Schon beim Eintreten in das große Haus in Stegaurach bleibt der Blick an den Wänden hängen: Große und kleine Bilder von Landschaften, Tiermotiven und Porträts fesseln die Aufmerksamkeit. Sieht man genauer hin, bemerkt man erst die vielen, abertausenden Teile, aus denen sie bestehen.

Auf einem großen Tisch liegt das "aktuelle Projekt" von Peter Schubert: Auf verschiedenen Platten und in diversen Schachteln warten 33 600 Teile darauf, zu einem ganzen "Dschungel" zusammengefügt zu werden. Einige Partien sind schon fertig und liegen sichtbar und motivierend da.

"Ich liebe es, Ordnung in ein Chaos zu bringen und zu sehen, wie ein Bild stetig wächst", erklärt der 46-jährige Betriebsschlosser seine Motivation. "Das erfordert natürlich viel Geduld und Ausdauer, aber vor allem Phantasie." Mittlerweile ist er so geübt, dass er "kleine 1000er-Puzzle" eher zwischendurch legt.
Ihn reizen die großen und außergewöhnlichen Motive, wie beispielsweise auch 3D-Puzzles oder holografische Puzzles. Als er vor rund neun Jahren seine Leidenschaft für dieses Hobby entdeckte, zog ihn auch gleich ein 20 000-er aus dem Weltbild-Verlag an, ein "Ladenhüter", wie die Verkäuferin die "Historische Weltkarte" nannte.

Für diesen "Kick" braucht man Zeit: Für ein 32 000er-Puzzle saß Peter Schubert beispielsweise zwischen zwei und 14 Stunden täglich vor seinen Teilchen und auch die Nächte wurden manchmal benötigt. "Teilweise habe ich mir nachts um ein Uhr den Wecker gestellt, damit ich vor der Arbeit noch puzzeln konnte", lacht er und blickt auf einen Zeitraum von rund zehn Monaten "Detailarbeit" zurück.

"Legen" fürs Leben

Das stärkt natürlich auf Dauer die Konzentration: "Jedem Puzzle habe ich eine gewisse Strategie zugeordnet", erzählt er. "Außerdem achtet man viel mehr auf Details, was auch für das Leben und Umfeld wichtig sein kann. Man achtet mehr auf Kleinigkeiten, die andere vielleicht übersehen."

Wenn Unwissende vielleicht auch die Arbeit Peter Schuberts, die ja überwiegend im Verborgenen stattfindet, übersehen, so darf die Öffentlichkeit ruhig die Ergebnisse erfahren und erblicken: Seine Werke waren zum Beispiel schon auf einer deutschlandweiten Ausstellung in Puppenhofen auf einer Fläche von 135 Quadratmetern zu bewundern sowie in Bamberger Kaufhäusern. Nun möchte eine Werbeagentur fünf seiner größten Werke in ganz Deutschland ausstellen. "Gehört" hat der ein oder andere vielleicht auch schon von ihm: Berichte gab es unter anderem im Bayrischen Rundfunk, TV Oberfranken und im Fränkischen Tag.

Einige nennen ihnen "verrückt", aber immer würde ihm Anerkennung entgegengebracht werden, erzählt der 46-Jährige Vater einer Tochter. Als "Sucht" würde er seine Leidenschaft dennoch nicht beschreiben, denn er könne ein Puzzle auch mal wochenlang liegen lassen oder die Arbeit abbrechen.

Derzeit kann er aber nicht ans "Aufhören" denken: Sein aktuelles "Dschungel"-Projekt wollte er eigentlich noch in diesem Jahr fertigstellen. "Aber ich habe für einen der Beutel schon einen ganzen Monat gebraucht. Da bin ich realistisch, mein Ziel wird schwer zu erreichen sein. Schließlich habe ich ja auch noch einen Vollzeitjob und weitere Hobbys, wie Angeln und Sport treiben."

In der Zwischenzeit sieht er sich eben öfter seine teils verklebten, fertigen Werke an den Wänden an. Insgesamt schätzt er, wohl schon rund 210 000 Teile verpuzzelt zu haben - diejenigen aus seiner Kindheit ausgenommen. Er möchte auch gerne andere Menschen zu dieser Beschäftigung motivieren: "Man kann dabei besonders gut die Gedanken abschalten, man braucht volle Konzentration." Wie auch für die 33 600 Einzelteile des "Dschungels". Einige Tiere sind schon zu erahnen.

Eindrücke kann man auch auf Peter Schuberts eigener Homepagesammeln.