Anhaltender Starkregen mit massiven Überflutungen und Hochwasser hielten seit Freitagmorgen (09. Juli 2021) die Einsatzkräfte der fränkischen Feuerwehren und des Technischen Hilfswerks auf Trab. Ganze Ortschaften standen unter Wasser, Autos wurden weggeschwemmt. Die Lage war vielerorts kaum durch die Einsatzkräfte kontrollierbar. Der Landkreis Neustadt an der Aisch-Bad Windsheim hatte den Katastrophenfall ausgerufen. 

Zum Beginn der neuen Woche zeigt sich nun, wie groß die Schäden teilweise waren und sind. In Adelsdorf (Landkreis Erlangen-Höchstadt) wurde ein über 200 Jahre altes Haus geflutet. Die komplette erste Etage ist durch die Wasserschäden nicht mehr bewohnbar, der Bürgermeister hat ein Betroffenentelefon eingerichtet. Im Landkreis Erlangen-Höchstadt können Betroffene jetzt ihre kaputten Gegenstände gesondert entsorgen. In Erlangen wurde die Wöhrmühleninsel in der Regnitz überschwemmt. Hier sollte ab Freitag ein großes Open-Air-Festival stattfinden. In Zeil am Main musste die Feuerwehr die Tür aufbrechen, um eine geschwächte demente Frau aus der überfluteten Wohnung zu retten. In Hallerndorf (Landkreis Forchheim) hat die Trockenlegung besonders lange gedauert. Hier machte ein Stromausfall zusätzlich Probleme bei der Flutbekämpfung. 

Entspannung im südlichen Kreis Schweinfurt: Vorher kämpften insgesamt 300 Einsatzkräfte gegen Wassermassen

Einsatzkräfte und zahlreiche Helferinnen und Helfer kämpften im südlichen Landkreis stundenlang gegen Wassermassen, die in Wohngebieten für Überschwemmungen sorgten. Nun entspannt sich die Lage (11.07.2021), wie das Landratsamt Schweinfurt in einer Pressemitteilung berichtet.

Dauerregen sorgte zum Wochenende im Landkreis Schweinfurt sowie auch in weiten Teilen Frankens für Überschwemmungen in Wohngebieten und legte auch zeitweise die Verkehrsinfrastruktur lahm. Im südlichen Landkreis Schweinfurt traten die Volkach und ihre Zuflüsse über die Ufer und es gab Talschwämmen in der Weinanbauregion Steigerwald, so dass Wassermassen in Wohngebieten Straßen, Wohnungen und Keller überfluteten und für eine Überlastung des Abwasserkanalsystems sorgten. Besonders betroffen waren die Gemeinden Michelau, Oberschwarzach, Kolitzheim (Gemeindeteil Zeilitzheim), Frankenwinheim, Dingolshausen, Donnersdorf, Lülsfeld (Gemeindeteil Schallfeld) und die Stadt Gerolzhofen.

Aufgrund der Ereignisse hat das Landratsamt Schweinfurt am Freitagmittag die Einsatzlage im Raum Gerolzhofen als großräumige Gefährdungslage und koordinierungsbedürftiges Ereignis unterhalb der Katastrophenschwelle eingestuft (nach Artikel 15 des Bayerischen Katastrophenschutzgesetzes), so dass alle Einsatzkräfte (bis auf die Polizei) dem Örtlichen Einsatzleiter unterstellt waren. Diese Funktion übernahm Kreisbrandinspektor Alexander Bönig und später Kreisbrandinspektor Reinhold Achatz. Im Hintergrund wurde durch Kreisbrandinspektor Florian Zippel, gemeinsam mit Mitgliedern der Unterstützungsgruppe der Örtlichen Einsatzleitung, in der Kreiseinsatzzentrale eine Schnittstelle zwischen dem Landratsamt und den Einsatzkräften aufgebaut. Weiterhin wurde sich hier um die notwendigen Beschaffungen von Personal und Material gekümmert.

