Aachen/CoburgKloßteig und Bratwürste - irgendwie logisch, als Mitbringsel, wenn man in Coburg zu Besuch war. Das haben sich Annette und Christian Schorn auch immer mitgenommen, wenn sie in der Vestestadt waren. Aber dieses Mal kamen sie auf ein anderes "Souvenir"...

Das Ehepaar lebt schon seit 20 Jahren in Aachen. Aber beide haben Verbindungen nach Coburg, daher sind Annette und Christian regelmäßig hier. Annette: "In den Herbstferien 2019 waren wir in der Innenstadt unterwegs, als uns spontan die Idee kam, einen Gullydeckel zu kaufen."

Mit der Spedition nach Aachen

Noch am selben Abend waren Christian Schorn und sein Vater, der dem Ehepaar den Gullydeckel schenkte, beim CEB (Coburger Entsorgungs- und Baubetrieb), um ihn sich auszusuchen. "Wir haben uns für die Variante mit der eckigen Einfassung entschieden", sagt Christian Schorn. Bis der Gullydeckel schließlich in Aachen ankam, vergingen knapp drei Wochen. "Es war leichter, den Deckel zu kaufen als eine Spedition zu finden, die ihn nach Aachen liefert."

Bis der Gullydeckel Anfang des Jahres eingebaut wurde, lagerte das Ehepaar ihn in der Garage zwischen. "Wir haben einen Landschaftsgärtner beauftragt, der den Deckel auf einem Weg auf unserem Grundstück eingelassen hat", sagt Annette Schorn. Der Gärtner musste alles genau berechnen und die Steine entsprechend ausschneiden.

Wurzeln in Coburg

Dass es unbedingt ein Gullydeckel mit dem Coburger Mohr sein sollte, hat diesen Grund: Sowohl Annette Schorn als auch ihr Mann Christian haben Wurzeln in der Vestestadt. "Mein Schwiegervater und meine Mutter stammen aus Coburg", erzählt die 49-Jährige. Während ihr Schwiegervater zum Studieren nach Aachen gezogen ist, hat es Schorns Mutter an den Niederrhein verschlagen. Annette: "Mein Opa war erster Posaunist am Theater in Coburg und mein Uropa war Baumeister und hat mehrere Häuser in Pilgramsroth gebaut." Kennengelernt hat sich das Ehepaar dann in Köln..

Von Freunden und Bekannten kamen bisher nur positive Resonanzen auf den neuen Gullydeckel. Die Großmutter einer Freundin der gemeinsamen Tochter komme selbst aus Coburg und habe sich auch sehr gefreut, als sie den Gullydeckel gesehen hat. "Coburger trifft man eben überall", sagt Annette Schorn.

Dass der Kanaldeckel mit dem Coburger Mohr von Privatleuten gekauft wird, komme nicht sehr oft vor, aber regelmäßig, sagt Katarzyna Petzold vom CEB. "Das passiert fünf bis zehn Mal im Jahr. Meist ist es aber im Stadtgebiet, dass jemand den Deckel für sich haben möchte." Ein Deckel koste 800 Euro, Transport und Verlegung kämen dann auch noch auf die Käufer zu.

Dass der "Mohr" in ein anderes Bundesland oder weiter verschickt werde, sei aber die Ausnahme. "Ich bin jetzt seit rund zehn Jahren hier, aber das ist, glaube ich, nur drei Mal vorgekommen", sagt Petzold. Der jüngste Fall war allerdings im September: "Da haben wir einen nach Wathlingen in Niedersachsen geschickt. Dort sollte er in einer Ausstellung gezeigt werden." Den weitesten Weg hatte ein Gullydeckel im Jahr 2017. Der Wahl-Afrikaner Reiner Büchner, der aus Beiersdorf stammt, hat sich damals einen Gullydeckel nach Namibia schicken lassen.