Jetzt war Manfred Kern zum Auftakt der neuen Lesesaison in der Buchhandlung Riemann im Original aus des Autors Mund zu hören, musikalisch dazu noch weitergesponnen von dem Gitarristen Harry Düll.

Mit heutigen (mittel)fränkischen Worten "verzäihld", wie sie zuvor von dem schwäbischen Autor Gerhard Raff gefasst wurde, wirkt die mythische Gesetzgebung - "Die Gschichd vom Mose und de Zehn Gebode" - vertraut und fremd zugleich und aktuell im unmittelbaren Blick der Franggnleid. (Dazu Tageblatt-Besprechung vom 30. August.) Bis hin zur donnernden Moralpredigt im Anschluss an die Stiftung der Zehn Gebote: "Doa stedd ja alles drinn, ... wenn si nirr alli drou halde deade." Dann ginge es der Menschheit gut, der "drauri Bagaasch". Und dem "ganze uuseliche Spegulandenbagg, denne geile Geizgreeche, denne Heischregge und Haifisch, denne raffgieriche Riawl... denne selled merr emoll so richdi in Rache stobfe".

Sphärenklänge

Ob mit dieser neuesten Veröffentlichung, seiner so anrührenden wie kritischen Kindheitsgeschichte "Meine Oma" oder mit den anschließend noch klangvoll präsentierten Gedichten zeigte sich Kern natur- und ursprungsverbunden.

Weshalb er sich ja so hartnäckig auch seines Dialektes bedient, und zwar keinesfalls, um Nostalgie oder falsche Gemütlichkeit zu pflegen. Richtig drastisch brettert die Erkenntnis in manchen seiner Gedichte herein. Wirklichkeit, intensiv in verdichteten Szenen gespiegelt, kritisch reflektiert, wehmütig, witzig - Kern hat eben seinen ganz eigenen, heutigen Ton gefunden.

Der ging, weil lautmalerisch fortgeführt, beim Lesekonzert am Dienstag bisweilen bruchlos ein in die vielseitigen und vielsaitigen Klänge des Rothenburger Musikers Harry Düll: Anfangs ätherisch über den Synthesizer Moses auf den Sinai und ins Gelobte Land begleitend. Dann wurde er allmählich immer bluesiger und jazziger, bis die bei dieser Riemann-Lesung nicht ganz so üppige Zuhörerschar zu spüren begann, wie das ehemals üppige und vielfältige Dorfleben "aus dem letzten Loch pfeift." Kern beschreibt sein Heimatdorf Wettringen, das 15 Kilometer von Rothenburg entfernt liegt.

Dialekt niedergeschrieben, das kann man aber doch nicht lesen, wenden manche ein. Da hat aber die Irmgard Clausen, die in Küps geborene Chefbuchhändlerin vom Riemann, gleich gesagt, dass des ned stimmt: "Ich hou mer des in Küpserisch vogelesn, un des hod wunderboar geglabbt." Außerdem liegt dem Büchlein Kerns eine CD bei.

In seinem Dialekt

Manfred Kern
wurde 1956 in Rothenburg ob der Tauber geboren und wuchs auf einem Bauernhof in Wettringen, 15 Kilometer von Rothenburg entfernt, auf. Er arbeitete zunächst als Buchhändler in Würzburg und lebt seit 1985 als freier Autor in Coburg.