Die seit Jahren praktizierte Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank hat dazu geführt, dass das klassische Sparen keine Rendite mehr bringt. Statt sein Geld aufs Sparbuch einzuzahlen, könnte man es auch gleich unter dem Kopfkissen deponieren. Trotzdem gibt es für Anleger noch Möglichkeiten, Renditen zu erwirtschaften.

Karl-Heinz Breunig, Leiter der Vermögensberatung der Sparkasse Erlangen-Höchstadt-Herzogenaurach, empfiehlt beispielsweise Aktien und Immobilien. Der FT wollte von dem Experten wissen, wie ein junger Berufseinsteiger monatlich 100 Euro optimal anlegen kann. Ist der junge Mensch sicherheitsorientiert, empfiehlt Breunig, die monatlich 100 Euro in einen offenen Immobilienfonds einzuzahlen.

Zwei bis drei Prozent

Hier können sich Anleger mit kleinen Beträgen an Immobilien beteiligen. Solche offenen Fonds kaufen meist Gewerbeimmobilien wie Bürohäuser oder Einzelhandelsimmobilien. Anteile an offenen Immobilienfonds können jederzeit gekauft und nach einer Frist von mindestens zwei Jahren wieder verkauft werden. Breunig sieht hier eine relativ sichere jährliche Rendite von zwei bis drei Prozent.

Ist der junge Mensch etwas risikofreudiger und kann auch mal Kursschwankungen aushalten, schlägt Breunig vor, die monatliche Sparrate in einen Aktienfonds zu investieren. Das sollte ein weltweit orientierter sein. Wichtig sei es bei dieser Anlageform, einen vorher zeitlich festgelegten Sparplan auch durchzuziehen. Wer dabei einen langen Atem hat, könne mit einer durchschnittlichen Rendite von fünf bis sechs Prozent rechnen. Diese Anlageform kompensiert auch Kursschwankungen an der Börse, da sowohl bei hohen als auch bei niedrigen Kursen gekauft wird.

Zu einer Investition im Rentenbereich rät Breunig Kunden, die auf Nummer sicher gehen wollen. Rentenfonds - wobei der Begriff Rente nicht mit der Altersvorsorge verwechselt werden sollte - legen Geld nur in festverzinslichen Anleihen an. Zinsen gibt es hier nur noch bei Unternehmensanleihen, Anleihen von Schwellenländern oder in Fremdwährungen.

Die Hälfte in Aktien

Wie lege ich aktuell ein Erbe von 10 000 Euro an? Hat der Erbe sieben bis zehn Jahre Zeit und kann auch Schwankungen aushalten, empfiehlt Breunig, die Hälfte in Aktien zu investieren. Dabei sollten die ersten 2500 Euro als Einmalbetrag in einen Aktienfonds fließen, die zweiten 2500 über einen monatlichen Sparvertrag, um Kursschwankungen auszugleichen.

15 Prozent würde Breunig in einen offenen Immobilienfonds stecken und für den Rest Rentenpapiere/Rentenfonds erwerben.

Egal ob kleiner monatlicher Betrag oder größere Erbschaft, Vermögensberater Karl-Heinz Breunig rät allen, die Geld anlegen möchten, sich von kompetenter Seite erst mal beraten und über alle Risiken aufklären zu lassen.

Geldanlage: Geht da noch was?

Wer heute Geld auf der hohen Kante hat, weiß oft nicht, wohin damit. Welche Anlagen lohnen sich überhaupt noch in Zeiten niedriger Zinsen? Festgeld, Sparbriefe, Aktien?

"Das hängt davon ab, ob man sein Geld beispielsweise für einen Autokauf kurzfristig abrufbereit benötigt oder man das Kapital langfristig für die Rente anlegen möchte", sagt Merten Larisch, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Bayern. Im Folgenden seine Tipps für eine gute Geldanlage. Verbindlichkeiten. Wer über eine Geldanlage nachdenkt, muss zuvor eventuell vorhandene Schulden abzahlen. Denn Kredite und Darlehen sind teuer und kosten oft mehr Zinsen als man mit der gleichen Summe bei einer Geldanlage erwirtschaften kann. Versicherungen . Wichtig sind auch Versicherungen gegen existenzielle Risiken, zum Beispiel gegen Berufsunfähigkeit. "Sonst werden das Anlagekapital und die Geldanlage von unvorhergesehenen Ereignissen geschluckt", sagt Larisch. Ziele. Bei einer Geldanlage geht es um folgende Fragen: Ist das Ziel eine hohe Rendite, ist es die jederzeitige Verfügbarkeit oder die absolute Sicherheit? Diese drei Punkte kann keine Geldanlage gleichzeitig erreichen, sagt Finanzexperte Larisch. Hohe Renditen kann man nur erwarten, indem auf Verfügbarkeit oder auf Sicherheit verzichtet wird. Mittelfristige Anlagen. Wer kurz- und mittelfristig Geld für bestimmte Ausgaben zur Verfügung haben muss, sollte es unabhängig von der Kursentwicklung am Aktienmarkt anlegen. "Wer zum Beispiel einen bestimmten Geldbestand für die Anschaffung des nächsten Autos parat haben möchte, kann gut in einen Sparbrief oder Festgeld investieren", rät Larisch.

