Zu groß, zu teuer und vielleicht am falschen Platz? In der Sitzung des Mühlhausner Marktgemeinderats wurde die bisherige Planung des Kindergarten-Neubaus, die auf den Standort bei der Schule abzielt, infrage gestellt. Gut zwei Stunden lang wurde das Für und Wider verschiedener Ausführungen und Standorte abgewogen.

Wie Bürgermeister Klaus Faatz mitteilte, wollte er das Thema "sauber ausdiskutieren lassen". Insbesondere, um den neuen Ratsmitgliedern ausreichend Raum für ihre Vorstellungen zu geben. Einige Räte der Freien Wähler zeigten sich skeptisch gegenüber der großen Lösung. Am Ende wurde dann doch - bei drei Gegenstimmen - am bereits beschlossenen Standort Schule festgehalten. Dort soll Platz für drei Krippen- und zwei Kindergartengruppen geschaffen werden.

Noch das "alte" Ratsgremium hatte im Januar beschlossen, auf dem Gelände bei der Schule einen Kita-Neubau zu erstellen. Fünf Gruppen - 36 Krippen- und 50 Regelplätze - hatte das Landratsamt als Bedarf anerkannt. Dabei sind die neuen Baugebiete "Weißer Weg II" und Hüttenfeld in die Planung eingeflossen.

Nicht genügend Platz

Das von der Gemeinde an der Bamberger Straße erworbene Gelände direkt neben dem bestehenden Kindergarten war - nach einer früheren Diskussion mit dem Architekten - zu klein für einen Neubau samt den notwendigen Parkplätzen. Nach dem Abriss des Hauses stehen dort jetzt die Container, in denen als Interimslösung zwei Gruppen untergebracht sind.

Derzeit wären zwanzig Plätze frei, antwortete die Kita-Leiterin auf die Frage von Alexander Schüpferling. Viele Eltern hätten gerne einen Hort, vor allem in den Ferienzeiten. Bei einem Neubau gebe es jedoch für Hortplätze keine Förderung, stellte Faatz fest. Eventuell könne aber der "Altbestand" dafür genutzt werden. Rainer Morgenroth erinnerte daran, dass in der Vergangenheit immer nur an- und umgebaut wurde. "Jetzt haben wir die Chance für einen Neubau und ihr diskutiert um die Parkplätze."

Alternativen

Architekt Georg Brügel machte deutlich, dass sein Konzept sowohl in Massiv- als auch in Modulbauweise ausgeführt werden könne. Konventionell gebaut wären viele Fachplanungen, beispielsweise für die Haustechnik, notwendig. Hingegen verkürze sich bei Modulbauweise die Bauzeit enorm.

Unter getrennter Leitung

Bereits vor Monaten hatte sich das Gremium für zwei Kitas mit getrennter Leitung ausgesprochen. Dies ist, wie Harald Scheidig in der Sitzung betonte, bei künftig neun Gruppen auch unerlässlich. Kita-Leiterin Tina Härtlein und ihre Stellvertreterin Melanie Schmitt konnten das nur bestätigen. In der Sitzung legten sie die Kinderzahlen der vergangenen Jahre sowie auch Hochrechnungen für die Zukunft vor.

Ende 2019 war man in Mühlhausen froh, dass der Neubau nach einigen Hürden doch noch in das Förderprogramm kam. Die für den fünfgruppigen Neubau veranschlagten Kosten liegen nach Aussage des Architekten bei rund 3,5 Millionen Euro. Nach Abzug der Förderung würde auf die Gemeinde ein Eigenanteil von 1,3 Millionen Euro zukommen. Ralf Geyer hatte bei dieser Kostenhöhe "Bauchschmerzen". Einkommen- und Gewerbesteuern würden aufgrund der Krise nicht mehr so fließen wie zuvor. Auch Walter Jakob wollte angesichts der allgemeinen Lage "die Planung noch einmal auf den Prüfstand stellen".

Bürgermeister optimistisch

Bürgermeister Faatz hält die Förderung aufgrund der bereits vorliegenden "Unbedenklichkeitsbescheinigung" für relativ sicher, auch wenn er Gespräche mit der Regierung noch für nötig erachtet.

Diese Bescheinigung sei jedoch bis Jahresende 2020 befristet, was rasches Handeln erfordere, so Faatz.

Kinder in natürlicher Umgebung betreuen

Herbert Pickel bekam im Gemeinderat die Chance, seine Präsentation eines Bauerhof-Kindergartens zu zeigen. Dieser wäre seiner Meinung nach wesentlich kostengünstiger einzurichten als eine konventionelle Kita.

Die Kinder hätten heute kaum noch einen Bezug zur Landwirtschaft und zur Produktion der Nahrungsmittel. Im Verbund mit der Natur träten wesentlich weniger Allergien auf und die Kinder könnten - so der zitierte Wissenschaftler - ihren Horizont enorm erweitern.

Nachfrage unklar

Walter Jakob sprach Pickels Vorschlag "einen gewissen Charme" nicht ab. Der Erfolg eines solchen Modells hänge jedoch wesentlich davon ab, ob es Eltern gebe, die mitmachen. Bürgermeister Faatz vertrat zwar die Meinung, dass es sich bei dieser Kita-Form um ein "Nischenprodukt" handle. Er wolle es aber nicht ablehnen.

Vielleicht könne man Teile davon in den bestehenden Kindergarten integrieren. "Das könnte eine Aufwertung bedeuten, wenn die Container eines Tages wieder weg sind."

Allerdings hatte Pickel seinen Antrag am Tag vor der Sitzung wieder zurückgezogen.