Nach Angaben der Integrierten Leitstelle (ILS) Schweinfurt wurden 60 größere Feuerwehreinsätze im südlichen Landkreis registriert. Wie ILS-Leiter Thomas Schlereth am Samstag mitteilte, kam es zusätzlich zu einer Vielzahl weiterer Einsätze im gesamten Kreisgebiet (zum Beispiel Keller auspumpen), die von den Feuerwehren eigenständig abgearbeitet wurden.

In den Kreisbauhöfen Niederwerrn und Gerolzhofen wurden von den Feuerwehren und Bauhofmitarbeitern Sandsäcke befüllt und vom Technischen Hilfswerk (THW) zu den Einsatzstellen transportiert. Insgesamt waren circa 40 Feuerwehren im Einsatz. Weiterhin waren Kräfte des THW (Ortsverbände Gerolzhofen und Schweinfurt), der Polizei, der Kreisbauhöfe, der Wasserwacht sowie der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) eingesetzt - insgesamt rund 300 Einsatzkräfte. Durch die Wassermassen wurde es notwendig, zahlreiche Verkehrswege zu sperren.

Landrat Florian Töpper und Kreisbrandrat Holger Strunk machten sich vor Ort unter anderem in Michelau ein Bild von der Lage. Töpper lobte die Tatkraft der Einsatzkräfte, die unter enormen körperlichen Einsatz dafür sorgten, dass noch größerer Schaden abgewendet werden konnte. „Ich bin sehr dankbar für das, was die Einsatzkräfte und zahlreiche Helferinnen und Helfer hier geleistet haben. Eine solche Ausnahmesituation zeigt immer auf, wie gut es um den Zusammenhalt, das Verantwortungsbewusstsein und das Miteinander in einer Gesellschafft bestellt ist. Dann zu sehen, wie hier alle mit anpacken und wie sich Bürgerinnen und Bürger Hand in Hand und unvoreingenommen gegenseitig helfen, stimmt mich sehr zuversichtlich, was künftige Herausforderungen unserer Region – egal welcher Art – anbetrifft“, sagte Töpper. 

Nach in Augenscheinnahme der Einsatzabschnitte durch Kreisbrandrat Strunk und Landrat Töpper konnte der Koordinierungsbedarf (nach Artikel 15 des Bayerischen Katastrophenschutzgesetzes) am Abend gegen 19 Uhr nicht mehr festgestellt werden, sodass eine einheitliche Koordination (mit dem Örtlichen Einsatzleiter) nicht mehr notwendig war. Die Einsatzabschnitte wurden daraufhin den örtlichen Feuerwehren übergeben.

Jahrhunderhochwasser an der Aisch: Anwohner haben Spaß mit Luftmatratzen - Retter kämpfen unweit gegen Wassermassen

Am Samstag wurde auch klar, was viele schon gespürt hatten: Das Hochwasser, dass die Aisch im Landkreis Forchheim über die Ufer treten ließ, war ein Jahrhunderhochwasser. "So ein Hochwasser, in dieser Art und Weise und in diesem rasanten Tempo, haben wir noch nicht erlebt", sagt der Kreisbrandrat des Landkreises Forchheim, Oliver Flake, im Interview mit der Agentur News5. Altgediente Kamerad*innen bestätigten Flake zudem, dass es so hohe Pegelstände in dem Gebiet noch nie gegen habe. Das paradoxe: Unweit der Stellen, an denen Rettungskräfte noch immer mit den Wassermassen kämpften, hatten Anwohner sichtlich Spaß im Wasser: Mit Luftmatratzen trieben sie durch die überschwemmten Straßen. "Brauchst schon mal nicht in Urlaub fliegen", sagte ein Anwohner im Video mit News5.

