Zur Zeit schlagen zwei Herzen in der Brust von Bambergs Landrat Johann Kalb (CSU). Zum einen wird er als Verwaltungsrats-Vorsitzender der Sparkasse Bamberg mit Sorgen verfolgen, wie angesichts der Zinskrise die Erlöse der öffentlich-rechtlichen Bank zurückgehen. Von 2013 auf 2014 sank der Überschuss nämlich um 200.000 Euro auf aktuell 2,8 Millionen Euro.

Doch zum anderen haben die niedrigen Zinsen auch einen positiven Effekt: Immer mehr Bürger aus dem Landkreis nutzen diese Phase, um ihren Traum vom eigenen Heim zu finanzieren. Dementsprechend ist Bamberg und sein Landkreis in einem wahren Baufieber. Das verdeutlicht auch das aktuelle Sparda-Baubarometer. Von Januar bis Dezember des vergangenen Jahres verzeichnete die Region 312 Genehmigungen und damit nur elf weniger als im Vorjahr. Und auch der Landkreis Bamberg liegt über dem deutschlandweiten Durchschnitt.

Stefan Schindler, der Vorstandschef der Sparda-Bank, erklärt die Hintergründe: "Die Bauzinsen waren 2014 auf einem sehr niedrigen Niveau. Diese günstigen Voraussetzungen haben dafür gesorgt, dass sich viele Bürger bereits den Traum vom Eigenheim erfüllen konnten."

In der Stadt Bamberg ging die Nachfrage nach Eigenheimen dagegen zurück. So wurden hier vergangenes Jahr insgesamt 28 Baugenehmigungen für Ein- und Zweifamilienhäuser erteilt. 2013 waren es noch 31,7 Prozent mehr. Schindler kennt die Gründe: "Dass der Bauboom nach den Rekordjahren leicht zurückgeht, liegt auf der Hand. Schließlich ist das Angebot an Bauplätzen begrenzt."


Region über dem Durchschnitt

Insgesamt aber rangiert die Region Bamberg mit 109 Punkten über dem Bundesdurchschnitt (Deutschland = 100). Damit konnte das hohe Niveau des Vorjahres (112 Punkte) auch 2014 nahezu gehalten werden. Das positive Ergebnis der Bamberger Region im deutschlandweiten Vergleich ist vor allem auf die hohe Bauintensität im Landkreis Bamberg zurückzuführen. Von Januar bis Dezember 2014 wurden hier 284 Baugenehmigungen für Ein- und Zweifamilienhäuser erteilt, was einer Steigerung um 0,7 Prozent entspricht.

Und auch im ersten Halbjahr 2015 setzt sich dieser Trend fort: Von Januar bis Ende Mai wurden 79 Baugenehmigungen für Wohnbauten, Sanierungsmaßnahmen und Nichtwohngebäude erteilt. Gegenüber den ersten fünf Monaten des Vorjahres ist das bis jetzt ein Plus um 46,3 Prozent.

Bis Ende Mai 2015 wurden in Bamberg 66 Baumaßnahmen im Bestand, vier öffentliche Bauten oder Firmenbauten sowie neun neue Wohngebäude genehmigt. Durch all diese Bauprojekte sollen insgesamt 280 Wohnungen entstehen (Vorjahr: 206).

Die Schwerpunkte bei der Ausweisung neuer Baugebiete im Landkreis würden grundsätzlich nach wie vor bei den Stadtrandgemeinden oder bei verkehrsgünstig gelegenen Gemeinden liegen, erklärt Stefanie Schuhmann, Pressesprecherin des Landratsamtes auf Anfrage. "Im Jahr 2014 haben etwa Buttenheim, Hirschaid, Strullendorf, Bischberg und Pettstadt größere neue Baugebiete ausgewiesen, derzeit sind die Gemeinden Gundelsheim, Scheßlitz und Altendorf dabei, neue Baugebiete zu deklarieren." Es zeige sich aber auch, dass in den anderen Kreis-Gemeinden die Nachfrage nach Bauland hoch bleibe. Hier liege Frensdorf aufgrund eines neuen Baugebiets weit an der Spitze, dicht gefolgt von Hirschaid.

Erfreulich ist aber auch, dass Gemeinden immer mehr dazu übergehen, ihre Innenentwicklung voranzutreiben. Statt auf der "grünen Wiese" neue Baugebiete auszuweisen, werden Leerstände, unzureichend bewohnte Altbauten sowie Brachflächen aktiviert oder aber bestehende Bebauungspläne mit sehr großen Grundstücken überarbeitet, um für Bauherren interessant zu sein.


"Speckgürtel" lockt Familien

Ein Grund für die verstärkte Bautätigkeit im Landkreis sei neben der schönen Landschaft natürlich auch der "Speckgürtel" um Bamberg. Die Erweiterungen von bestehenden Firmen wie Michelin oder Brose würden die Investition in Immobilien für Familien interessant machen, so Schuhmann.

Landrat Johann Kalb begrüßt diese Entwicklung: "Ich freue mich sehr, dass Bauland im Landkreis Bamberg so beliebt ist - gerade im Hinblick auf die demografische Entwicklung, eine unserer größten Herausforderungen. Dass Eigenheime im Landkreis - nicht nur in den stadtnahen Gemeinden - so begehrt sind, spiegelt eine gesunde Entwicklung hinsichtlich der Altersstruktur sowie eine ausgeprägte Familienfreundlichkeit wider. Es ist außerdem das Ergebnis unserer wirtschaftsfreundlichen Politik und der Attraktivität unserer Gemeinden. Familien ziehen zum Arbeitsplatz und nicht umgekehrt."

Der Boom könnte im Übrigen auch für gute Zahlen bei der Baufinanzierung der Sparkasse sorgen und so die Gewinndelle infolge der Zinsdelle ausgleichen. Und Verwaltungsrats-Vorsitzender Kalb hätte dann wahrlich noch mehr Grund zum Lächeln.