Auch ein Immobilienbesitzer, der die Werterhaltung von Haus oder Wohnung zum Ziel hat, müsse größer planen. "Wenn Geld schon vorhanden ist, wäre auch hier ein Sparbrief bzw. Festgeld die einzig sinnvolle Geldanlage." Dies gelte generell, wenn man wichtige Ausgaben mittelfristig abrufen möchte.

Für Geld, das innerhalb eines Jahres benötigt wird, empfiehlt der Finanzexperte Tagesgeld als Rücklage. Solche einlagegesicherten Geldanlageprodukte sollten nach Zinssatz ausgesucht werden. Langfristige Ziele. In den "dritten Pott" der Geldanlage gehören Larisch zufolge die langfristigen Investitionen. "Meistens geht es hier um die Altersvorsorge, es gibt zur Anlage aber auch Nebenziele wie Vererbkapital. Da darf man auch mal Risiken einer anderen Geldanlageklasse eingehen." Sprich: Aktien statt verzinste Geldanlagen wie Festgeld oder Sparbriefe.

"Geldanlage heißt ja, eine Kaufkraft des Geldes in die Zukunft zu transportieren", erklärt Larisch. "Man will sich ja später nicht weniger kaufen können für Geld. Aber dem steht die Inflation entgegen." Ziel müsse es also sein, eine Rendite hinzubekommen, die nach Steuern und Kosten mindestens so hoch ist wie die Inflationsrate. Aktien. "Wenn man historisch und marktwirtschaftlich philosophisch an die langfristige Geldanlage herangeht, kommen nur Aktien infrage", sagt Finanzexperte Larisch. "Diese Anlageklasse hat historisch gesehen die höchste Rendite." Kursschwankungen. So gut die Renditen bei Aktien auch sein mögen: Man erkauft sie sich mit Kursschwankungen. "Davon darf man sich nicht beeinflussen lassen", warnt Larisch. "Sonst neigt man zu fehlerhaften Handlungen." Wer sich einmal dazu entschließt, einen Teil seines Geldes in den Aktienmarkt zu investieren, müsse sich an Regeln halten. Die Aktienquote wird durch das eigene Risikoprofil bestimmt. Das muss man sich erst erarbeiten. Anlegerprofil. Wer ein wachstumsorientiertes Anlageprofil hat ("ich möchte in der Rente von meinem Geld leben"), kann Larisch zufolge für eine langfristige Liquiditätsplanung sein Geld folgendermaßen aufteilen: 30 (verzinste Anlagen) zu 70 Prozent (Aktien). Überprüfung. Diese prozentuale Aufteilung muss regelmäßig überprüft werden. "Auch wenn die Kurse steigen oder fallen, muss man sein Anlageziel stur umsetzen", sagt Larisch. Man dürfe sich nicht emotional leiten lassen und Aktien bei starken Kursschwankungen abstoßen. "Aus Angst zu verkaufen ist der traurigste Fehler und führt zu Verlust."

Wie Larisch erklärt, sollte man regelmäßig sein Portfolio ausbalancieren und aus seinem verzinst angelegten Geld nach Kurseinbrüchen im Wert des halben Verlustes Aktienanteile nachkaufen. Ebenso sollte also nach starken Kurssteigerungen die Hälfte des Gewinns gesichert werden, indem davon Festgeld gekauft wird. Produkte. Larisch rät vom Kauf folgender Produkte ab: Neue Lebens- und Rentenversicherungen (außer Riester, wenn man eine hohe Förderung als Geringverdiener oder mit Kindern bekommt), Bausparverträge, Zertifikate, gemanagte Fonds, Einzel- und gemanagte Aktien. "Dafür sind die Kosten zu hoch."

Empfehlenswert seien ETF-Indexfonds. Diese sind kostengünstig und provisionsfrei. "Mit einem globalen Indexfonds gewinnt man bereits die Renditeschlacht", sagt Larisch. Rendite. Im Schnitt lagen historisch die Aktienmarktrenditen bei etwa sieben Prozent im Jahr. "Um von solchen Renditeerwartungen künftig profitieren zu können, muss man aber stur investiert bleiben und darf nicht gegen die genannten Regeln verstoßen", erklärt Larisch.

Der Finanzexperte geht davon aus, dass man bei Aktien aus historischen auf künftige Renditen (in etwa) schließen kann. "Die Wirtschaft arbeitet mit maximierter Gewinnorientierung und das wird wohl so bleiben." Deshalb sein Tipp, in den gesamten Aktienmarkt, und nicht in Einzelaktien zu investieren.