Die Lage im Kreis Erlangen-Höchstadt ist noch immer angespannt, wie das Landratsamt mitteilt. Die Pegel der Aisch sind weiter hoch. Besonders betroffen sind die Adelsdorfer Ortsteile Weppersdorf und Lauf sowie der Höchstadter Stadtteil Sterpersdorf und die Höchstadter Altstadt und die B470 zwischen Höchstadt und Lonnerstadt. Insgesamt sind derzeit 156 Einsatzkräfte der Feuerwehr, des Rettungsdienstes und des Technischen Hilfswerks im Einsatz. 

Straßen in Adelsdorf und Höchstadt sind von Hochwasser und Überflutung betroffen. In Adelsdorf sind die Gemeindeverbindungsstraßen von Aisch nach Uttstadt, von Adelsdorf nach Uttstadt sowie die Hölzäckerstraße sowie die Uttstadterstraße Richtung Nainsdorf gesperrt.

Die Staatsstraße St 2263 ist zwischen Kleinneuses und Höchstadt, zwischen Karpfenkreisel und Schillerplatz sowie die B470 von der Rothenburgerstraße bis Abzweigung Bechhofenerweg gesperrt. Die ERH 18 ist an der Abzweigung B470 Richtung Sterpersdorf gesperrt.

In Höchstadt sind die Gemeindeverbindungsstraßen von Am Waageck Richtung Gremsdorf, die Schönwetterstraße Richtung B470 und zudem diverse Nebenstraßen in der Altstadt sowie der Lappacher Weg nicht passierbar.

Die Umleitungsstrecken bezüglich der anstehenden nächtlichen Sperrung der A3 zwischen Höchstadt-Ost und Erlangen-West sind vom Hochwasser nicht betroffen.

Das Landratsamt bittet, die betroffenen Gebiete weiträumig zu umfahren und dankt an dieser Stelle allen Einsatzkräften für ihren Einsatz. 

Entwarnung im Kreis Erlangen-Höchstadt (11.07.2021)

Großschadenslage wegen Hochwasser im Landkreis Erlangen-Höchstadt aufgehoben: Im Landkreis Erlangen-Höchstadt wurde am 11.07.2021, 12:30 Uhr, die am 10.07.2021 festgestellte Großschadensereignislage nach Art. 15 des Bayerischen Katastrophenschutzgesetzes durch Landrat Alexander Tritthart aufgehoben. Das berichtet das Landratsamt in einer Pressemitteilung.

Die Pegel sind rückläufig. Derzeit laufen letzte Aufräumarbeiten in den betroffenen Bereichen in Adelsdorf und Höchstadt. Es besteht kein Koordinierungsbedarf mehr. Einsatzkräfte der Feuerwehren sind weiterhin im Einsatz. Die Koordinierungsgruppe des Landratsamtes wurde aufgelöst. Die Hochwasserlage wird weiterhin beobachtet. Großer Dank gilt den unermüdlichen Einsatzkräften vor Ort sowie der Koordinierungsgruppe des Landratsamtes für Ihren Einsatz.

Folgende Straßen sind noch gesperrt: Die B470 ist zwischen Höchstadt und Lonnerstadt halbseitig sowie am Abzweig der ERH 18 komplett gesperrt. Die Gemeindeverbindungsstraßen von Aisch Richtung Uttstadt, von Adelsdorf Richtung Uttstadt sowie Am Wegeck Richtung Gremsdorf. Die Schönwetterstraße ist weiterhin nicht passierbar. Umleitungen sind eingerichtet. Das Landratsamt bittet die betroffenen Gebiete weiträumig zu umfahren. Da es am Montag, den 12.07.2021, zu Verzögerungen im Berufsverkehr kommen kann, ist es empfehlenswert, mehr Zeit einzuplanen.

Anwohnende im Landkreis Bamberg stapeln Sandsäcke - Tierheim Haßberge geflutet

In Priegendorf (Ortsteil von Baunach, Landkreis Bamberg) liefen am Freitagvormittag die Wassermassen durch den Ortskern. Die Feuerwehren waren hier im Dauereinsatz. Vielerorts wurden Sandsäcke eingesetzt, um das Wasser von Häusern fernzuhalten. Auch die Einsatzfahrzeuge der Feuerwehr selbst standen unter Wasser. In Herzogenaurach (Landkreis Erlangen-Höchstadt) warnte die Polizei vor einer 60 Zentimeter hohen Flutwelle auf dem Fluss Aurach. Autos, die auf einem Parkplatz in der Nähe abgestellt seien, sollten unverzüglich weggefahren werden, hieß es.

