Ernüchterung hat sich schon in Handball-Coburg breitgemacht. Der Start mit 0:4 Punkten in die Rückrunde ist etwas, womit nicht unbedingt zu rechnen war, allerdings nur eine Momentaufnahme, die die Verantwortlichen beim HSC 2000 Coburg nicht aus der Ruhe bringt.

Im Hinspiel bestes Spiel

Am Sonntag ab 17 Uhr kommt mit dem TV Hochdorf die Mannschaft nach Coburg, gegen die die HSC-Truppe im Hinspiel das beste Spiel gemacht hatte und Jan Gorr will die ersten Rückrundenpunkte: "Es ist zudem die Möglichkeit, den direkten Konkurrenten um Platz zwei aus eigener Kraft zu verdrängen."

Denn diesen Rang hat der HSC im Augenblick an Hochdorf (ein Spiel mehr) erst einmal verloren, beide Teams weisen acht Minuspunkte auf.
Gorr, der am Samstag noch mit der Nationalmannschaft beim All-Star-Game ist ("Polen ist einer der anspruchsvollsten Gegner den wir bekommen konnten", so Gorr zur Auslosung der WM-Qualifikation, die im Juni gespielt wird), rechnet mit einem harten Duell, das "Spitz auf Knopf steht" und warnt davor, das Hinspiel als Maßstab zu nehmen. "Da hat bei uns fast alles zu 100 Prozent geklappt." Die unorthodoxe offensive 6:0-Abwehr der Gäste ist darauf ausgerichtet, schnelle Konter zu laufen. "Wir müssen deshalb im Angriff im Vergleich zur Vorwoche etwas draufpacken, vor dem Tor konsequenter agieren", fordert Gorr eine konzentriertere Spielweise. Nur 13 Feldtore in der vergangenen Woche sind ein klares Indiz dafür.

Hochdorf verfügt nicht nur mit Abwehrchef und Kreisläufer Steffen Bühler über viel Erfahrung sondern über Spieler mit Zweitspielrecht in der zweiten Liga, so Christopher Klee oder Jan Claussen im Rückraum. Außerdem werden sie nicht aufgeben, egal wie die Partie läuft. Beim TSV Friedberg lagen sie vor zwei Wochen mit 7:17 zurück, gewannen aber mit 30:25.

Der HSC ist gewarnt

Gewarnt ist der HSC auf jeden Fall, sich nicht wieder eine Führung aus der Hand nehmen zu lassen, auch wenn Jan Gorr sagt: "Das ist Sport, da kann so viel passieren und eine hohe Führung verspielt werden. Wenn du zwei Minuten vor dem Abpfiff mit vier Toren führst, dann solltest du dir diese Führung nicht mehr aus der Hand nehmen lassen. Aber wenn du zwischendurch mal einen solchen Vorsprung hast, dann muss es nicht zum Sieg reichen. Es gibt in der Liga viele gute andere Mannschaften, das haben wir letzte Woche ja selbst gesehen."
Eng soll es gegen Hochdorf möglichst nicht werden, aber genau das erwartet Gorr. Aber dessen Mannschaft ist intakt und soll auf die Abwehrleistung der Vorwoche aufbauen. "Emotionalität und Körpersprache passen, aber es geht im Augenblick nicht mehr so leicht von der Hand", so Gorr. Trotzdem wird sein Team eine Trotzreaktion zeigen. "Das ist ein ganz wichtiges Duell und wir wollen natürlich unseren Platz hinter Bad Neustadt zurück", zeigt sich nicht nur Spielführer Ronny Göhl kämpferisch.

Mehr ist für den HSC aus Coburg in dieser Saison wohl nicht mehr drin. "Rechnerisch ist das natürlich immer noch machbar, aber man darf die Augen nicht davor verschließen, dass Bad Neustadt eine unglaublich gute und souveräne Saison spielt. Sie stehen deswegen auch ganz verdient da vorne. Das ist was, da wollen wir noch hinkommen, dafür müssen wir noch besser werden. Vieles ist schon sehr ordentlich, sonst machst du nicht so ein Spiel wie in Konstanz letzte Woche. Wir schaffen das noch nicht über 60 Minuten auf einem guten Niveau. Das ist das, was wir noch brauchen und in den nächsten Monaten erarbeiten werden", zeigt sich Gorr zuversichtlich, dass seine Mannschaft auf dem richtigen Weg ist. Wie sich sein Team am Sonntag zusammensetzt wird er erst kurzfristig entscheiden.

Erstliga-Schiedsrichter

Das SR-Paar Andreas Pritschow (Leinfelden) und Marcus Pritschow (Degerloch), zum Elitekader des deutschen Handballbund (DHB) zählend, machte 2013 Schlagzeilen. Das 38-jährige Zwillingsgespann leitete da einen Handballwettstreit bei "Schlag den Raab".

Außerdem pfiffen Andreas und Marcus Pritschow im vergangenen August das Supercup-Spiel zwischen Flensburg und Kiel. Jan Gorr: "Es ist schon ungewöhnlich, dass Erstligaschiedsrichter in der 3. Liga eingesetzt werden. Das zeigt wohl auch ein bisschen das Interesse an Coburg und der Halle."