An der Hochschule Coburg entstehen bis 2021 zwei neue Professuren für Künstliche Intelligenz (KI). Aus diesem Grund war am Donnerstag der Bayerische Staatsminister für Wissenschaft und Kunst, Bernd Sibler (CSU), zu Gast auf dem Campus der Hochschule. Neu hinzu kommen nun eine Professur für KI und "Data Stream Mining" sowie eine Professur für "Erklärbare und verantwortliche KI im Versicherungsbereich".

"Wir wollen technologische Entwicklungen nicht nur erleben, sondern auch gestalten", betonte Sibler. Er verwies auf die von der Bayerischen Regierung im zurückliegenden Jahr vorgestellte Hightech-Agenda. Diese umfasst Investitionen in Höhe von zwei Milliarden Euro. 600 Millionen davon entfallen auf den Bereich Künstliche Intelligenz, wie Sibler berichtete.

100 KI-Professuren werden bayernweit geschaffen: 50 davon an Knotenpunkten wie München, Erlangen oder Würzburg; weitere 50 Stellen an anderen Standorten im Freistaat. Coburg zählt zu den Gewinnern, die den Zuschlag für die KI-Professuren erhielten. "Oberfranken ist sehr, sehr gut mit dabei", sagte Sibler. Neben Coburg haben auch die Universitäten Bamberg und Bayreuth Zuschläge erhalten.

Der Minister erklärte, dass man nicht nur die technologischen Aspekte berücksichtigen müsse. Auch gesellschaftliche und ethische Fragen spielten beispielsweise eine Rolle. "Jede Entwicklung braucht auch die gesellschaftliche Akzeptanz", sagte Sibler.

Kompetenzen bereits vorhanden

Hochschulpräsidentin Christiane Fritze freute sich über den Zuschlag. Die Bewerbung um die KI-Professuren sei eine "wunderbare Teamarbeit" gewesen. "Den Erfolg sehen wir jetzt", so Fritze. Viele Professoren-Kollegen waren per Video auf einer Leinwand zugeschaltet. "Wir fangen nicht bei null an", erklärte Fritze. Die Hochschule Coburg habe im Bereich Künstliche Intelligenz bereits Kompetenzen.

Von diesen konnte sich Minister Sibler anschließend bei einer Präsentation sowie einem kurzen Rundgang überzeugen. Im Foyer zeigte Jens Grubert, Forschungsprofessor für Mensch-Maschine-Interaktion, ein Projekt, dass sich mit dem Vertrauen in selbstfahrende Autos befasst.

Am Institut für Sensor- und Aktortechnik (ISAT) berichtete Institutsleiter Klaus Drese von aktuellen Projekten. So hat man dort unter anderem eine Lösung entwickelt, mit der bei einer Firma die Verklebung an Glasflakons automatisiert überprüft werden kann.

Mangel an Facharbeitern

Zuvor hätten Arbeiter jeden Flakon händisch prüfen müssen. Die Facharbeiter hierfür zu finden, sei aber zunehmend schwierig, erklärte Drese. Außerdem könnten auch durch die händische Überprüfung zusätzliche Makel entstehen. Roboter und Sensoren überprüfen nun stattdessen die Flakons. "Die Mathematik dahinter: KI", so Drese. Diese erkennt Muster - und damit Fehler.

Der Coburger Landtagsabgeordnete Michael Busch (SPD) begrüßte in einer ersten Reaktion die Entscheidung für den Standort Coburg. Allerdings solle der Mittelbau nicht vernachlässigt werden. "Die Hochschule braucht zu den Professuren zusätzliche Stellen, um die Forschung auf diesem Gebiet auch nachhaltig betreiben zu können."