Im Landkreis Haßberge traf das Unwetter besonders die Stadt Ebern und die Gemeinde Knetzgau. Durch den Starkregen seien Wassermassen von Fierst vom Berg her in Richtung Ebern gedrängt. Wiesen, Feldwege und Zufahrten wurden überschwemmt und der Angerbach sei über die Ufer getreten. "So etwas hatten wir zuletzt vor 40 Jahren in dieser Dimension", zitiert der BRK-Rettungsdienst einen Eberner Bürger angesichts des Schreckensbildes. Auch im Maintal schlug das Unwetter zu. Laut BRK-Rettungsstelle sei hier vor allem der Bereich rund um Knetzgau betroffen. Mehr als 200 Einsatzkräfte seien dort im Einsatz.

Der teils ergiebige Dauerregen in Franken hat auch vor dem Tierheim Haßberge nicht Halt gemacht. Die Einrichtung im unterfränkischen Knetzgau leidet seit Freitagvormittag (9. Juli 2021) unter einer starken Überschwemmung. "Der komplette Außenbereich steht unter Wasser", schildert Tierheim-Mitarbeiterin Yvonne Jung die Situation inFranken.de. Sie spricht von einem "reißenden Fluss". Die Einsatzkräfte versuchten dabei, teilweise mit drei Schläuchen das überflutete Gelände auszupumpen, um zu verhindern, dass das Wasser steige.  

Personen aus Autos geborgen: Landkreis Neustadt an der Aisch-Bad Windsheim ruft Katastrophenfall aus  

Im Kreis Neustadt an der Aisch-Bad Windsheim wurde aufgrund von Überschwemmungen, Erdabrutschen und entwurzelten Bäumen den Katastrophenfall ausgerufen, wie das Landratsamt mitteilt. Der Unterricht an den Schulen sei eingestellt worden. In Limbach im Kreis Neustadt an der Aisch-Bad Windsheim sind  bereits in der Nacht zum Freitag etliche Keller vollgelaufen und Bäche über die Ufer getreten. Hier ist die B470 überflutet, zudem fährt zwischen Neustadt und Windsheim kein Zug mehr, wie der BR berichtet.

Personen wurden in ihren Fahrzeugen in Unterführungen vom Wasser eingeschlossen und mussten geborgen werden, so die Behörde. Das Wasser dringt in elektrische Anlagen ein und kann dort Kurzschlüsse verursachen. "Es kam bereits zu Rauchentwicklung und einem Brand", heißt es. Die Feuerwehren, die Polizei, das Technische Hilfswerk, die Bauhöfe und die weiteren Einsatzkräfte und Hilfsorganisationen sind landkreisweit im Dauereinsatz. Es werden Keller ausgepumpt, Straßen gesperrt und Umleitungen eingerichtet, sowie Dämme aus Sandsäcken errichtet. Darüber hinaus waren zahlreiche Einsatzkräfte damit beschäftigt, Heizöltanks zu sichern, in einem Fall war ein Düngerlager betroffen.

In Wilhermsdorf (Landkreis Fürth) sind viele Menschen ohne Strom. Es habe einen kompletten Stromausfall im Ortskern gegeben, sagte der Kreisbrandrat Frank Bauer am Freitag. Er rechne aber damit, dass der Schaden noch am Abend behoben werden könne, sagte Bauer. Neben der Ortschaft seien außerdem die Gemeinden Langenzenn und Veitsbronn von Hochwasser betroffen. Sie liegen ebenfalls am Fluss Zenn.

