Sie treten als Spendensammler auf und nutzen die Gutmütigkeit mancher Menschen aus: Trickdiebe treiben derzeit im Raum Erlangen-Höchstadt ihr Unwesen. Immer wieder sprechen sie Passanten an - bevorzugt vor Supermärkten. Meistens geben die Betreffenden an, für Hochwasseropfer oder für Taubstumme zu sammeln. "Es hat sich aber herausgestellt, dass dies in den allermeisten Fällen nicht der Wahrheit entspricht", sagt Höchstadts Polizeichef Jürgen Schmeißer. Man gehe davon aus, dass es sich bei den Bettlern um organisierte Banden handelt.

Manche der Betrüger gehen noch dreister zu Werk und stehlen den spendenbereiten Bürgern ihr Bargeld aus der Tasche. Dazu nutzen sie meist ein einfaches Ablenkungsmanöver: Der Griff in die Geldbörse erfolgt zum Beispiel dann, wenn das Opfer gerade eine Unterschrift für die vorgetäuschte Spendenaktion leisten soll.


Das Problem für die Polizei ist, das normales Betteln - unter das rein rechtlich auch das Spendensammeln fällt - straffrei ist, wie Jürgen Schmeißer erklärt: "Es ist den Spendern überlassen, ob sie etwas geben wollen." Aggressives oder betrügerisches Betteln ist hingegen verboten. "Wir bewegen uns da in einem strafrechtlichen Grauraum", sagt Schmeißer. Oft haben die vermeintlichen Spendensammler ihren Wohnsitz nicht in der Bundesrepublik - was die Ermittlungen erschwert.

Opfer sollten sich, so Schmeißer, in jedem Fall gleich an die Polizei wenden. "Manchmal kann man ihnen dann zwar nicht in dem Maße helfen, wie man das gerne tun würde. Trotzdem führen direkt eingeleitete Fahndungen doch oft zum Erfolg. Und wenn nicht, dann kann man immerhin die Kollegen in angrenzenden Zuständigkeitsbereichen alarmieren."

Pärchen wurde festgenommen

Erst vor wenigen Wochen nahm die Höchstadter Polizei ein Pärchen fest, dass mit der Spenden-Masche auf Beutezug war. "Wir versuchen präventiv zu arbeiten und die Täter durch Kontrolldruck abzuschrecken", sagt Schmeißer.
Erst am Dienstagvormittag wurde ein 88-Jähriger in Erlangen Opfer einer Trickdiebin. Sie brachte den Rentner auf dem Parkplatz eines Supermarktes um mehrere hundert Euro. Eine junge Frau sprach den Herrn auf dem Supermarkt-Parkplatz in der Cumianastraße an. Sie gab vor, für eine Taubstummeneinrichtung Geld zu sammeln. Der Senior übergab der jungen Frau einige Euro in Münzen.

Im Anschluss leistete er eine Unterschrift für die Spendenliste, danach verschwand die Sammlerin. Als der Mann wieder zu Hause war, stellte er fest, dass die gesamten Scheine aus seiner Geldbörse fehlten. Die Unterschrift war offenbar ein Ablenkungsmanöver, um an das Geld des 88-Jährigen zu kommen.
Die Frau wird wie folgt beschrieben: Sie war etwa 1,50 Meter groß, 16 bis 17 Jahre alt, hatte dunkle, kinnlange Haare und südländisches Aussehen.Sie war dunkel gekleidet.

In diesem Zusammenhang warnt die Erlanger Kriminalpolizei vor erneutem Auftreten und sucht zugleich Zeugen. Wer Opfer einer solchen Tat geworden ist oder Hinweise geben kann, soll sich an den Kriminaldauerdienst Mittelfranken unter der Rufnummer 0911/21123333 oder an jede beliebige Polizeidienststelle wenden.


So verhalten Sie sich richtig:

Ablenkung Häufig nutzen die falschen Spendensammler ihre Schreibkladde als Ablenkungsmanöver, um ihren unbedarften Opfern Bargeld aus den Geldbörsen zu stehlen.
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Ausweis Die Polizei rät Bürgern, die etwas spenden möchten, den Spendensammler aufzufordern, einen Ausweis der Organisation vorzuzeigen, für die er Geld sammelt.

Abstand Man sollte darauf achten, die persönliche Distanz zwischen sich und dem Spendensammler zu wahren.