Sie sehen putzig aus und ihr Fleisch schmeckt besonders lecker! Die 30 Hochlandrinder, die am Hang bei Plesten und auf einer Weide in Fürth am Berg grasen, haben ein langes, braunes, zotteliges Fell und vor allem große, gefährlich anmutende Hörner. Zu nah sollten Spaziergänger oder Hundebesitzer mit ihren Vierbeinern nicht an die stolzen Viecher rangehen. Füttern oder gar anfassen ist auch nicht ratsam. Denn nicht umsonst stehen die Hochlandrinder hinter einem Elektrozaun, der sie einerseits am Verlassen der Weide hindert und andererseits Menschen davor warnt, den Ort zu betreten.

Gutmütig, robust und langlebig

Gefährlich sind die Hochlandrinder im Allgemeinen aber nicht. Eher im Gegenteil: Sie schauen nicht nur gemütlich und friedlich aus, sie sind es in der Regel auch. Ihre Eigenschaften: Gutmütig, robust und langlebig. Doch sie würden bei drohender Gefahr mit Sicherheit ihre Kälber verteidigen.

Derzeit gibt es in der Herde noch keine Jungtiere, doch schon bald wird Strom auf den Zäunen sein, denn die Kühe sind trächtig, sagt Timo Bürger. Gemeinsam mit Hartmut Gundermann gehören ihm die zotteligen Vierbeiner. Die beiden Plestener Landwirte arbeiten eng mit dem Wasserwirtschaftsamt Kronach, dem Bund Naturschutz und dem Landesbund für Vogelschutz in Coburg zusammen, von denen sie die Flächen pachten.

Und das aus gutem Grund, denn vor drei Jahren sollte der giftige Riesen-Bärenklau natürlich bekämpft werden. Mit Erfolg. "Auf der Weide in Fürth am Berg gibt es keinen Bärenklau mehr, die Rinder fressen alles auf", freut sich Bürger. Nicht nur für ihn ist es eine Win-Win-Situation. Alle Beteiligten würden profitieren.

Nach drei Jahren geschlachtet

Er und sein Partner setzen auf diese Hochlandrinder, weil sie sich besonders gut für die Haltung in der Dauerbeweidung eignen. Mehr noch: Das Fleisch der Tiere - geschlachtet werden die Rinder von einem Dietersdorfer Metzger in Wülfershausen (Kreis Haßberge) - schmeckt angeblich vorzüglich. Gundermann glaubt auch zu wissen, warum das so ist: "Unsere Hochlandrinder bekommen keinerlei Kraftfutter. Nur Gras und im Winter Heu. Ab und zu mal einen Leckstein." In Lecksteinen sind Mineralien, die für den Knochenbau wichtig seien.

Die Bullen werden erst nach drei Jahren geschlachtet, die weiblichen Tiere vorerst überhaupt nicht. Im Gegenteil: "Die werden jedes Jahr gedeckt. Wir wollen ja eine große Herde", verrät Bürger. "Weiderind Plesten" betreibt eine Direktvermarktung. "Wir stellen Fleischpakete zusammen. Es gibt Salamis und Dosenwurst", macht Bürger Lust auf mehr.

Bei der Errichtung des Zaunes bekamen die beiden Bauern vom Zweckverband "Grünes Band" große Unterstützung. Dass der aufwendige Zaun jetzt dort steht, verdanken sie drei Arbeitern der Firma Frankenstall. Rund eine Woche war das Trio beschäftigt.

"Grünes Band" baut den Zaun

Schließlich mussten auf einer Strecke von rund drei Kilometern massive Pfosten in die Erde gerammt und dazwischen Abstandshalter maßgerecht angebracht werden. Das Areal hinter dem Damm in Fürth am Berg ist ideal geeignet für die Rinder. Ein kleines Bächlein, ein paar Bäume - also genügend schattige Plätze und saftige Wiesen.

Und noch jemand profitiert von den Hochlandrindern: Insekten und Vögel. Experten wissen, dass so beweidete Flächen besonders gut gegen das Insektensterben wirken. "Eine Kuh kotet täglich etwa 40 Kilogramm. Davon können sich vier Kilo Insekten ernähren, die wieder 400 Gramm Singvögel als Nahrung reichen", rechnet Frank Reißenweber, Vorsitzender vom Landesbund für Vogelschutz in Coburg, der den beiden Bauern das Areal vor ihrer Haustür in Plesten verpachtet. Pro Kuh würde so die Nahrungsmenge für 20 kleine Singvögel auf die Wiese fallen, so der Biologe.