Einige Anliegerstraßen seien laut Informationen von News5 extrem vom Hochwasser betroffen. Bewohner eines Hauses hätten sich ins Obergeschoss gerettet und seien seither von Wasser "umzingelt". Die DLRG sei mit einem Rettungsboot vor Ort, um zu versorgen, falls nötig.

Auch in Gerach im Landkreis Bamberg hatte es am Nachmittag laut der Integrierten Einsatzstelle Bamberg einen Stromausfall gegeben, nachdem ein Verteilerkasten unter Wasser geraten war.

Zeitweise waren laut Landratsamt rund 470 Einsatzkräfte aus 45 Feuerwehren im Landkreis Neustadt an der Aisch-Bad Windsheim aktiv, um gegen die Folgen des Starkregens anzukämpfen. Bis zum frühen Nachmittag gingen mehr als 250 Notrufe ein. Aus Erlangen erhielt der Landkreis technische Unterstützung in Form eines Rettungswagens mit Wattiefe (Unimog), von der Feuerwehr in Neustadt a.d.Aisch sind drei Flachwasserboote einsatzbereit. Außerdem wurde etwa die Gegend um Hof getroffen: 70 Einsätze seien noch abzuarbeiten, sagte ein Sprecher der Integrierten Leitstelle Hochfranken. Keller und Straßen seien überflutet, Bäume abgeknickt. Verletzte habe es aber keine gegeben.

Landkreis Kitzingen: Gemeinde startet "dringenden Helferaufruf"

In Unterfranken tritt der Main bereits an vielen Stellen über das Ufer. Im Kreis Kitzingen ist die Feuerwehr laut Landratsamt schon seit Stunden im Dauereinsatz. In Wiesentheid und Stadelschwarzach musste Verstärkung aus dem Nachbarlandkreis Würzburg angefordert werden. "Ich kann mich kaum erinnern, dass es in einem Sommer schon einmal so viele Einsätze wegen Starkregen gab", so Landrätin Tamara Bischof. Betroffenen, deren Keller oder Häuser unter Wasser stehen, versichert sie Unterstützung.

Als Einsatzschwerpunkt hat sich in der Region die Jahnstraße in Wiesentheid herauskristallisiert. "Hier ist die Feuerwehr mit hoher Mannstärke, dem THW und sogar überörtlicher Unterstützung aus dem Landkreis Würzburg im Einsatz", teilt das Landratsamt Kitzingen mit. Die Marktgemeinde Wiesentheid hat derweil einen "dringenden Helfer-Aufruf" zum Befüllen von Sandsäcken gestartet. Zudem mussten einige Straßen komplett gesperrt werden, darunter auch die Kreisstraßen KT40 Neuses a. Sand/Brünnau, die KT12 von Großlangheim nach Rödelsee, die KT24 von Wiesentheid nach Untersambach und die KT 19 von Iphofen nach Birklingen. 

In Reichenbach (Landkreis Würzburg) ist der Ortskern der Gemeinde durch den Dauerregen komplett überflutet. Die Feuerwehr ist permanent im Einsatz. Sie pumpt bis zu zwei Meter hohes Wasser aus den Kellern der Anwohnenden. Wegen des andauernden starken Regens "sind die Bäche komplett übergelaufen", erklärt Kommandant und Einsatzleiter Benedikt Schmidt die Lage. Durch das Unwetter sind überdies zwei Menschen in Reichenbach verletzt worden: "Da wurde dann eine motorbetriebene Pumpe in den Keller gestellt", erzählt der Kommandant. "Der gute Wille ist jedoch ordentlich schiefgegangen." Durch den Motor ist Kohlenmonoxid in das Haus gelangt.

Update zur Lage in Kitzingen von Samstag, 10.07.20221, 16.40 Uhr

Mittlerweile entspannt sich die Lage im Kreis Kitzingen wieder. Das berichtet das Landratsamt in einer Pressemitteilung. Die ganze Nacht waren Einsatzkräfte vor Ort und kämpften gegen die Wassermassen. Auch im Landratsamt verbrachten Mitarbeiter die komplette Nacht, um zum Beispiel nötiges Material für die Örtliche Einsatzleitung zu besorgen. Am Samstagnachmittag ist die Lage im Landkreis Kitzingen aber deutlich entspannter.

