Die Schweinepest regt Klaus Dresel ebenso wenig auf wie der aktuelle "Schweinestau" in Großbetrieben. Der 58jährige aus Kleinwachenroth ist - was Fleisch anbelangt - Selbstversorger. Seine Schweine haben ein richtig glückliches Schweineleben. Dazu gehört auch ein täglicher Auslauf im Garten.

Mit Kindern, Schwiegerkindern und Enkeln sind die Dresels zehn Personen, die alle an der hofeigenen Schweinehaltung partizipieren. Klaus Dresel, der Hausherr, ist aus recht praktischen Beweggründen "auf das Schwein gekommen". Er wollte nicht, dass Essensreste und was sonst noch in Küche und Garten übrig blieb, weggeworfen werden. Seine Frau Roswitha stimmt dem zu: "Wir haben keine Biotonne. Unsere Biotonne sind die Schweine." Außerdem gibt es auf dem Hof auch noch Hühner.

Roswitha Dresel, die in Triesdorf Hauswirtschaft gelernt hat, schätzt vor allem die Qualität, die sie durch das Fleisch aus eigener Aufzucht auf den Tisch bringt. Gerne zitiert sie ihren Schwiegervater, der über Fleisch von schnell gemästeten Schweinen sagte: "Die Kotelett greina (fränkisch: weinen) in der Pfanna."

Gut durchwachsenes Fleisch

Die Schwiegertochter des mittlerweile verstorbenen Landwirts weiß, was in ihrer Pfanne brutzelt. Ihre Koteletts oder Schnitzel behalten die Größe, da der Wasseranteil sehr viel geringer ist. Das sei richtig gutes durchwachsenes Fleisch. Natürlich schmecke es anders.

Das gute Gefühl um die tiergerechte Haltung und die Bioqualität schätzt die junge Generation. Enkel Jona, fünf Jahre alt, hat die beiden Schweine "Hip und Hop" getauft. Er mag sie gerne, weiß aber auch, dass sie eines Tages geschlachtet werden. Bis dahin haben Hip und Hop aber das beste aller Schweineleben. "Sie werden nicht mit Kraftfutter hochgezüchtet, so dass sie schnell viel Masse kriegen", sagt Klaus Dresel. Schließlich wolle er damit kein Geld verdienen, sondern gutes Fleisch auf dem Teller haben. Seine Schweine bekommen keinerlei Fertigfutter, dafür aber Getreide und Kartoffelchips - getrocknet und wieder eingeweicht - in den Futtertrog.

Jeden Tag ausmisten

Dafür steht Klaus Dresel jeden Tag um vier Uhr früh auf. Jeden zweiten Tag mistet er seine Schweine aus. Früh und abends - jeweils zu den Mahlzeiten wird frisches Stroh aufgeschüttet, damit sie schön trocken liegen.

Tatsächlich sind die inzwischen fünf Monate alten Schweine total sauber. Das ändert sich jedoch, sobald sie ihren täglichen "Spaziergang" im Freigehege machen. Sobald sich die Stalltüre öffnet, stürmen sie los und sind nicht mehr zu bremsen. Entsprechend sehen sie auch aus. Die Idee mit dem "Freigang" hatte Tochter Patricia. "Es war ein Versuch. Der hat super geklappt", findet sie.

"Nach einer gewissen Zeit wissen sie, dass es Futter gibt, dann wollen sie wieder rein", sagt Klaus Dresel. Überhaupt hat er festgestellt, dass die Tiere einen festen Rhythmus haben. Wenn sie ihn hören, schreien sie. Sind die beiden Hunde, die Dresels außerdem haben, im Freigehege, "bellen die Schweine die Hunde an".

Das beste ist der Schinken

Nach zehn Monaten und etwa drei Zentnern Lebendgewicht werden die Tiere vom Metzger geschlachtet. Die Familie hat damit wieder genügend Vorrat für ein ganzes Jahr: Göttinger, Pressack, Leberwurst und Gläserfleisch füllen die Regale. Damit, dass er zu Hause "einen begehbaren Kühlschrank" (eine Kühlkammer) hat, hat der Wachenrother schon eine Besuchergruppe aus Berlin überrascht.

Als Mitarbeiter eines örtlichen Baustoffunternehmens schätzt er es ganz besonders, für die Brotzeit etwas mitnehmen zu können, von dem er genau weiß, wo es herkommt. "Aber das Beste ist der Schinken", schwärmt er.

Dabei war die Schweinehaltung eigentlich genau das, was er als junger Mann nicht wollte. Denn sein Vater hielt früher noch Schweine für den Verkauf. "Als der Opa das Ausmisten nicht mehr schaffte, wollte ich keine Schweine mehr halten." Wie überrascht seine Frau reagierte, als er verkündete, er habe zwei Schweinchen bestellt, kann man sich gut vorstellen. "Wenn man das selbst macht, hat man sehr viel Freude dran."