Die Stimmung ist gedrückt im Gasthaus "Am Alten Brunnen" in Marloffstein. SPD-Direktkandidatin Alexandra Hiersemann wirkt ruhig, aber etwas schockiert ob des extrem schlechten Abschneidens ihrer Partei: Keine zehn Prozent bayernweit, im Landkreis Erlangen-Höchstadt sieht es nicht besser aus. Auch ihr Erststimmen-Ergebnis ist mit knapp über 13 Prozent auf einem Tiefpunkt - 2013 holte sie über 24 Prozent. "Es haben nicht nur wir verloren, aber es ist zweifellos eine historische Niederlage", bekennt sie unumwunden.

Sie betont, dass sie diese nicht auf die Spitzenkandidatin, Natascha Kohnen, zurückführt: "Sie hat den besten Job gemacht, den sie machen konnte." Eher bemüht sie die Bundespolitik als Erklärung - zumindest teilweise. Schließlich könne man sich im Land - und auch im Wahlkreis - nicht vollständig von den Themen lösen, die bundesweit Frustration auslösen.

Hiersemann schlägt aber auch selbstkritische Töne an, werde sich in den nächsten Tagen sicher fragen, wo es auch an ihr gelegen habe, dass es diesmal nicht für einen Sitz im Landtag reichte - wenn es denn so kommen sollte. Denn bis Redaktionsschluss stand das Ergebnis nicht zweifelsfrei fest, es sah jedoch nicht gut aus für die 58-Jährige. "Ich rechne nicht damit." Aber sie habe schon Schlimmeres durchgestanden und werde auch das durchstehen. "Ich gebe jedoch zu, dass es mir heute nicht gut geht."

Nicht beleidigt zurückziehen

Sollte sie nicht wieder in den Landtag einziehen, würde sie sich wieder mehr ihrem erlernten Beruf widmen. "Und ich werde mich sicher nicht beleidigt aus der Politik oder der Gesellschaft zurückziehen." Schließlich sei sie überzeugt davon, mit ihrer Partei für die richtigen Werte zu kämpfen. "Das wird sich nicht ändern, nur weil ich möglicherweise nicht gewählt worden bin."

Die Menschen, die ihre Werte teilen, seien ihr auch wichtiger, als die Wahlveranstaltung im Landratsamt. Sie habe sich sicherlich nicht in Marloffstein versteckt. "Ich wäre auch mit meinen Leuten zusammen gewesen, wenn wir ein positives Ergebnis erwartet hätten. Ich war auch vor fünf Jahren nicht im Landratsamt." Solche Tage verbringe man am besten mit den Menschen, mit denen man gekämpft habe.

Hiersemanns endgültiges Abschneiden wird erst im Laufe des Montags feststehen, wenn auch die Zweitstimmen der anderen mittelfränkischen Wahlkreise vollständig ausgezählt sind.

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