Landrätin Tamara Bischof informierte sich in der Lagebesprechung im Einsatzzentrum bei der Feuerwehr Kitzingen am Samstagmittag vor Ort. Der Örtliche Einsatzleiter Alexander Fischer gab einen Überblick über die Situation:

Am Freitag waren 65 Feuerwehren des Landkreises mit etwa 1300 Einsatzkräften im Einsatz, aus Würzburg kamen drei Züge mit je 25 Mann zur Unterstützung, vom BRK waren 40 Kräfte im Einsatz und vom THW 113 Ehrenamtliche. Leider haben sich auch zwei Helfer verletzt: eine Feuerwehrfrau, die die Nacht im Krankenhaus verbringen musste, am Samstag aber wieder entlassen werden konnte, sowie ein Helfer des THW. Außerdem wurde für Samstag noch das Unterstützungskontingent aus Aschaffenburg mit 170 Mann und 34 Fahrzeugen sowie das Kontingent aus Miltenberg mit 98 Mann und 22 Fahrzeugen angefordert, das bereits am Samstagnachmittag teilweise wieder abgezogen werden konnte.

Los ging es bereits am Donnerstagabend in Dornheim und Geiselwind. Am Freitag, 9. Juli, gegen 8 Uhr spitzte sich die Lage im Raum Geiselwind zu, der kritische Bereich hat sich dann aber rasch Richtung Wiesentheid verlagert und dort auf die Jahnstraße und Badergasse konzentriert. Auch in Geesdorf war die Lage am Freitagmittag äußerst angespannt. Durch einen schweren Unfall auf der A3 gegen 13 Uhr am Mittag wurde dann auch noch der Verkehr von der Autobahn umgeleitet, was die Situation um Wiesentheid weiter verschärfte. Gegen Abend verlagerte sich die kritische Situation Richtung Schwarzach und Stadelschwarzach, wo das Wasser teilweise kniehoch in den Straßen stand, sowie den Bereich Prichsenstadt, wo das Gemeindegebiet teilweise komplett überschwemmt und unpassierbar war. Am Freitagabend war dann auch ein Polizeihubschrauber im Einsatz, der über Luftbilder eine gute Übersicht der Lage vermitteln konnte.

Zahlreiche Helfer, auch viele Ehrenamtliche, befüllten Sandsäcke und unterstütze die Einsatzkräfte. „Herzlichen Dank an alle Blaulichtorganisationen, auch an alle Ehrenamtliche, die ihre Hilfe spontan angeboten hatten“, betont Landrätin Tamara Bischof. Unkompliziert hat der Landkreis über die Kommunale Abfallwirtschaft Kontakt mit den betroffenen Bürgermeistern aufgenommen und Container bereitgestellt. Vor Ort, unter anderem in Wiesentheid und Stadelschwarzach, informierte sich die Landrätin über die Schäden und suchte das Gespräch mit Betroffenen. „Wir können sehr froh sein, dass wir scheinbar mit einem blauen Auge davongekommen sind und dass niemand schwer verletzt wurde“, so die Landrätin.
Großes Lob kam vom Örtlicher Einsatzleiter Alexander Fischer für die neue   Kreisfeuerwehrführung mit Kreisbrandrat Dirk Albrecht an der Spitze, die erst wenige Wochen in der Verantwortung steht. „Hat alles hervorragend geklappt“, so sein Resümee.

Landkreis Coburg: Schwere Schäden - Straßen wegen Hochwasser gesperrt

55 Liter pro Quadratmeter in neun Stunden - die Wassermassen, die am Freitag gefallen sind, richteten im Landkreis erhebliche Schäden an. Wieder schwer getroffen: der Wildpark Tambach.

