Wenn in Bamberg ein Unfall passiert, geschieht dies nicht selten an einer der Kreuzungen des Berliner Rings. An der Memmelsdorfer Straße, wo am Tag 57 000 Fahrzeuge kreuzen, kracht es besonders häufig. So kommt auch Ines Schellmann, Sachbearbeiterin Verkehr bei der Polizei Bamberg-Stadt, nicht an dieser Kreuzung vorbei, wenn sie die jährlichen Zahlen der Verkehrsstatistik auswertet: "Das ist nach wie vor unser Hotspot, hier gab es im vergangenen Jahr acht Unfälle mit Verletzten, vier mit schweren Sachschäden und drei Kleinunfälle." Zugleich ist die Kreuzung Memmelsdorfer auch eine der Stellen im Straßengefüge, die sich am Schwersten verändern lassen. Wird an noch mehr Kreuzungen die Linksabbiegerspur verändert - und was bringt das? Eine gesichert geführte Linksabbiegespur soll demnächst auch für weniger Unfälle an der Kreuzung Berliner Ring/Zollnerstraße sorgen. Das funktioniere bereits an den Kreuzungen Starkenfeld-, Moos- und Geisfelder Straße ganz gut, es gibt dort laut Schellmann weniger Unfälle. Allerdings zum Preis kürzerer Grünphasen und längerer Wartezeiten, über die sich immer wieder Autofahrer beklagen. "Verkehrssicherheit geht aber vor Verkehrsfluss", sagt dazu der Bamberger Polizeichef Thomas Schreiber. Warum geht das nicht an der Memmelsdorfer Straße? An der meistbefahrenen Bamberger Kreuzung sieht das Stadtplanungsamt unter den derzeitigen Verkehrsbedingungen keine Möglichkeit, einen gesicherten Linksabbieger einzuführen. Und Alfred Friedrich vom Verkehrsplanungsamt hat unserer Zeitung schon vor Monaten vorgerechnet, dass bei einer Umstellung an der Kreuzung Memmelsdorfer Straße "eine Leistungsreduzierung von 50 Prozent mit allen negativen Begleiterscheinungen gegeben" sei. Unter anderem wäre dann die "grüne Welle" am Berliner Ring passé. Alternativen - etwa eine höhenverschiedene Kreuzung - wären mit massiven baulichen Veränderungen und entsprechend hohen Kosten verbunden. Wo häufen sich außerdem noch Unfälle? Zu den Dauerbrennern mit jeweils mehr als zehn Unfällen zählen auch die Kreuzungen B26/Hafenstraße und die sogenannte Badum-Kreuzung an der B26. "Ich bin hier schon länger im Austausch mit dem städtischen Bauamt, wie man diese Stelle entschärfen könnte", sagt Schellmann. Eine Ampellösung wird diskutiert. Mit weniger Unfällen rechne die Polizei künftig an der Starkenfeldstraße/Ecke Annastraße, wo sich im Zuge des neuen Quartiers "ecoSquare" auch der Kreuzungsbereich verändert. An der Kreuzung Coburger/Kronacher Straße musste nach Jahren ein Grünpfeil weg - plötzlich hätten sich auch an dieser Stelle die Unfälle gehäuft. Bedeutet die Zunahme der Unfallzahlen, dass es auch mehr schwere Unfälle gegeben hat? 2546 Unfälle gab es im vergangenen Jahr in Bamberg - sechs Prozent mehr als 2018. Bei einem der Unfälle wurde ein Radfahrer tödlich verletzt. Um fast ein Viertel zurückgegangen ist die Zahl der Schwerverletzten, auf 45. Auch 447 Leichtverletzte bedeuten einen Rückgang von 12,2 Prozent in Jahresfrist. Was waren die häufigsten Unfallursachen? Zu geringer Abstand wird in 752 Fällen im Stadtgebiet als Hauptunfallursache benannt, gefolgt von missglückten Wendemanövern (145) und Abbiegefehlern (131). Geschwindigkeit (40) und Alkohol (45) fallen hingegen deutlich weniger ins Gewicht. Wie oft gab es im vergangenen Jahr Unfälle, an denen Fahrradfahrer beteiligt waren? Zum Radverkehr in Bamberg gibt es für 2019 eine gesonderte Auswertung. 240 Unfälle mit Fahrradbeteiligung gab es (2018: 238), von denen 141 von Radfahrern verursacht wurden. Die Zahl schwer verletzter Radler sank von 30 auf 22, die der leicht Verletzten von 198 auf 191. Die meisten Fahrradunfälle passierten morgens und im Feierabendverkehr, ein weiteres Hoch gab es in den späten Abendstunden. In insgesamt 33 Fällen waren Abbiegefehler anderer Verkehrsteilnehmer schuld am Unfall, ungenügender Sicherheitsabstand zählt hier sowohl bei den Radfahrern (22) als auch bei anderen Verkehrsteilnehmern (14) zu den häufigeren Ursachen. Gibt es in Bamberg besonders viele Verkehrsverstöße? Der Verkehrsraum in der Stadt ist endlich und für Polizeichef Schreiber "fehlt manchmal das Miteinander der Verkehrsteilnehmer, wir versuchen da, einen gewissen Ausgleich zu schaffen". Immerhin halte sich die breite Masse gewissenhaft an die Vorschriften, was auch die Geschwindigkeitsmessungen zeigten: Von 855 430 kontrollierten Fahrzeugen waren nur 13 531 zu schnell unterwegs. Das sind gerade einmal 1,58 Prozent.