Es war das erwartet schwere Stück Arbeit für den HSC 2000 Coburg. Doch der 30:25-Erfolg bei der TSB Heilbronn/Horkheim hätte bereits früher feststehen können, wenn die Coburger bei der Chancenverwertung konsequenter gewesen wären.
Doch selbst der ansonsten strenge Jan Gorr hatte nach dem Schlusspfiff ein Nachsehen mit seinem Team. Der Coburger Coach war heilfroh darüber, dass es am Ende doch gereicht hatte. Letztlich war es einmal mehr die Breite des Coburger Kaders, die den Ausschlag gab. Denn die Gastgeber mussten zudem auf ihren Elf-Tore-Spieler der Vorwoche, Evgeni Prasolov, wegen einer Knieverletzung verzichten.

TSB Heilbronn/Horkheim gegen
HSC 2000 Coburg 25:30 (15:17)

17 Spieler haben sich vor der Partie am vergangenen Samstag für den HSC 2000 Coburg warmgemacht, das dürfte rekordverdächtig sein.
Vor allem war ein für fast alle unbekanntes Gesicht dabei. Sogar die langjährige Betreuerin Sonja Hennig kam mit drei Fragezeichen auf der Stirn aus dem Kabinengang: "Da ist so ein großer, etwas älterer Spieler in der Kabine bei uns, den habe ich noch nie gesehen." Hätte sie aber können, denn der stand im Tor des TV Hüttenberg. Jan Gorr lüftete dann das Geheimnis.

Keeper kam aus Hüttenberg

"Als Freundschaftsdienst für mich hat sich Waldemar Strzelec bereit erklärt, uns in der bestehenden Situation zu helfen. Wir wollen die zweite Mannschaft zusammenlassen, denn die hat jetzt wichtige Spiele und braucht ihre Torleute. Waldemar wollte das eigentlich nicht mehr machen, aber nach kurzem Überlegen hat er es dann doch getan und am vergangenen Donnerstag hatten wir die Spielberechtigung im Hause. Auf eines freut er sich schon ganz besonders - ein Heimspiel in der HUK Coburg Arena." Von den 17 Spielern schauten Lukas Lutz, Jonas Faber und Hajck Karepetjan dann aber nur zu.
Schnell lagen die Coburger mit 0:2 zurück, kamen aber schnell in die Partie. Beide Mannschaften agierten im Angriff sehr beweglich und variabel, mit vielen Positionswechseln. Beiden Abwehrreihen fiel es schwer, da einigermaßen den Überblick zu bewahren, vor allem weil auch ein enorm hohes Tempo gegangen wurde. Das 4:5 nach sieben Minuten war die erste Coburger Führung, aber die wurde von den Heilbronnern schnell wieder in eigene Führung verwandelt. Die hatten vor allem mit Dominic Kelm ihre liebe Müh und Not, der bereits nach gerade einmal zehn Minuten drei Strafwürfe für seine Mannschaft herausgeholt hatte und an der Hälfte der HSC-Tore direkt oder indirekt beteiligt war.
Vitek hatte frei vor dem gegnerischen Torwart die Option zur ersten Drei-Tore-Führung, was Kelm dann nachholte. Kirchner und Göhl erhöhten in der bis dato besten Coburger Phase sogar auf 12:8 (16.). Vor allem das Konterspiel war jetzt, ausgehend von der sehr guten Abwehrarbeit, hervorragend.
"Ich habe noch keine Mannschaft erlebt, die nach der Balleroberung in der Abwehr so unheimlich schnell nach vorne spielt", drückte TSB-Pressesprecher Michael Roll seine Hochachtung vor dem Coburger Spiel aus. Doch auch seine Heilbronner waren nicht ohne. Da war auch immer der Blick für den besser positionierten Nebenspieler da und man nutzte die sich nun häufenden Fehler im Abschluss beim HSC eiskalt aus.

Einige Chancen vertan

Aber hätten die HSCler in der Schlussphase der ersten Halbzeit nicht einige Bälle und freie Chancen liegen gelassen, wäre zur Pause mehr als eine Zwei-Tore-Führung möglich gewesen. Immer wenn sich eines der beiden Teams in diesem hochklassigen Drittligaspiel auch nur eine kurze Auszeit gönnte, war der Gegner hellwach und nutzte dies für sich.
Beide Mannschaften machten dann genauso weiter wie vor dem Wechsel, wobei Coburg seine Überzahl nach 34 Minuten nicht nutzte. Im Gegenteil, denn in dieser Phase vergab Ronny Göhl mit dem sechsten seinen ersten Strafwurf, der nächste Coburger Wurf von Steffen Coßbau landete nur am Pfosten und Heilbronn kam beim 18:18 nicht einmal überraschend zum Ausgleich. Der HSC machte sich mit einigen weiteren vergebenen Großchancen das Leben weiter selbst schwer.
"Ruhe" forderte Jan Gorr, als sein Team nach 42 Minuten mit 21:18 in Front lag. Dann kam er der erste, und einzige, Einsatz von Waldemar Strzelec im Strafwurfduell mit Sebastian Seitner. Und der HSC-Neuzugang blieb Sieger, was die Coburger Fans mit "Waldi, Waldi"-Sprechchören feierten. "Das ist schon top, ein besseres Drehbuch kann man nicht schreiben, er hat bei uns bisher 100 Prozent Quote", scherzte HSC-Trainer Jan Gorr nach dem Schlusspfiff. "Er hat uns damit geholfen und es war wichtig, dass er da war. Auch um mit Howie im Spiel einmal Rücksprache zu halten. Es kamen ein paar komische Bälle aufs Tor, wo Howie keine Abwehrchance hatte und da ist es wichtig, dass ein alter Torwartkollege auch noch was dazu sagt."

Gorr erleichtert

Gorr war die Erleichterung anzumerken, aber es war ein schwerer Weg. Denn seine Mannschaft blieb in dieser Phase zwar lange ohne Gegentreffer, bis Sebastian Seitner einen dieser unhaltbaren Bälle zum 19:23 (48.) ins Tordreieck donnerte. Das war aber der Startpunkt für die zweite Aufholjagd der Gastgeber in dieser Partie.
Das lag auch daran, dass die Coburger eine ganze Zeit mit einem Mann weniger auskommen mussten. Ganz wichtig in dieser Phase war Johan Andersson, der seine Chancen ohne Fehlwurf nutzte und dafür sorgte, dass die Sorgenfalten bei Jan Gorr nicht noch größer wurden, als sie beim 24:26 (54.) sowieso schon waren.

Manndeckung erfolglos

Denn die Gastgeber versuchten nun mit einer Manndeckung und schnellen Abschlüssen zum Erfolg zu kommen und der gab ihnen zunächst Recht. Doch fünf Minuten vor dem Abpfiff hatte sich der HSC eingestellt und steuerte doch dem sicheren Erfolg entgegen.