Schirnsdorf
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Landwirte aus Franken drohen: Die Proteste waren erst der Anfang

Wie die meisten ihrer Berufskollegen sind auch die Landwirte in Erlangen-Höchstadt verärgert über die Agrarpolitik der Regierung - und nicht nur das.
 
Ralf Geyer, Alexander Schüpferling (von links) und Alfred Winkler (rechts) waren bei der Demonstration in Würzburg dabei. Daniel Wagner aus Mühlhausen (Zweiter von rechts) war zwar nicht in Würzburg, vertritt aber die gleiche Meinung. Foto: Evi Seeger
Ralf Geyer, Alexander Schüpferling (von links) und Alfred Winkler (rechts) waren bei der Demonstration in Würzburg dabei. Daniel Wagner aus Mühlhausen (Zweiter von rechts) war zwar nicht in Würzburg, vertritt aber die gleiche Meinung. Foto: Evi Seeger

Die nächste Demo kommt bestimmt, ja sie muss kommen - und zwar schon bald, da sind sich die Landwirte aus der Region sicher. "Damit die Leute wissen, dass wir es ernst meinen." Erst einmal können die Bauern ihre Kundgebungen mit "Ziel erreicht" abhaken. Denn sie haben bundesweit auf sich und ihre Probleme aufmerksam gemacht.

Innerhalb von nur zwei Wochen formierte sich der Aufstand in Bayreuth, München und Würzburg ebenso wie in weiteren Großstädten in ganz Deutschland.

Fränkische Landwirte: Die nächste Demo kommt bestimmt

Ralf Geyer aus Schirnsdorf, Alfred Winkler aus Kleinweisach und Alexander Schüpferling aus Mühlhausen waren dabei, als sich rund tausend Trekker in Würzburg nahe der Residenz versammelt haben. Es sei eine friedliche, geordnete und anständige Veranstaltung gewesen, berichten sie. Um 5.45 Uhr in der Frühe sind sie mit 15 Traktoren in Schirnsdorf aufgebrochen. Unterwegs kamen immer mehr dazu. Über Scheinfeld, Markt Bibart und Kitzingen ging es nach Würzburg. Zunächst seien 50 Fahrzeuge, drei Tage zuvor 500 gemeldet gewesen. Am Ende waren es tausend Traktoren. Besonders freute sich Ralf Geyer über die Reaktion eines netten Polizisten: "Wir haben die Botschaft verstanden!"

"Bauernjagd"

Den Bauern reicht's. Durch immer größere Auflagen, Vorschriften und Gesetze hat sich viel Ärger aufgestaut. Die Landwirte wollen nicht mehr der Buhmann der Nation sein. Diskussionen um Glyphosat, Nitrat und Phosphat werden auf ihren Schultern ausgetragen. Obwohl diese Stoffe im täglichen Leben vielfältig Einsatz fänden, wie sie beteuern. "Bauernjagd" nennt Schüpferling das kurz und bündig.

Der großen Masse will der Landwirt aus Mühlhausen gar keinen Vorwurf machen: "Sie wissen es nicht anders!" Schuld an der ganzen Misere seien die Politik und Medien, die die Verbraucher aufheizen. Deshalb werde es auch eine Online-Petition gegen eine sogenannte "Landwirtschaftsexpertin" des Bayerischen Rundfunks geben, "die nur Müll erzählt". Als nächster Schritt sei - durch Austritte - massiver Druck auf den Bayerischen Bauernverband denkbar. Denn der BBV, eigentlich die Lobby der Landwirte, habe gegen die existenzbedrohenden Auflagen und Gesetze nichts unternommen.

Dabei hätten die Landwirte immer das getan, was ihnen vom Staat empfohlen und an den Landwirtschaftsschulen - noch vor zwei Jahren - gelehrt worden sei. "Wir sind immer vom Staat geschult worden. Alles ist untersucht, geprüft und genehmigt worden", sagt Ralf Geyer. Jetzt sei alles falsch und den Landwirten werde mit Auflagen und Vorschriften das Leben schwer gemacht. "Bloß weil eine unfähige Politik Mist gebaut hat!" "Wir haben so viele Auflagen, Gesetze und Verbote - wir können nicht für Weltmarktpreise produzieren", sagt Alfred Winkler. Was nütze hierzulande ein Weizen, der in Südamerika für acht Euro produziert werde. "Er ist nicht bei uns." Das bedeute Fracht, Zölle, Maut und natürlich auch Umweltverschmutzung durch die weiten Wege. Ganz gleich, woher die Nahrungsmittel kommen, ob aus Südamerika, Kanada oder China - so scharfe Vorschriften wie in Deutschland gebe es nirgendwo.

Noch 1960 habe der Verbraucher 40 Prozent seines Verdienstes für Lebensmittel ausgegeben, sagt Geyer. Jetzt wären es nur noch elf Prozent. Sie verurteilen die "Geiz ist geil"-Mentalität: Das Auto sehe der Nachbar, zweimal jährlich in Urlaub müsse sein, "aber was sie im Bauch haben, sieht kein Mensch".

Es geht um 50 Cent pro Kilo

Alexander Schüpferling verdient an einem verkauften Schwein zwischen zehn und zwanzig Euro. Dafür müsse er den Stall unterhalten, seine Arbeitskraft, Versicherungen und anderes mehr rechnen. "Geben sie uns fünfzig Cent pro Kilo mehr (das sind 50 Euro je Schwein) und wir machen alles, was der Verbraucher will", sagt er. Dann könne er einen Mitarbeiter einstellen.

Dass er umsonst arbeiten soll, damit sich Händler und Konzerne die Taschen vollschaufeln, sieht auch Winkler nicht mehr ein. Mit seinen Sonnenblumen als "fränkisches Futter für fränkische Vögel und Insekten" musste er ähnliche Erfahrungen machen. Einem bekannten Baumarkt waren seine Produkte zu teuer. Und die Verbraucher würden wegen einer Differenz von zwanzig Cent lieber zum Baumarkt fahren. Ein Kapitel für sich sind wohl die Subventionen. Ohne diese Ausgleichszahlungen wären entweder die Nahrungsmittel teurer oder die Bauern könnten nicht mehr existieren, wird erklärt. Wobei als Empfänger auf den ersten Plätzen nicht die Landwirte, sondern Forschung, Institute, Konzerne, Naturschutz stünden. Winkler betont jedoch: "Wir wollen gar keine Subventionen. Wir wollen eine ordentliche Entlohnung für unsere Produkte!"