Seit ein paar Wochen hat er es vom Amtsgericht in Nürnberg schwarz auf weiß: Er ist nicht mehr Bianca, sondern Rene Körner (28). Mit dem inFranken.de spricht der Münchauracher über seinen Weg von einer Frau zu einem Mann, über das Leben zwischen zwei Geschlechtern und wie sein Körper sich nach und nach verändert.

Wie ist das, wenn Sie ein altes Foto von sich sehen, auf dem Sie noch Bianca sind?
Rene Körner: Das ist schon ein krasses Gefühl (hält inne und betrachtet ein solches Bild). Aber trotzdem bin das immer noch ich. Der Mensch verändert sich nicht, nur das Aussehen.

Wann haben Sie das erste Mal gespürt, dass Sie lieber ein Mann sein wollen?
Das war von klein auf. Ich war schon als Kind immer mehr mit Jungs zusammen und hab' am liebsten Fußball gespielt.
Als ich mit 14 von der gemischten in die Mädchenmannschaft wechseln musste, fand ich das alles andere als toll.

Wem haben Sie zuerst erzählt, dass Sie sich in Ihrem Körper nicht wohl fühlen?
Mit 13 hab' ich mich meiner Mutter geöffnet. Sie hat es aber, glaube ich, erst nicht so ernst genommen und gesagt, dass ich meinen Körper so akzeptieren müsse, wie er ist. Ich hab' mich total missverstanden gefühlt.

Haben Sie danach zunächst versucht, sich gegen Ihren Wunsch zu wehren, ein Mann zu sein?
Ja, sehr lange. Gleichzeitig hab' ich mich in meinem Körper aber immer unwohler gefühlt. Im Freibad hab' ich nur noch im T-Shirt gesessen, weil ich meine Brüste verstecken wollte. Mit der Zeit bin ich aber sehr offen damit umgegangen, hab' auch Freunden erzählt, dass ich lieber ein Mann sein möchte. Manche empfanden das als abnormal oder ekelhaft. Das war schon auch schwierig. Letztes Jahr im Oktober war für mich dann endgültig klar, dass ich keine Frau mehr sein möchte. Und das war einfach nur erleichternd - sehr erleichternd.

Wie wurde dann aus Bianca schließlich Rene Körner?
Ich hab' mich jede Woche mit einer Psychologin getroffen. Sie wollte alles genau von mir wissen. Das hat gut getan, darüber zu sprechen. Alle drei Monate treffe ich außerdem einen Psychiater. Im März dieses Jahr wurde festgestellt, wie hoch die Hormondosis sein darf. Seitdem bekomme ich alle drei Wochen eine Spritze von meinem Hausarzt.

Was waren die ersten Veränderungen an Ihrem Körper? Wie schnell ging das?
Sehr schnell eigentlich. Schon nach der ersten Spritze wurde meine Stimme tiefer und männlicher. Später wurden auch meine Schultern und das Gesicht breiter. Ich hab' auch mehr Kraft als früher durch das Testosteron. Außerdem wachsen mehr Haare. Auch im Gesicht wachsen sie langsam. Einmal in der Woche muss ich mich rasieren (strahlt) .

Und wie lange müssen Sie diese Hormone einnehmen?
Mein Leben lang.

Haben Sie auch vor, sich zu operieren?
Auf jeden Fall! Die Brüste sind durch die Hormone zwar etwas kleiner geworden, aber sie können nur operativ entfernt werden. Ich würde es gerne noch dieses Jahr machen lassen und hab' bereits einen Antrag an die Krankenkasse gestellt. Ich trage immer noch BH. Beim Weggehen binde ich die Brüste ab und zu ab.

Planen Sie noch weitere Operationen?
Nächstes Jahr möchte ich meine Gebärmutter und Eierstöcke entfernen und einen Penoidaufbau vornehmen lassen. Am wichtigsten, muss ich sagen, sind mir aber erstmal die Brüste, allein vom Erscheinungsbild.

Welche Reaktionen haben Sie bisher erlebt?
Meine Mutter ist sehr verständnisvoll und steht hinter mir. Genauso meine Freunde und Leute hier aus dem Ort - die kommen teilweise richtig ins Staunen und sagen, dass ich sowieso schon immer mehr ein Kerl war (lacht).

Und wie war es auf der Arbeit?
Dort hab' ich es vorher angekündigt. Für viele war es bestimmt erstmal eine Umgewöhnung. Aber nach und nach war das kein Thema mehr. Manche nennen mich auch immer noch aus Versehen Bianca, das ist eben so.

Sie haben seit Oktober außerdem eine Freundin. Sie lernte Sie also noch als Frau kennen?
Das ist richtig. Ich hab' schon immer auf Frauen gestanden, nicht auf Männer. Angelina begleitet mich auf diesem Weg.

Warum haben Sie sich eigentlich gerade Rene als Namen ausgesucht?
Meine Eltern dachten vor meiner Geburt, dass ich ein Junge werde. Sie wollten mich Rene nennen. Und nachdem Rene der Wiedergeborene heißt, passt das ja auch ganz gut.

Wünschen Sie sich Kinder?
Ich hab' Angelina auf der Kerwa in Münchaurach auf der Bühne einen Antrag gemacht. Nächstes Jahr wollen wir heiraten. Kinder wünschen wir uns beide. Zwar bin ich dann zeugungsunfähig, aber es gibt ja mehrere Wege, Kinder zu bekommen.

Was würden Sie anderen Männern oder Frauen raten, die eine Geschlechtsangleichung vorhaben?
Man sollte sich seiner Sache sicher sein. Man muss damit rechnen, dass Menschen Abstand nehmen, weil sie damit nicht zurechtkommen. Man braucht Ehrgeiz und Geduld. Das geht nicht von heute auf morgen.

Haben Sie es schon einmal bereut oder denken Sie, dass Sie es später einmal bereuen könnten?
Niemals! Es war eine Befreiung! Ich wusste, dass es nur diesen einen Weg für mich gibt, und dass es der richtige ist. Ich wollte es schon immer, und ich wollte als Mann anerkannt werden. Und das hab' ich geschafft.


Das Gespräch führte
Sabine Herteux


Wer Kontakt mit Rene Körner aufnehmen möchte, weil er selbst über eine Geschlechtsangleichung nachdenkt oder diese bereits gemacht hat, kann dies per E-Mail tun: Bifi85@gmx.de