von unserem Mitarbeiter Ralph Bilek

Hirschberg/Coburg — Man fühlte sich am Samstag über weite Strecken an so viele Auswärtsspiele der vergangenen Saison erinnert, in denen der HSC 2000 Coburg vergaß, dass Handball ein Mannschaftssport ist. Mit der schwächsten Saisonauswärtsleistung haben die Coburger ihr "zweites Herrenberg" erlebt und mit einem "Hau-Ruck-Handballspiel", so zwei HSC-Fans am Rande der langen Pressekonferenz, erneut bei einem Gegner aus der hinteren Tabellenregion wertvollen Boden auf Bad Neustadt verloren.
Man hatte von Beginn an kein gutes Gefühl, denn die Coburger fanden zu keinem Zeitpunkt zu ihrer Normalform. Vieles wirkte zufällig, von einem konstruktiven Spiel war selten etwas zu sehen.
So musste auch HSC-Coach Jan Gorr anerkennen, das Großsachsen verdient gewonnen hatte.

Es lief wenig zusammen

Bei der Pressekonferenz wurde Gorr dazu im Überschwang des Sieges damit konfrontiert, dass der kleine Dorfverein aus Nordbaden den großen, zweitligaambitionierten HSC bezwungen hatte. Doch Gorr antwortete eloquent, ließ sich da auf keine Diskussion ein. Er wusste, dass bei seiner Mannschaft an diesem Tag wenig zusammengegangen war, nicht nur wegen der drei vergebenen Strafwürfe, und beim Gegner vieles perfekt lief.
Besonders an der 5:1-Deckung knabberte Coburg vergeblich, nagte diese zu keinem Zeitpunkt überzeugend an und kam aufgrund des hervorragenden Rückzugverhaltens der Gastgeber auch nicht ins Konterspiel. Hinzu kam deren Torhüter Roko Peribonia. Ein gutes Dutzend klarster Chancen vereitelte er und brachte die Coburger Angreifer zum Verzweifeln. Allen voran Dominic Kelm. Der Goalgetter vom Dienst und bisher die Zuverlässigkeit in Person mit Spitzenquoten in der gesamten Vorrunde erwischte ausgerechnet einen, auch ihm einmal zustehenden, schlechten Tag, als seine Nebenleute ebenfalls nicht überzeugen konnten. Zwar trafen alle HSC-Spieler ins gegnerische Gehäuse, aber das war bei der dritten Saisonniederlage eher eine Randnotiz.

TV Germania Großsachsen
HSC Coburg 29:24 (13:10)

Die Gastgeber mussten dabei sogar auf Peter Masica und Marius Jörres im Rückraum verzichten. Das änderte aber nichts an der Konzeption von HSC-Coach Jan Gorr, der gleich 17 Spieler mit nach Großsachsen genommen hatte. "Wir haben Jonas Faber und Sebastian Roth zusätzlich dabei. Waldemar Strzelec ist nur als moralische Unterstützung mitgekommen."
Allerdings verlief nicht nur der Start nicht so verheißungsvoll wie noch im Hinspiel. Da führte der HSC zur Pause 15:5 und die Partie war früh entschieden. Die Coburger brauchten eine lange Anlaufzeit bis sie beim 3:4 erstmals und auch letztmals in Führung lagen. Da war im Angriff für die Torerfolge viel Arbeit notwendig. Großsachsen machte immer wieder die Lücken zu, außerdem brauchten die Coburger schon da zu viele Versuche für einen Treffer.
Immer wieder scheiterten sie an Roko Peribonio im Gehäuse der Gastgeber, der eine Großchance nach der anderen vereitelte. Zum Glück verwarfen die auch genügend Bälle oder verloren sie durch technische Fehler. Trotzdem brachten sie drei Treffer in Serie wieder nach vorne. Beim HSC fehlte der Spielwitz vollkommen, auch der Ball wurde zu selten mit Druck durchgespielt und in der Abwehr waren zu viele Lücken, was dazu führte, dass man so viele Gegentore kassierte wie in keinem Spiel der Hinrunde.

