Jürgen Wittmann entwickelt sich immer mehr zum Spezialisten für hohe Temperaturen. In der Vorwoche ließ der Athlet des LAC Quelle Fürth bei seinem Erfolg beim Hochstraßenlauf in Weisendorf unter anderem zwei Äthiopier hinter sich, die bei dem Rennen 2017 noch ganz oben auf dem Treppchen gestanden hatten.

Jetzt entschied er bei ähnlich heißem Wetter den 15. Tanzenhaider Weiherlauf für sich. Zwar hatte er diesmal keine Konkurrenz aus Afrika, dafür trieb ihn der Reiz des Streckenrekords über die zehn Kilometer des Hauptlaufs ins Ziel, das er in 34:16 Minuten mit mehr als drei Minuten Vorsprung auf den zweitplatzierten Axel Berndt von der LG Erlangen erreichte. Dieser gewann mit seinen beiden Teamkollegen zumindest die Mannschaftswertung.

"Eigentlich laufe ich lieber im Frühjahr und Herbst", sagt der 40-Jährige überraschend. "Ich mag es sogar, wenn es leicht regnet." Da verwundert es, dass Wittmann nicht auch beim Neuhauser Straßenlauf triumphierte: Dieser fand bereits im März statt, dennoch musste er sich mit Bronze zufrieden geben. "Der Weiherlauf ging ja schon um 10 Uhr los und teilweise durch den Wald. Da war es nicht ganz so heiß", sagt Wittmann.

Den Traum vom Hattrick aus drei heimischen 10 000-Meter-Siegen innerhalb von zwei Wochen muss der Sportler aus Neustadt an der Aisch allerdings begraben, denn eine Finger-Operation zwingt ihn zu einer Wettkampfpause. Daher wird er beim zweiten Herzo-Run am kommenden Sonntag nicht am Start stehen und seinen Titel aus dem Premierenjahr abgeben.

Die Zeit nach der OP könnte Wittmann nutzen, um seine Fitness-Uhr auszuprobieren, die er für den Rekord erhielt. Einen Preis, mit dem er nicht unbedingt rechnete: "Ich habe zwei Tag vorher am Kitzinger Krankenhauslauf über 6,9 Kilometer teilgenommen und befürchtet, dass ich schwere Beine haben könnte, aber nachdem ich den Rekord im Vorjahr so knapp verpasst hatte, wollte ich ihn unbedingt knacken", berichtet Wittmann, der die Bestmarke von Gerd Manz, aufgestellt bei der ersten Auflage 2004, um drei Sekunden unterbot.

Auch die Dorfmeister Burkhard Tauber und Christina Braun freuten sich über ein Geschenk. Am leichtesten, aber nicht weniger anstrengend, war es für die Teilnehmer des Hobbylaufs, an Sonderpreise zu gelangen: Lediglich zehn Starter nahmen die drei Kilometer in Angriff.

Beim Walking über acht Kilometer waren das männliche und weibliche Treppchen jeweils mit Läufern der TS Herzogenaurach, des SC Oberreichenbach und des TSV Neustadt besetzt - wenn auch in geringfügig anderer Reihenfolge. Bei den Herren setzte sich Manfred Schumacher (TSH) mit 54:42 Minuten an die Spitze; vor Alexander Krome (SCO, 57:32) und Gellert Rosti (TSV, 58:26). Als einzige Dame blieb Ulrike Schlichte von der TSH unter einer Stunde (59:34). Knapp über der Marke kamen Michaela Peltner (TSV) und Uschi Krome (SCO).

Teilnehmerstärkster Verein war der TSV Neustadt, der neun der 150 Starter stellte. Auch einige Fußballer des SCO um Kreisklassen-Trainer Alban Bllaca waren dabei. Bürgermeister und Mitorganisator Klaus Hacker brachte Startnummer 1 als 58. des Hauptlaufs ins Ziel.


Der Querläufer: Zucker als Doping für den Endspurt

" Cola!", rufe ich. Tanzenhaider Weiherlauf. Letzte Versorgungsstelle vor dem Ziel. Mein Körper schreit nach Zucker. Ich brauche noch Kraftstoff für den Zielsprint. Die Beine werden immer schwerer. Noch drei Kilometer bis zum Ziel. Die Läuferfrau steht nicht an der Strecke. Vor ein paar Tagen klang das so: "Was?", die Läuferfrau schreit entsetzt auf, "schon wieder ein Wettkampf am Wochenende?! Es gibt ja sonst nichts zu Hause zu tun. Der Rasen muss gemäht und die Hecke geschnitten werden, der Wasserhahn tropft, ein Tischbein wackelt und im Bad müsste eine neue Lampe montiert werden." Da war harte Überzeugungsarbeit bitter nötig. Doch jetzt ist wieder alles gut. "Cola!", rufe ich noch einmal.

