Mit dem Schuljahr 2018/2019 startete die Wiedereinführung des neunjährigen Gymnasiums (G9). Die Jahrgänge, die zwischen 2011 und 2024 ihr Abiturprüfungen ablegten, besuchten das Gymnasium lediglich für acht Jahre.

"Die jetzigen Achtklässler sind der erste G9-Jahrgang. Sie schreiben 2026 Abitur", sagt Ursula Kick-Bernklau, Schulleiterin des Arnold-Gymnasiums in Neustadt. Für die Schüler des achtjährigen Gymnasiums (G8) gab es in den vergangenen Schuljahren die Möglichkeit, die Schulzeit durch die " Mittelstufe plus" um ein Jahr zu verlängern. Jetzt soll es für die G9-Schüler umgekehrt die Möglichkeit geben, die Schulzeit durch die Individuelle Lernzeitverkürzung (ILV) um ein Jahr zu verkürzen.

Auslandsjahr als Option

Wie Kick-Bernklau berichtet, ist es im Zuge dessen möglich, die elfte Jahrgangsstufe zu überspringen oder ein Jahr im Ausland zu verbringen: "Die Schüler müssen begabt, leistungsbereit und leistungsfähig sein." Wer die Voraussetzungen erfüllt, wird in der Klassenkonferenz festgelegt, an der alle Lehrer der Klasse teilnehmen. Die Schüler bekommen dann eine Empfehlung.

Die Eltern der geeigneten Achtklässler werden darüber informiert, dass die Möglichkeit besteht, in der neunten und zehnten Klasse Zusatzmodule zu belegen. "In der neunten Klasse müssen Module in Deutsch, Mathe und einer Fremdsprache belegt werden. In der zehnten Jahrgangsstufe kommt dann noch ein Profilmodul dazu."

Keine Leistungserhebungen

Wer sich für eine Verkürzung der Lernzeit entscheidet, muss in der neunten Jahrgangsstufe mit Unterricht an zwei Nachmittagen rechnen. "Vielleicht bieten wir auch Blockveranstaltungen an. Das entscheidet sich nächstes Jahr, wenn die Kurse starten", sagt Kick-Bernklau.

In den Modulen gibt es keine Leistungserhebungen. "Die Schüler bekommen für jedes Modul eine Bescheinigung", erklärt Kick-Bernklau. Ziel sei es unter anderem, die Medienkompetenz und die Selbstkompetenz zu stärken sowie Aspekte der politischen Bildung zu vermitteln.

Vorrücken auf Probe

Am Ende der zehnten Jahrgangsstufe wird entschieden, ob die Schüler auf Probe in die zwölfte Klasse vorrücken oder nicht. "Im Zweifelsfall können die Schüler die elfte Klasse besuchen und dann nach neun Jahren ihre Abiprüfungen schreiben." Kick Bernklau sieht in der Individuellen Lernzeitverkürzung eine "tolle Möglichkeit für begabte Schüler" und eine schulorganisatorische Herausforderung. Man müsse allerdings erst sehen, wie das Angebot angenommen wird.

Für einen reibungslosen Ablauf wird Thorsten Zipf, der Wirtschaft und Geografie am Arnold-Gymnasium unterrichtet, mit dem kommenden Schuljahr ein Lehrer die Funktion als Koordinator für die ILV übernehmen. "Grundsätzlich halte ich die Individuelle Lernzeit Verkürzung für eine spannendes Projekt, das es wirklich leistungsstarken Schülern ermöglicht, schneller zum Abitur zu kommen", sagt Zipf. Auch für Schüler, die fest damit planen, ein Jahr ins Ausland zu gehen sei das Angebot eine gute Möglichkeit, um vorzuarbeiten und danach in der Oberstufe wieder durchstarten zu können. Er vermutet, dass die Lerngruppen eher klein sein werden: "Wir werden sehen müssen, wie das Angebot angenommen wird."

2025 wird nicht überall Abitur geschrieben

Weil der letzte G8-Jahrgang 2024 seine Abiturprüfungen ablegt und der erste G9-Jahrgang erst 2026, entsteht im Jahr 2025 eine Lücke. In diesem Jahr wird nur an manchen Gymnasien, wie dem Casimirianum in Coburg, trotzdem Abitur geschrieben. Studiendirektor Monty Hannusch über die Hintergründe:

Wie kommt es, dass am Gymnasium Casimirianum 2025 Abiturprüfungen stattfinden?

Monty Hannusch: Seit 2010 ist das Gymnasium Casimirianum der Standort für die Einführungsklasse im Coburger Raum. In die Einführungsklasse können Schüler mit mittlerem Schulabschluss guten Leistungen und passendem pädagogischen Gutachten eintreten, um die allgemeine Hochschulzugangsberechtigung, das Abitur, zu erlangen. In einem Schuljahr werden die Schüler auf die Oberstufe des Gymnasiums vorbereitet.

In den letzten Jahren wurde die Einführungsklasse von jeweils 34 bis 47 Schülern pro Schuljahr besucht.

Wie viele Schüler des Gymnasiums Casimirianum nehmen planmäßig 2025 an den Prüfungen teil?

Im Schuljahr 2024/25 legen dann diejenigen Schüler das Abitur ab, die zum Schuljahr 2022/23 in die Einführungsklasse eingetreten sind. Sie sind somit G8-Schüler.

Zum Abitur 2025 kommen noch Wiederholungsschüler aus dem Vorjahr und Schüler, die den Weg der Individuellen Lernzeitverkürzung gewählt haben, hinzu. Diese Schüler erhalten zusätzlichen Unterricht am Nachmittag und können so das Abitur ein Jahr früher ablegen.

Ob Schüler anderer Gymnasien ihr Abitur im Jahr 2025 am Gymnasium Casimirianum ablegen, fest noch nicht fest.

Die Fragen stellte

Cindy Dötschel