Das kulturelle Leben ist auch in der Region durch den verlängerten Lockdown noch immer in der Zwangspause. Viele Vereine warten sehnsüchtig auf das Ende oder zumindest auf Lockerungen der Einschränkungen, um endlich wieder gemeinsam proben zu können. So lange freilich will das Jugendorchester Rödental nicht warten und hat deshalb die Probenbetrieb bereits wieder aufgenommen - wenn auch vorerst nur auf digitalem Weg.

Mit dem seit der Corona-Krise besonders beliebten digitalen Werkzeugs Zoom sind derzeit immerhin virtuelle Proben möglich - wenn auch mit deutlich erhöhtem Aufwand. Den "normalen" Probenbetrieb hatte das Jugendorchester Ende Oktober wieder einstellen müssen. Zuvor war der Klangkörper durch Freiluft-Proben im Sommer und später durch Proben im ehemaligen Living-Glas-Gebäude in Rödental zumindest relativ gut durch einige Monate der Corona-Krise gekommen.

Das Jugendorchester Rödental hat Ende Oktober mit Blick auf den erneuten Lockdown den Probenbetrieb vorübergehend wieder einstellen müssen. Was war der Auslöser für die Entscheidung, nun doch wieder zu proben - wenn auch digital über das Internet?

Tim Eller: Es ging darum, eine Möglichkeit zu schaffen, wieder "gemeinsam" zu musizieren. Der Freitag ist seit vielen Jahren unser regelmäßiger Probentag, an dem die Musiker und Musikerinnen zusammenkommen. Das wollen wir uns auch von Corona nicht nehmen lassen. Neben unseren musikalischen Aufgaben haben wir als Verein auch eine gesellschaftliche Aufgabe und möchten daher gerade in diesen besonderen Zeiten mit unseren Aktivitäten den Menschen eine Freude machen, sie - wenn auch nur digital - zusammenbringen und für ein wenig Abwechselung in dem eintönig gewordenen Alltag sorgen.

Wie wird dieses Angebot von den Musizierenden angenommen?

Die Musikerinnen und Musiker waren begeistert und haben sich gefreut, wieder Musik zu spielen - wenn auch leider nicht wie bisher gewohnt.

Welche Herausforderung haben Sie als Dirigent bei dieser Art der Probe?

Das ist ein großes Problem wegen der Latenz der Internetverbindung. Daher ist das Musizieren aktuell nur möglich, ohne die anderen zu hören. Das ist eine große Herausforderung für den Dirigenten, der normalerweise darauf reagiert, was er hört. Deshalb ist eine intensivere Vorbereitung nötig plus Umgang mit Notenschreibprogrammen und Software zum Bearbeiten von Musik.

Wie funktioniert eine Online-Probe in technischer Hinsicht? Was hören die Musiker? Was hören Sie als Dirigent?

Alle Musikerinnen und Musiker sind auf stumm geschaltet außer der Dirigent. Das bedeutet: Alle können den Dirigenten hören, aber er hört nicht, was die Musiker spielen. Das ist - neben den oben genannten - die größte Herausforderung.

Wie können Sie korrigierend eingreifen?

Korrigierende Eingriffe sind online derzeit nur indirekt möglich und begrenzen sich auf das besondere Hinweisen auf potenzielle Fehler und Schwierigkeiten.

Welche Stücke proben Sie gerade?

Derzeit proben wir unser Programmrepertoire für die üblichen Standkonzerte im Sommer in der Hoffnung, dass sich die Pandemielage bis dahin verbessert und eventuell unter freiem Himmel wieder kleine Auftritte möglich sind.

Im Rückblick: In der Adventszeit gab es die Aktion "Musik aus dem Fenster". Welche Erfahrungen haben Sie dabei gesammelt?

Unsere Musikerinnen und Musiker haben regelmäßig daran teilgenommen und die Beiträge auch auf den sozialen Medien (Instagram und Facebook) geteilt. Im Rahmen dieser Aktion gab es auch erste Gehversuche zum "digitalen Musizieren".

Was hatte es mit der Aktion "La Familia Musica" auf sich?

Die Crowdfunding-Aktion "La Familia Musica" war gedacht als Ersatz für das traditionelle Weihnachtskonzert des Jugendorchesters und des Musikvereins der Stadt Rödental. Viele wissenschaftliche Studien beschäftigen sich mit der Wirkung von Musik und haben gezeigt, dass das Musizieren unter anderem das Gedächtnis, die Konzentration und die Wahrnehmung trainiert, was Kindern und Jugendlichen, aber auch Erwachsenen in ihrer gesamten Entwicklung zu Gute kommt. Durch die Corona-Pandemie und den damit verbundenen Einschränkungen besteht die Gefahr, dass die Musik und deren positive Wirkungen stark in den Hintergrund rücken. Auch um dieser Gefahr vorzubeugen, wollten wir ein Zeichen für die Musik und das Musizieren setzen.

Wie groß war der Erlös dabei und wer wurde dabei unterstützt?

Insgesamt sind dabei über 7000 Euro zusammengekommen, wobei davon auch noch die zahlreichen "Dankeschöns" wie zum Beispiel T-Shirts und Hoodies finanziert werden müssen. Jedoch wollen wir uns mit der Aktion nicht bereichern und werden mit dem Betrag, der übrig bleibt, den Kinderschutzbund Coburg unterstützen, der Familien in finanziellen Notlagen hilft; jedoch weniger mit Bargeld-Spritzen als durch die Übernahme von Investitionen für Freizeitaktivitäten und/oder Vereinsbeiträgen, die sich diese Familien sonst nicht leisten könnten. Aufgrund der sehr positiven Resonanz soll diese Initiative auch nach Corona fortgeführt werden.

Rund um das Jugendorchester Rödental

Das Jugendorchester Rödental wurde feierte 1975 gegründet. Im Frühjahr 2013 übernahm Gerhard Eller die Leitung des Jugendorchesters. Seine Nachfolge trat 2017 sein Sohn Tim Eller an, der zuvor bereits seit 2013 die Leitung des Vororchesters übernommen hatte. Im Mai 2019 legte Tim Eller dann erfolgreich seine Prüfung zum staatlich anerkannten Dirigenten von Blasorchestern im Laienmusizieren ab (weitere Infos online unter www.jugendorchester-roedental.com).