Bruno Kellner tritt nach 2014 zum zweiten Mal bei einer Landratswahl an. Beim Kandidateninterview gab der Bewerber der Freien Wähler/ÜWG auch einige Einblicke in seine Biografie. So hat er unter anderem Ebracher Häftlinge resozialisiert oder im Rahmen des "Aufbaus Ost" nach der Wende die Leipziger Arbeitsagentur zur 1000-Mitarbeiter-Behörde entwickelt. Sein Wissen um die Funktionsweise von Verwaltungen kam ihm auch als Bürgermeister von Rattelsdorf zugute.

In dieses Amt gelangte er 2005 relativ unverhofft - aber Kellner füllt es bis heute aus. Seit 2008 engagiert er sich auch im Kreistag und als früherer Elternbeiratsvorsitzender des Maria-Ward-Gymnasiums kann er im Zweckverband Gymnasien durchaus mitreden. "Ich habe immer schon gern mit Menschen zusammengearbeitet", sagt der 63-jährige Landratskandidat. Kellner geht davon aus, dass es bei der Landratswahl zu einer Stichwahl kommt. Und er rechne sich gute Chancen aus, diese zu erreichen. Das sagt der Bewerber über... ... Bildung: Im Bereich Schulen sei der Landkreis gut unterwegs. In den Zweckverband Gymnasien müsse sich der Landkreis, der fast zwei Drittel bezahle, aber noch viel mehr einbringen. "In der letzten Zweckverbandssitzung habe ich zum Beispiel gesehen, dass am Eichendorff-Gymnasium noch immer mit Overhead-Projektor gearbeitet wird - das kann doch nicht sein." Dass ein Gymnasium außerhalb Bambergs nicht von allen Landkreis-Schülern angenommen würde, ist für Kellner "eine Weisheit, auf die man auch ohne eine 80 000 Euro teure Studie hätte kommen können". ... Bauen: Kellner wünscht sich dringend, dass die Stelle des Kreisbaumeisters bald wieder besetzt wird. Insgesamt müsse man sich bei der Bearbeitung von Bauanträgen auch einmal mit Nachbarlandkreisen vergleichen, wo es manchmal schneller gehe. "Es kann nicht sein, dass eine Baugenehmigung bei uns ein Vierteljahr dauert." Paradox erscheint es dem FW/ÜWG-Bewerber, wenn Kommunen nun einerseits auf Verdichtungsbebauung setzten, es dann aber sofort wieder Probleme mit den Abstandsflächen gebe. Ein großes Problem sei das Thema Bodenaushub, der häufig nicht wiederverwertet werden dürfe und als teurer Sondermüll entsorgt werden müsse. ... Bier: Kellner freut sich über die vielen guten Brauereien im Landkreis, allein vier davon in seiner Heimatgemeinde. "Das ist ein Anziehungspunkt für nah und fern", sagt Kellner. Dass es aber unbedingt ein Bierkulturzentrum braucht, zweifelt er an. ... Wald: Zum Ausgleich macht Kellner auch Holz im eigenen Wald, er setze also schon lange auf nachwachsende Rohstoffe. Er fordert eine gestützte Forstwirtschaft vor Ort und ist überzeugt: "Gnade uns Gott, wenn wir den Umbau unserer Wälder nicht schaffen." Ein Nationalpark im Steigerwald könne nur entstehen, "wenn die Mehrheit der Bürger das will". ... Digitalisierung: Was Datensicherheit angeht, stehe die digitale Ausstattung vieler Kommunen auf tönernen Füßen: "Das ist leider momentan für viele kein Thema. Dabei müssen wir auch bei Online-Formularen Kompatibilität herstellen." Kellner habe im Verwaltungsausschuss angestoßen, in diesem Bereich die personellen Ressourcen des Landratsamts auszubauen. Denn "ohne IT-Sicherheit ist alles nichts". ... Automobilindustrie: "Man muss unterscheiden, was Landkreis-Politik kann und was nicht", sagt Bruno Kellner. Doch die Krise bereite auch in Rattelsdorf Sorge, weil hier viele in der Automobilindustrie Beschäftigte lebten. "Wir haben aber für Bosch in Bamberg eine gute Lösung erreicht, um nun den Umbruch mitgestalten zu können."

Die Task-Force zu Michelin sei richtig und gut gewesen. Für Jobsuchende böten auch die Landkreis-Kommunen noch viele Perspektiven - vom Busfahrer bis zum Klärwärter. ... ärztliche Versorgung: Die "klassische Ein-Mann-Praxis" werde es in Zukunft wohl nicht mehr so geben. Die Pflegesituation im Landkreis müsse weiter verbessert werden. Kellner würde sich wünschen, dass auch die zuhause Pflegenden noch besser unterstützt werden. "Gebt doch Frauen, die einen Elternteil daheim pflegen, 2000 Euro." Ein Heimaufenthalt koste viel mehr. Baulich müsse man auch an die denken, die noch relativ fit sind und im Alter gerne daheim bleiben. Sie suchten nach ebenerdigen, barrierefreie Apartments. ... den ÖPNV: Für Kellner ist keinem gedient, wenn alle halbe Stunde ein Bus nach Königsfeld oder Wattendorf fährt - und nur zwei Leute drinsitzen. "Ich bin dagegen, dass man Luft bewegt." Er schlägt vor, höhere Frequenz und kostenlose Busse auf bestimmten Strecken zu testen - um zu sehen, wie das Angebot angenommen wird. Auch der Regionale Omnibusbahnhof, wann immer er komme, ist für Kellner kein Allheilmittel.