kreis-Behindertenbeauftragter, bei der Verleihung der Integrationsmedaille des Landkreises klar.

Landrat Eberhard Irlinger (SPD) würdigte das Engagement dreier Organisationen in besonderem Maße. Neben dem MGV Adelsdorf zeichnete Irlinger auch die Firma "Der Beck" sowie die Grundschule Höchstadt Süd aus.

Von Grundschule abgewiesen

Ein bewegendes Schicksal hat der kleine Jonas Puhmann. Er leidet am TAR-Syndrom. Das bedeutet, dass seine Arme stark verkürzt sind. Eigentlich sollte er in die Grundschule in Mühlhausen gehen - doch er wurde abgewiesen, weil die Rahmenbedingungen nicht gegeben waren.
Seine Familie wandte sich an eine Förderschule in Nürnberg, die wiederum an die Grundschule Höchstadt Süd verwies.

"Das gesamte Lehrerkollegium signalisierte Bereitschaft, sich um den Jungen zu kümmern", sagte Schulleiterin Helga Brauner. Die Stadt übernahm die Kosten für einen verstellbaren Tisch für Jonas, der Bezirk steuerte eine Schulbegleiterin bei. "Auch mit den Mitschülern läuft alles prima", betont Helga Brauner. Doch das wichtigste ist, dass es Jonas gefällt und er sich wohlfühlt - was er bei der Verleihung der Integrationsmedaille auch mit einem strahlenden Lächeln und einem lauten "Ja!" bestätigte.

Singen als große Leidenschaft

Stellvertretend für die Menschen mit Behinderung, die im Musik- und Gesangsverein Adelsdorf aktiv sind, steht Marianne Ramstöck. Sie hat eine psychische Behinderung, lebt in der WAB Kosbach. Ihre Krankheit äußert sich darin, dass sie Schwierigkeiten mit der zeitlichen und räumlichen Orientierung hat. Für den MGV Adelsdorf kein Problem - die anderen Mitglieder unterstützen Marianne Ramstöck wo sie können, halten ihr die Notenblätter oder helfen ihr zum Beispiel auf die Bühne.

Dort fühlt sie sich wohl, denn: "Singen und Tanzen sind meine Lieblingsbeschäftigungen", sagt Ramstöck. Zumindest eine dieser Beschäftigungen kann sie im MGV Adelsdorf ausüben - und das schon seit bald 20 Jahren. Landrat Irlinger lobte den Verein insbesondere dafür, dass in nahezu jeder seiner Abteilungen Menschen mit Behinderung vertreten sind. Das Lob verband er mit der klaren Aufforderung: "Macht einfach weiter so!"

Bei der Firma "Der Beck" arbeitet Ingo Reisberger seit 14 Jahren als Kommissionierer. Das heißt, er sorgt dafür, dass die richtige Filiale auch die richtigen Produkte bekommt. Das Besondere an Ingo Reisberger: Er ist gehörlos. Seinen Job bei dem großen Bäckereiunternehmen hat er nicht etwa durch Fördermaßnahmen bekommen, sondern auf dem sogenannten ersten Arbeitsmarkt. Zwei Mitarbeiter in seiner Abteilung beherrschen die Gebärdensprache und können so mit Ingo Reisberger kommunizieren.

"Die Geschichte der Menschen mit Behinderung war eine traurige und ist es immer noch, wenn man sich in den Ländern dieser Welt umsieht", sagte Irlinger. Rund zehn Prozent der Bevölkerung hat ein Handicap, sagte der Landrat. Deswegen brauche es mehr Vereine und Organisationen, die, so wie die drei ausgezeichneten, mit gutem Beispiel vorangehen und als Vorbilder dienen. Deshalb war Irlingers abschließende Forderung an alle: "Weg mit den Barrieren!"