Wenn er die dicken historischen Bände aus den Regalwänden zieht, leuchten Christian Langes Augen. Melanie Lange muss schmunzeln. Hier in der Teilbibliothek Theologie der Uni Bamberg hat das spätere Paar einst viele Stunden verbracht. Als sich die beiden im Wintersemester 1992 erstmals im Proseminar Kirchengeschichte begegnet sind, ahnten sie noch nicht, dass sie 21 Jahre später einmal heiraten würden. Dazwischen waren beide anderweitig fest vergeben. Mit seiner heutigen Frau Melanie blieb Christian Lange aber all die Zeit freundschaftlich verbunden, bis es irgendwann doch noch einmal richtig funkte.

Die Universität war stets eine feste Größe, beide arbeiteten hier viele Jahre. "2018 habe ich meine letzte Vorlesung gehalten", sagt Lange und zieht ein weiteres Buch aus der Bibliothekswand: "Ephraem der Syrer - Kommentar zum Diatessaron I, 2008", der Verfasser heißt Christian Lange. Den zog es von Bamberg fürs weitere Studium nach Salzburg und Oxford. Nicht nur wegen dieser vierjährigen Etappe stellt er fest: "Der Brexit hat mir weh getan, Europa ist unsere Zukunft."

Viele Religionslehrer ausgebildet

Das wissenschaftliche Arbeiten sei auch für seine Tätigkeit als Bürgermeister hilfreich gewesen. Welche verschiedenen Ansätze gibt es? Was muss man tun, um mit den vorhandenen Mitteln gewünschte Ergebnisse zu erzielen? "Ich höre zu, respektiere andere Meinungen und lasse mich auch überzeugen." Das sei in der heutigen Diskussionskultur leider selten geworden.

Der 47-jährige Kirchenhistoriker und seine ein Jahr jüngere Frau haben viele Religionslehrer ausgebildet, Melanie ist heute beim Erzbischöflichen Ordinariat Fachreferentin für katholische Religionslehre an den Gymnasien. Theologie ist für die Langes mehr als nur eine Studienrichtung gewesen, der Glaube nimmt für sie eine wichtige Rolle ein. So ist ein Spruch aus Psalm 111, "Gottesfurcht ist der Anfang aller Weisheit", in die Eheringe eingraviert. Beide sind in der Ökumene engagiert. Auch politisch setze Lange auf christliche Grundsätze, Umweltschutz oder die Integration von Flüchtlingen seien gelebtes Christentum. Er habe auch mal überlegt, Priester zu werden. Doch dem stand der gleichzeitige starke Wunsch nach Familie entgegen.

Dieser Wunsch wurde erfüllt, 2013 heiratete er seine Melanie, der gemeinsame Sohn Laurenz ist inzwischen vier Jahre alt. "Dass ich das jetzt erleben darf, mit der Frau, der ich schon seit Studienzeiten hinterhergelaufen bin, erfüllt mich mit großer Freude." Das gemeinsame Frühstück stellt für ihn heute ein wichtiges Ritual dar, bevor er häufig bis in den späten Abend seinen beruflichen Aufgaben nachgeht. "Mir ist es wichtig, dass ich Laurenz noch früh in den Kindergarten bringe", sagt Christian Lange. Am Wochenende versuche er, nach Möglichkeit einen Tag für die Familie frei zu halten. Ganz weit weg von allen Pflichten sind die Langes dann im gemeinsamen Urlaub, der sie unter anderem nach Bibione oder an den Gardasee führte.

Entspannung findet der Zweite Bürgermeister auch bei der Gartenarbeit am Haus in Bug. Vater und Sohn beackern dann gemeinsam das Hochbeet, ernten Radieschen oder Erdbeeren. Melanie widmet sich derweil der Kunst, zeichnet oder malt in Öl. Da beide kunst- und kulturinteressiert sind, nutzen sie das Bamberger Theater- und Ausstellungsangebot.

Im Alter zurück an die Uni?

In Langes Stammbaum finden sich Generationen von Gärtnern, zwei Großeltern, die bei Bosch gearbeitet haben. Dessen Frau hatte noch Felder, auf denen der kleine Christian Zwiebeln und Salat erntete. "Die Gärten, Bosch und die Eisenbahn - so habe ich Bamberg kennengelernt."

Wenn der Privatmann Christian Lange in der Stadt unterwegs ist, ist er nie ganz vom Funktionsträger zu trennen. Ständig grüßt er, schüttelt Hände. "Früher hat er nur jeden Zweiten gekannt, inzwischen irgendwie jeden. Das ist aber auch für mich ganz gut, weil ich so viele neue Leute kennenlerne", sagt Melanie Lange. Gern sitzt die Familie in einem Café am Rande der Langen Straße. Der vierjährige Laurenz nutzt dann den nahen Spielplatz, nimmt danach die große Couch im Café in Beschlag - und schläft dort nicht selten ein.

Den Sohn will Lange demnächst zum ersten Club-Spiel mitnehmen, seine Frau hatte er schon zu Uni-Zeiten für die Fakultätsmannschaft verpflichtet. Die Fußball-Leidenschaft lebt der 47-Jährige seit einer Knieverletzung vor allem noch passiv aus. Er schaue sich Spiele vom FC Eintracht Bamberg und der DJK Don Bosco an, und wenn es geht auch vom 1. FC Nürnberg.

Fast 20 Jahre hat Melanie Lange als Studierende und Lehrende an der Bamberger Uni verbracht, bei Christian Lange war es nur wenig kürzer. Er hält es aber für gut möglich, dass er zum Ende seiner Berufslaufbahn noch einmal zur Lehre zurückkehrt und auch weitere Bücher schreibt. "Politik ist immer ein Mandat auf Zeit. Danach noch mal mit Studierenden arbeiten zu können, wäre ein reizvoller Gedanke. Aber bis es soweit ist, habe ich schon noch einiges vor."