Pokalspiele beim SV Meilschnitz haben es in sich. Vor allem wenn es gegen den "großen Nachbarn" geht. In den 60er und 70er Jahren kreuzten der SVM und der VfL Neustadt mehrmals die Klingen und lockten immer zahlreiche Zuschauer in den Wald. Einmal kamen sogar mehr als 2000. Torreich und turbulent ging es dabei zu, doch einmal überschattete ein Todesfall alle sportliche Rivalität.

Per Klapprad nach Meilschnitz

Es geschah an einem heißen Samstagnachmittag im Sommer 1979. Für den Neustadter Geschäftsmann Karl Wöhner kam jede Hilfe zu spät. Er erlitt einen Herzinfarkt. Alle Re-Animationsmaßnahmen auf dem Sportgelände in Meilschnitz waren vergeblich.

Der "Bekleidungs-Wöhner" - er hatte seinen Laden in der Kernstadt und stattete seinen VfL unter anderem mit Puma-Klamotten aus - war zuvor bei prallem Sonnenschein und Gluthitze mit dem alten Klapprad seiner Frau nach Meilschnitz geradelt. Dort fiel er während des Spiels plötzlich um. "Der Meilschnitzer Frank Munzer war sofort zur Stelle, drückte auf seinen Brustkorb und versuchte alles", erinnert sich Norbert Heerlein an die geleistete Erste Hilfe. Heerlein war Augenzeuge und stand etwa 20 Meter vom Unglücksort entfernt - dort wo jetzt der Parkplatz ist.

Erste Hilfe von Munzer und Lesch

Auch Heinz Lesch eilte schnell dazu. "Der Leschen Heinz war unser Sani. Der arbeitete auch mit Doktor Beier zusammen. Aber auch er konnte den Wöhner nicht mehr retten", sagt Günter Munzer - einer der besten Meilschnitzer Fußballer und bei besagtem Spiel ebenso vor Ort wie sein Freund und SVM-Rekordspieler Dieter Boseckert: "Ich glaube unsere Mannschaft hat das Spiel dann 1:5 verloren."

Für Edmund Bystron, Wöhners damaligen Freund und langjährigen Weggefährte beim VfL, war der Tod und vor allem die Umstände, die dazu geführt haben, besonders tragisch.

Denn Wöhner wollte ursprünglich gar nicht mit dem Fahrrad, sondern, wie so oft mit Bystron im Auto zum Auswärtsspiel fahren. "Er hatte angerufen, aber ich war an diesem Tag nicht zu Hause", ärgert sich Bystron auch noch 40 Jahre danach.

Im Tor der Meilschnitzer stand Peter Liebermann - Jahrgang 1942 und 1998 mit 56 Jahren für den SVM sogar noch einmal bei einem Punktspiel in Oberlauter zwischen den Pfosten. Er kann sich auch noch gut erinnern: "Wir haben während des Spiels gar nichts von dem Unglück mitbekommen. Es war ja nicht einmal unterbrochen. Das passierte alles außerhalb vom Platz, da hatte der Schiedsrichter keinen Grund abzupfeifen."

Neben dem Toten in der Wiese

Gut erinnern kann sich allerdings Horst Fischer. Der junge Mittelfeldspieler des VfL verletzte sich nämlich schwer. "Das war bei einem Zusammenprall. Ich erlitt einen Jochbeinbruch", weiß "Klexer", wie Fischer in Fußballerkreisen schon damals gerufen wurde. Er war gerade 19 Jahre jung und musste vom Feld getragen werden. Dann passierte etwas Skurriles: "Ich lag nur etwa zwei Meter neben Karl Wöhner auf der Wiese." Beide wurden von Rettungssanitätern behandelt. Während Fischer ins Krankenhaus gefahren und nach einer Woche wieder entlassen wurde, kam der verzweifelte Einsatz für Karl Wöhner zu spät. Der Tote war Sponsor, treuer Anhänger und gewissenhafter Betreuer des VfL 07 Neustadt. "Karl war unser Bester! Er hat uns zu Bayern- und Landesliga-Zeiten überall hingefahren", schwärmt Reinhold Süßenguth heute noch von der Hilfsbereitschaft Wöhners.

"Pik" traf dreimal - Sauer viermal

Der Neustadter Bäcker war bei einigen Pokalbegegnungen in Meilschnitz als Mittelstürmer dabei. "Einmal haben wir denen zehn Stück eingeschenkt," sagt der unter seinem Hausnamen "Pik" bestens bekannte Ex-"Knipser". Dabei kann er sich ein kurzes, verschwitztes Grinsen vor seinen Ex-Kontrahenten nicht unterdrücken. Munzer gibt ihm Recht: "Der Sauers Norbert hat da alleine sechs oder sieben Tore geschossen. Der hat uns die Dinger ja sogar von der Eckfahne in den hinteren Winkel reingeklingelt." Peter Liebermann nickt zustimmend. Und er muss es ganz genau wissen, stand er doch schon damals im Kasten.

Stimmt so allerdings nicht! Denn Süßenguth weiß es besser: "Die ersten beiden habe ich geschossen und später noch ein drittes. Vier Tore hat der Norbert gemacht, zwei der Küglers Hans und eins der "Atze" - macht zusammen zehn!" Das Spiel fand am Pfingstmontag 1965 statt und die Amateurmannschaft des VfL kreuzte mit Poppen Uli, Bauers Erich & Co. auf. Betreut wurde diese "löwenstarke" Truppe unter anderem von Karl Wöhner.