In Franken lieferte der November Stoff für die Geschichtsbücher: Die Wetterstationen der Landesanstalt für Landwirtschaft registrierten Temperaturen von im Schnitt 9 bis 10 Grad und damit Abweichungen von der Norm um 5 bis 6 Grad. Der November-Frühling ging einher mit Niederschlägen, die stellenweise um 90 Prozent unter dem langjährigen Mittel lagen (Werte aus vielen fränkischen Orten gibt es im Internet unter dieser Adresse: www.wetter-by.de).

Mit beidem ist jetzt Schluss: Die Wetterküche über dem Atlantik mischt die Karten neu. Statt milder Luft aus dem Südwesten ist Polarluft aus dem Norden auf dem Weg nach Franken. Der Temperatursturz um gut 15 Grad führt in den nächsten Tagen zu Turbulenzen.


Regen und Sturm, dann Schnee

Alle Wetterdienste erwarten für Mittwoch stürmisches Regenwetter in Franken und nach einer kurzen Beruhigung am Donnerstag wieder Regen und Sturm. "Die Lage am Freitag und am Samstag ist brisant", sagt der Wetterexperte Stefan Ochs aus Herzogenaurach ("Wetterochs"). Es sei nicht ausgeschlossen, dass das Sturmtief zeitweilig Orkanstärke erreicht und ähnlich heftig wütet wie zuletzt "Lothar" im Dezember 1999. Insbesondere bei Gewittern sei in den Mittelgebirgen mit schweren Böen zu rechnen, sagt Ochs.

Am Sonntag verzieht sich "Heini" und lässt kalte Luft in Franken zurück: Die Werte steigen kaum noch über 0 Grad, gelegentlich fällt Schnee oder Schneeregen. So bleibt es dann erst einmal: trüb, kalt, nass - ein ganz normaler November eben.

Ein Omen für den Winter? Nein, sagen die Experten. Alle Langfrist-Prognosen deuten auf einen milden Dezember und einen viel zu warmen Januar hin.


Ist El Nino schuld?

Die Wetterkapriolen des Jahres 2015 werden oft mit dem Phänomen El Nino (Christkind) in Verbindung gebracht, ein außergewöhnliche Erwärmung des Wasser im Pazifik. Diese meist zum Jahresende besonders ausgeprägte Anomalie, die in unregelmäßigen Abständen beobachtet wird, verändert das Wetter weltweit. In vielen Regionen gibt es Dürren, in anderen Starkniederschläge, tropische Stürme treten gehäuft auf.
2015 scheint von einem besonders starken El Nino-Ereignis geprägt zu sein.

Die Folgen sind sichtbar, sagt die Meteorologin Corinna Borau von wetter.net: In Indonesien herrschen bereits, ähnlich wie beim letzten starken El Nino 1997/98, extreme Waldbrände. Auch in Australien kann es zu einer Dürre kommen, und im Süden der USA könnte es mit El Nino nasser werden als sonst.


Viele Unbekannte

Eine unmittelbare große Korrelation zwischen El Nino und dem Winter in Europa gibt es hingegen laut Borau nicht. "Unser Wetter wird viel mehr von der Nordatlantischen Oszillation, kurz NAO, bestimmt." Sie beschreibt die Schwankung des Druckverhältnisses zwischen Islandtief und Azorenhoch. Ist der NAO-Index positiv, sind beide Druckgebilde auf dem Atlantik gut ausgebildet. Dies führt aus Westen zu einem Vorstoß von milder und feuchter Luft nach Europa. Ist der NAO-Index dagegen negativ, also Azorenhoch und Islandtief nur schwach ausgeprägt, können Kaltlufteinbrüche aus dem Nordosten zu kalten Wintern führen.