Man könnte sie nicht schöner malen: Einen kleinen braunen Rand und ein weißes Mittelstück müssen sie haben. Zart wie ein Hauch muss die Mitte sein, damit der Krapfen auf der Zunge zergeht. Viel Erfahrung und Fingerfertigkeit sind dafür notwendig. Beim "Ausziehen" darf der Teig nicht reißen. Löcher wären der Tod eines jeden Krapfens.

Anlass für das Krapfenbacken ist die "Mühlhäuser Kerwa" am ersten Septemberwochenende. Und - das weiß in Franken jedes Kind - eine Kerwa ohne Krapfen ist wie Weihnachten ohne Baum. Da ist es umgekehrt schon besser. In Mühlhausen ist heuer "Krapfen ohne Kerwa" angesagt. Wie überall können auch in der Marktgemeinde Feste und Kirchweihen nicht stattfinden. Deshalb fällt auch der traditionelle Kirchweihkaffee im Pfarrhof Corona zum Opfer.

Die Krapfen-Bäckerinnen vom "Frauentreff" der evangelischen Kirchengemeinde hielt das nicht davon ab, ihre Spezialität auch im Corona-Jahr anzubieten. Schließlich backen sie "für Gottes Lohn" und noch dazu für einen guten Zweck: Das Gemeindehaus hinter der evangelischen Pfarrkirche Maria und Kilian wird renoviert und dafür wird Geld gebraucht.

Die Krapfen wurden auf Vorbestellung gebacken und verkauft. Mit ihrem köstlichen, aber auch sehr arbeitsaufwendigen Schmalzgebäck haben sich die fünf Frauen bereits einen Namen gemacht. Es verwundert deshalb nicht, dass Bestellungen auch aus den umliegenden Gemeinden eintrafen.

"Wir schaffen das", sagt eine der Frauen. Nein, Mut müssen sich die fünf Hobby-Bäckerinnen nicht zusprechen. Schließlich sind sie ein eingespieltes Team. Auch wenn ein Tagespensum von 1100 Stück des begehrten Schmalzgebäcks bewältigt werden muss. So viele ausgezogene Krapfen waren bei Rosi Popp und Margit Holler geordert worden. Bereits am Nachmittag des "Backtages" konnten die frisch gebackenen Krapfen abgeholt werden. Wobei es auch hier die strengen Hygieneauflagen einzuhalten galt.

Kneten, lagern, backen

Auf dem Anwesen von Georg und Margit Holler in Schirnsdorf finden die Krapfenbäckerinnen Rosi Popp, Ingrid Geyer, Margot Thoma und Sigrid Morgenroth ideale Voraussetzungen vor. In einem eigenen Wirtschaftsraum können sie kneten, die gerollten Teigstücke zum Aufgehen lagern und backen.

An ihrer Knetmaschine hat Margit Holler bereits um 5.30 Uhr die erste Ladung Teig angesetzt. Jeweils 20 Pfund (zehn Kilo) Mehl von der Gremsdorfer Mühle, 32 Bio-Eier vom Hühnermobil in Horbach, Zucker, Hefe und einen Schuss Zwetschgenschnaps fasst eine Charge. Mit der Knetmaschine wird alles zu einem glatten, elastischen Teig verarbeitet. Viermal wird die Schirnsdorferin den Vorgang im Lauf des Tages wiederholen und dabei 80 Pfund Mehl und 128 Eier verarbeiten.

Dann geht alles wie am Schnürchen. Ingrid Geyer formt die Krapfen mit einer Holzmodel vor. Rosi Popp und Sigrid Morgenroth ziehen sie aus. Margit Holler und Margot Thoma stehen an den Pfannen mit dem Butterfett, prüfen die Temperatur, wenden die Krapfen und lagern sie zum Abtropfen.

Im Gegensatz zu anderen Regionen, wo der Teig zu "Hüten" aufgegossen wird, werden hier die Krapfen im Fett gewendet. In manchen Gegenden wird der Teig auch zu Kissen geformt. Das Schmalzgebäck eignet sich hervorragend zum Einfrieren. Kurz im Backofen erwärmt, schmecken sie dann wie frisch aus der Pfanne.

"Chefin" des Frauentreffs, so wird augenzwinkernd berichtet, ist die Simmersdorferin Rosi Popp. Zusammen mit Hausherrin Margit Holler bestreitet sie das Krapfenbacken bereits im 24. Jahr. Zum Glück kommen aber auch junge Frauen wie Sigrid Morgenroth aus Weingartsgreuth nach. Sie hat das Krapfenbacken von ihrer Mutter gelernt. Die Mitte des Krapfens "muss so dünn sein, dass man die Zeitung durchlesen kann", sagt sie und zieht mit flinken Fingern den Teig auseinander.

Guter Zweck

Am Kirchweihsonntag, 6. September, werden nach dem Gottesdienst vor der Bücherei Krapfen und "Mühlhäuser Windräder" verkauft. Der Erlös wird für die Renovierung des Gemeindehauses verwendet.