Angeregt durch Pfarrer Siegfried Meier aus Wetzlar, der ein Kenner der Materie ist, kamen im Roten Salon der Buchhandlung Riemann Vertreter des Melchior-Frank-Kreises, so deren Leiter Knut Gramß, und weitere Engagierte zur Gründungsversammlung zusammen. Fortan soll die neue Gesellschaft systematisch zur Verbreitung, Pflege und weiteren Erforschung von Leben und Werk Melchior Francks beitragen. "Anders als bei vergleichbaren Komponisten gibt es bisher keine Gesamtausgabe der Werke Melchior Francks", erläutert Siegfried Meier die Intention der Gründung.
Tatsächlich stieß man durch persönliche Recherche über den Bibliotheksverbund und die Möglichkeiten des Internets in den vergangenen Jahren immer wieder auf bisher unbekanntes oder verschollenes Notenmaterial. Eben erst tauchten Originale in London und New York auf, wohin sie in den Wirren der Nachkriegszeit kamen, ein umfangreicherer Bestand jetzt auch in Krakau. Dorthin etwa wurden Berliner Bibliotheksschätze im Zweiten Weltkrieg ausgelagert. "Als eingetragener Verein und formelle Gesellschaft haben wir ganz andere Möglichkeiten, an die Quellen zu kommen", so Siegfried Meier.
Auch an einen ganz anderen Kriegshintergrund ist zu Denken: Im 30-jährigen Krieg bedienten sich plündernde schwedische Soldaten in den deutschen Landen. Weshalb Notenmaterial Melchior Francks mittlerweile in Uppsala gefunden wurde. Auch nach einem Bild und Zeugnissen über Francks Leben, über das man wenig weis, wird gesucht.
Weitere Mitstreiter sind erwünscht. Wer die Kontaktpflege übernimmt, stand zunächst noch nicht fest. C.H.

Melchior Franck, geboren um 1580 in Zittau, gestorben am 1. Juni 1639 in Coburg, war ein evangelischer Komponist an der Stilwende von der Spätrenaissance zum Frühbarock.
Über seine Lebensumstände ist wenig bekannt. Weder Bild noch Nachlass sind erhalten.
Franck besuchte das Gymnasium in Augsburg, war Schüler Hans Leo Haßlers und ging mit ihm nach Nürnberg. Möglicherweise war er ein Schüler von Christoph Demantius, zeigen seine Werke doch eine gründliche Kenntnis des "niederländischen Stils" der Lasso-Schule. Anders als einige seiner Zeitgenossen hatte Franck nicht die Möglichkeit einer Studienreise nach Italien. Den damals neuen italienischen Stil, die seconda pratica, hat Melchior Franck wohl durch Hans Leo Haßler kennengelernt.
 1603 trat Franck die Stelle eines Hofkapellmeisters bei Herzog Johann Casimir in Coburg an, die er lebenslang innehatte. Nach vielen Schicksalsschlägen, wie dem Tod seiner Kinder und seiner Frau, der Not des Dreißigjährigen Kriegs und dem Tod von Herzog Johann Casimir, starb Franck 1639 in Armut.
 Melchior Franck steht an der Stilwende von der Spätrenaissance zum Frühbarock. Er gehört zum stilistischen Umfeld von Michael Praetorius, Mel chior Vulpius und Leonhard Lechner. Claudio Monteverdi und Heinrich Schütz waren seine Zeitgenossen. Er schuf ein umfangreiches kompositorisches Werk, das größtenteils im Druck erschien und auf den Bedarf eines barocken Fürstenhofes zugeschnitten war. Francks Werk umfasst geistliche Musik in deutscher und lateinischer Sprache. Er komponierte aber ebenso weltliche Vokal- und Instrumentalmusik. Das Volkslied "Ach Tannenbaum", eine Ursprungsversion des späteren populären Weihnachtsliedes "O Tannenbaum", wird ihm zugeschrieben.
 Nach seinem Tod war Franck vergessen. Sein Werk wurde erst Ende des 19. und im 20. Jahrhundert wiederentdeckt. Nach wie vor sind große Teile nur Spezialisten bekannt. Besondere Verdienste hat sich der Melchior-Franck-Kreis Coburg erworben. wikipedia