Als ich noch ein kleiner Bub war, gab es zu Hause Griesbrei mit Apfelmus oder Pfannkuchen. Mit Zucker oben drauf. Dazu Kakao, natürlich mit einem Löffel Zucker. Oder zwei. Als ich dann älter wurde und den Kaffee entdeckte, ließ ich einen Zuckerwürfel hineinplumpsen. Wenn ich Husten hatte, gab es die Medizin auf einem Zuckerwürfel. Bei der Schluckimpfung auch. Im Radio spielten sie damals dauernd "Sugar, Sugar" von den Archies. Marilyn Monroe hieß "Sugar" in "Manche mögen's heiß". Und zu den Mädchen sagten wir "Süße". Dick ist von dem ganzen süßen Zeugs damals keiner geworden. Ein Zuckerwürfel zwischendurch, na und? Es war doch einfach so: Zucker war wie Trost. Oder Glück.

Heute lebe ich weitgehend ohne Zucker. Der Zucker steht bei uns ganz hinten im Schrank. Dieses Streuglas steht schon so lange, dass wir den Zucker jedes Mal losklopfen müssen, wenn wir ihn brauchen. Doch das passiert ja nie. Die Läuferfrau sagt, zu viel Zucker sei schädlich, mache fett und zerstöre die Zähne. Cola und Fanta gibt es auch nicht. "Um Himmels Willen, da sind ja 40 Stück Zucker in der Flasche." Das will ich mir auch gar nicht vorstellen. Wer will denn schon 40 Zuckerwürfel trinken? Ich will nur meinen Löffel Glück.

Was bleiben da für Alternativen? Honig? Geht nicht, weil er für den Kaffee nicht taugt. Jahrelang hatte ich mit Süßstoff experimentiert. Die kleinen, weißen Pillen sahen so nett aus. "Plipp, plipp" ohne umrühren. Aber man konnte sie nicht streuen und sich dabei freuen. Das Kriseln macht doch erst den Zucker aus. Und dann der Name "Aspartam". Wie unsexy. Nur einmal angenommen, Marilyn Monroe hätte nicht "Sugar", sondern "Aspartam" geheißen. Kaum auszudenken.

Den Süßstoff hat meine Läuferfrau ebenfalls abgeschafft. Nicht gut für den Stoffwechsel, zu viele Kalorien und so weiter. "Kennst du denn nicht die neuesten Studien?" Ich solle auf meine Blutwerte achten und dann kommt eine Liste, die so klingt wie die Nebenwirkungen von Salzsäure. Im Prinzip hat sie auch Recht. Wenn schon süß, dann sollte es Zucker sein.

Und jetzt habe ich den Zucker dringend nötig. Die Hausarbeiten sind erledigt. Das nimmt aber Kraft für's Laufen. Der Tanzenhaider Weiherlauf macht richtig Spaß. Ich quäle mich den letzten Anstieg hoch. In der Zielkurve machen die Zuschauer eine Laola. Organisation und Zuschauer sind Klasse in Oberreichenbach.

" Cola!" - Irgendjemand reicht mir einen Becher. Es ist Cola. Der Zucker geht mir direkt ins Blut. Wow! What a feeling!? Das ist die zweite Luft. Der Zusatzantrieb. Ich fliege dem Ziel entgegen. Heute darf ich ungehemmt der Zuckerlust frönen. "Sugar - oh Honey, Honey."

Run happy and smile!Euer Querläufer

Ergebnisse
HAUPTLAUF (10 km)
Männer: 1. Jürgen Wittmann (LAC Quelle Fürth) 34:16 Minuten, 2. Axel Berndt (LG Erlangen) 37:25, 3. Alexander Langer (TSV Scheßlitz) 38:22, 4. Steffen Gertscher (LG Erlangen) 38:29, 5. Stefan Brendel ("heute geht's um die bratwurst") 38:31, 6. Florian Labetzsch (twenty.six) 39:00, 7. Peter Lenz (LG Erlangen) 40:58, 8. Wolfgang Dormann ("heute geht's um die bratwurst") 41:03, 9. Jörg Walz (Schaeffler) 41:32, 10. Timo Schuster ("heute geht's um die bratwurst") 41:55
Frauen: 1. Annika von Marschall 45:26, 2. Heike Pawlitschek (TSV Burghaslach) 47:41, 3. Nicole Neuhauser (Steigerwaldclub) 49:07, 4. Christina Braun 49:23, 5. Clara Scheller (beide SC Oberreichenbach) 50:23
Dorfmeister: Burkhard Tauber (43:33) und Christina Braun (49:23
HOBBYLAUF (3 km)
Männer: 1. Nico Groger (TSV Ipsheim) 10:00 Minuten, 2. Jannik Bauer (SV Puschendorf) 11:43, 3. Moritz Bräutigam 13:19 / Frauen: 1. Lisa Bauer (ASV Veitsbronn-Siegelsdorf) 13:18, 2. Isabella Meier (Fahrrad Meier Erlangen) 15:28, 3. Heike Kohl (SV Gutenstetten) 16:29
WALKING (8 km)
Männer: 1. Manfred Schumacher (TS Herzogenaurach) 54:42, 2. Alexander Krome (SC Oberreichenbach) 57:32, 3. Gellert Rosti (TSV Neustadt) 58:26
Frauen: 1. Ulrike Schlichte (TS Herzogenaurach) 59:34, 2. Michaela Peltner (TSV Neustadt) 1:00:56, 3. Uschi Krome (SC Oberreichenbach) 1:01:17