Über vier Jahre sind vergangen, seit ein Engelsflügel von der Stuckdecke der Hassenberger Schlosskirche gefallen ist. "Vermutlich ist er auf der Lehne abgeprallt und dann hier auf dem Boden vor den Bänken gelandet", sagt Kirchenvorstandsvorsitzende Hannelore Gesslein.

Die Stuckdecke wurde im 17. Jahrhundert von den Brüdern Castelli aus Italien konstruiert. Nachdem der Engelsflügel heruntergefallen war, wurde diese von einigen Experten untersucht: "2018 wurde die Stuckdecke Zentimeter für Zentimeter kartographiert. Der Restaurator hat einen Plan erstellt, aus dem hervorgeht, wie jedes Teil neu befestigt werden kann", erinnert sich Ronald Henke, der bis Januar 2019 als Pfarrer in der Kirchengemeinde Hassenberg-Wörlsdorf eingesetzt war. Nach zahlreichen Gutachten wurde dann ein Kostenvoranschlag erstellt.

Mehrere Bauabschnitte geplant

Die kalkulierten Kosten belaufen sich laut Vertretungspfarrer Dominik Bohne derzeit auf insgesamt 1,6 Millionen Euro. Für den ersten Bauabschnitt, die Außensanierung, wurden die Kosten auf 300 000 Euro kalkuliert. Der Anteil, den die Kirchengemeinde selbst bezahlen muss, liegt bei 50 000 Euro.

Der zweite Bauabschnitt, der die Sanierung der Decke umfasst, wird 1,3 Millionen kosten, der Eigenanteil der Kirchengemeinde liegt hier bei 500 000 Euro. "Je mehr untersucht wird, desto mehr Schäden werden festgestellt. Die Kalkulation der Kosten kann sich dann entsprechend verändern", sagt Bohne. Bisher habe die Kirchengemeinde 80000 Euro gesammelt.

Mehrere Spendenaktionen

Um den Eigenanteil zusammen zu bekommen, hat der Hassenberger Kirchenvorstand in den letzten Jahren einiges unternommen. "Wir haben an unserem Gemeindefest Spenden gesammelt, zweimal die Veranstaltung ,Kirche leuchtet' durchgeführt und Weihnachtssterne verkauft", zählt Gesslein auf.

In diesem Jahr habe sich, auch durch die Corona-Pandemie bedingt, nicht viel getan. "Ich vermute, dass die Besprechungen der Stelle, die bei der Landeskirche für Baumaßnahmen zuständig sind, auch nicht stattfinden konnten." Vor dem Beginn der Baumaßnahmen der Kreisstraße im Frühjahr hat der Kirchenvorstand die bestehenden Schäden noch einmal dokumentiert. "So können wir später nachvollziehen, ob durch die Bauarbeiten weitere Schäden dazugekommen sind", berichtet Gesslein. Bis das Okay von der Landeskirche kommt, bleibe der Gemeinde nichts übrig außer zu warten.

Planung ist abgeschlossen

Beim Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeindeamt Coburg ist die Sanierung der Schlosskirche in Hassenberg ein großes Problem. "Die Planung des Projekts ist grundsätzlich abgeschlossen, die Umsetzung des Projekts ist noch nicht angegangen", sagt Diakon Rainer Mattern. Der Grund seien die Renovierungsarbeiten an der Kreisstraße, welche direkt an der Kirche vorbeiführt.

Beim Bau der Hassenberger Schlosskirche wurde eine Metallkonstruktion in den Dachstuhl eingebaut, die das Dach hochziehen sollte. "Wer an der Gewindestange in der Mitte drehen soll und wohin, ist fraglich. Die Konstruktion war absolut sinnlos und hängt mittlerweile durch", erklärt Mattern. Es sei unklar, was passiert, wenn jemand die Decke hochzieht. Die unter dem Stuck liegende Grundstruktur sei das größte Problem.

Eine technische Lösung für die Sanierung wurde bereits gefunden, die Detailplanung ist allerdings noch nicht abgeschlossen. "Der Druck von allen Seiten ist hoch. Wir nehmen uns aber Zeit für Recherche und Planung", sagt Mattern, gerade im Denkmalbereich sei dies wichtig für die Kostenkalkulation. Es sei möglich, dass durch die Arbeiten an der Kreisstraße weitere Schäden entstehen.

Kirche weiterhin nutzbar

"Die Kirche in Hassenberg ist durch ein Netz gesichert und kann weiterhin genutzt werden. Herunterfallende Stuckteile würden hängenbleiben", sagt Mattern. Aus diesem Grund besteht seiner Einschätzung nach für die Kirchengemeinde kein massives Problem. In Fechheim sei die Situation vor der Sanierung der Kirche ähnlich gewesen. Aus Sicherheitsgründen musste die Kirche allerdings vorübergehend geschlossen werden.

Wie die Gemeinde Sonnefeld auf Anfrage des Coburger Tageblatts mitteilte, wurde die Erneuerung der Hauptwasserleitung im Bereich der Kreisstraße bereits im Spätsommer abgeschlossen. Die Erneuerung der Asphaltdecke, für die der Landkreis zuständig ist, soll am 1. März 2021 beginnen und zwei Monate in Anspruch nehmen.

Keine Eingriffe im Untergrund

Untergrundarbeiten, die zu Erschütterungen führen können, sind im Zuge dessen nicht vorgesehen. "Grundsätzlich sind die Firmen bei Baumaßnahmen innerorts durch uns sensibilisiert, so vorsichtig wie möglich zu arbeiten. Deshalb gehen wir nicht davon aus, dass es zu Schäden durch Erschütterungen kommen wird, gänzlich ausschließen kann man es natürlich aber nicht", teilte das Landratsamt Coburg auf Anfrage mit.

Bei den abgeschlossenen Arbeiten der Gemeinde Sonnefeld sei es, trotz der wohl wesentlich größeren Erschütterung und vorgenommenen Eingriffe im Untergrund, zu keinen dem Landratsamt bekannten Schäden an umliegenden Bauwerken gekommen.