Zur Halbzeit schon vorne

Hätte Großsachsen nach 20 Minuten nicht zwei Konter vergeben, wäre eine Vier-Tore-Führung möglich gewesen. Da hatte der HSC Riesenglück, weil man selbst weiter ungewöhnlich viele Fehler fabrizierte und die auch nicht abstellen konnte. Dies nutzte Großsachsen, um zumindest mit drei Toren Vorsprung in die Kabine zu gehen.
Der HSC fand weiterhin kein Mittel gegen die aggressiv und geschickt verteidigenden Gastgeber, offenbarte selbst in der Deckung immer wieder Lücken. Zudem war nicht nur ein Fan des HSC der Meinung: "Die pfeifen aber schon extrem heimlastig." Doch daran lag es nicht, dass die Coburger nach 40 Minuten mit 13:20 in Rückstand lagen.
Die Germanen zeigten den Spielesprit, den man eigentlich vom HSC erwartet hatte. Immer der Blick für den freien Mann, mannschaftliches Zusammenspiel, während sich Coburg mehr und mehr in Einzelaktionen verlor. Die Frage, die sich zu diesem Zeitpunkt stellte war, ob die Germania das hohe Tempo durchhalten würde. Mitte der zweiten Halbzeit ließ bei ihnen scheinbar die Konzentration nach und man musste den HSC auf 18:21 (46.) herankommen lassen.
Als der HSC auf diese drei Tore verkürzt hatte, folgten fünf Fehler in sieben Minuten. Man verlor die Bälle, ballerte sie am Tor vorbei oder scheiterte am sensationellen Torhüter Roko Peribonio und spielte dem angeknockten Gegner damit ein ums andere Mal in die Karten. Es war so ein Spiel, in dem man hätte wohl stundenlang ohne eine Siegchance weiterspielen können.

Stimmen zum HSC-Spiel

HSC-Trainer Jan Gorr: "Großsachsen hat mehr in die Partie investiert und verdient gewonnen. Bei uns hat die einhundertprozentige Entschlossenheit gefehlt. Uns ist es kaum gelungen, die versetzte 5:1-Deckung zu bewegen. Wenn wir das doch einmal geschafft hatten, stand uns der Torwart im Weg. Auch die eigene Abwehr war nicht so sattelfest wie gewohnt. Bislang hatten wir selten mehr als 25 Gegentore bekommen. Da kam einfach zu viel zusammen um von einem engagierten Gegner etwas mitzunehmen."
TVG-Trainer Andrei Siniak: "Meine Mannschaft hat heute ihr Potenzial endlich einmal voll abgerufen. Heute hat einfach alles funktioniert. So einen Tag brauchst du auch, wenn du gegen den HSC aus Coburg gewinnen willst. Damit hat sich die Mannschaft selbst ein schönes vorweihnachtliches Geschenk gemacht. Das lag aber auch daran, dass bei Coburg heute nicht so viel funktioniert hat. Besser kann man nicht in die Rückrunde starten. Das war aber nur der Anfang und vor uns liegt ein weiter Weg."


Die Statistik zum Spiel

TV Germania Großsachsen: Marius Freafel, Roko Peribonio - Jonas Gunst, Patrick Zweigner (4), Sebastian Knierim, Tobias Kohl (10/2), Thomas Zahn (4), Alexej Rybakov (3), Simon Spilger (2), Marcel Ackermann, Simon Gans (4), Florian Sauer (2), Andreas Fischer, Simon Reisig.- Zeitstrafen: 3. - Siebenmeter: 3/2.

HSC 2000 Coburg: Havard Martinsen, Jonas Faber,- Philipp Barsties (5), Ronny Göhl (1/1), Johan Andersson (4/3), Dominic Kelm (3), Hajck Karapetjan (3), Sebastian Kirchner (1), Jiri Vitek (1), Tomas Riha (1), Steffen Coßbau (1), Maximilian Drude (1), Philipp Seitle (1), Sebastian Roth (2). - Zeitstrafen: 6. - Siebenmeter: 7/4.

SR: Rocco Finger (Großwallstadt) / Stefan Friedel (Kirchzell).