Im Kreis Coburg wurden aufgrund des Hochwassers etliche Straßen gesperrt. Dies betrifft die folgenden (Hinweis: Die Lage verändert sich sehr schnell und es kann sein, dass die Sperrungen in Kürze wieder vorüber sind. Weitere Sperrungen sind aktuell aber ebenfalls nicht auszuschließen, heißt es seitens des Landkreises Coburg in einer aktuellen Pressemitteilung)

  • CO 1 zwischen Lahm und Hemmendorf
  • CO 4 zwischen Meeder und Wiesenfeld
  • CO 4 zwischen Wiesenfeld und Weidach
  • CO 9 zwischen Bischwind und Heilgersdorf
  • CO 12 Rossach – Kreisverkehrsplatz
  • CO 18 zwischen Mährenhausen und Sülzfeld
  • CO 22 bei Merkendorf

Alle Informationen zu den schweren Unwetterschäden in Coburg findest du in unserem separaten Artikel.

Umgestürzte Bäume in Würzburg

Eine ähnliche Situation zeigt sich im Stadtgebiet Würzburg. Dort steht die Hauptverkehrsader, die Schweinfurter Straße, unter Wasser. "Das nimmt jetzt alles so stetig Fahrt auf und die Einsätze werden immer mehr", erklärt der Schichtführer der zuständigen Feuerwehr gegenüber dem BR. Die Integrierte Leitstelle Würzburg fahre derzeit über 60 Einsätze. Ohne Ehrenamt sei die Situation schon jetzt nicht mehr zu kontrollieren. Ein weiteres Problem seien umstürzende Bäume: Da der Boden durch die Wassermassen aufweicht, werden diese entwurzelt und stürzen schneller um. Zudem mussten auch mehrere Autofahrer aus ihren Fahrzeugen gerettet werden, da sie in Unterführungen feststeckten. "Ich bin seit über 40 Jahren bei der Feuerwehr, aber sowas habe ich noch nicht erlebt. Unglaublich was hier an Wassermassen von A nach B fließen", sagte ein Sprecher dem BR.

Landkreis Ansbach: Auto wird von Wassermassen weggespült - Feuerwehr machtlos

Im Ort Lehrberg im Landkreis Ansbach trat die fränkische Rezat  laut News5-Informationen so weit über die Ufer, dass die Wassermassen ein geparktes Auto komplett mitrissen. Die Einsatzkräfte von Wasserwacht und Feuerwehr versuchten das Auto zunächst noch zu sichern und aus dem Wasser zu ziehen. Dies gelang allerdings nicht. Darauf wurde das Auto von der Rezat mitgerissen und weggespült.  

Es mussten verschiedene Straßen gesperrt werden, teilt die Stadt Ansbach mit. Die derzeitigen Einsatzschwerpunkte sind in Wasserzell und „Am Onolzbach“. Des Weiteren gibt es im gesamten Stadtgebiet Einsatzstellen, zum Beispiel überflutete Keller. Mittlerweile wurde die Meldestufe 4 erreicht. Einheiten der Feuerwehr befüllen Sandsäcke im Betriebsamt, teilt die Stadt Ansbach mit.

Gegen 21 Uhr entspannte sich die Hochwasserlage leicht, teilt die Stadt Ansbach mit. Bis zu diesem Zeitpunkt wurden etwa 100 Einsätze im Stadtgebiet abgearbeitet. Hierbei waren ca. 360 Einsatzkräfte (Feuer-wehr und Technisches Hilfswerk) - aus Stadt und Landkreis Ansbach sowie aus Weißenburg-Gunzenhausen und Schwabach - tätig. Die Feuerwehr Ansbach rechnet mit weiteren Einsätzen im Verlauf des Samstags. Der Höchststand der Rezat lag zwischenzeitlich bei 4,28 Metern. Um 21.30 Uhr wurde das Ende des Katastrophenfalls von Oberbürgermeister Thomas Deffner festgestellt.

Gegen 16 Uhr meldete die Integrierte Leitstelle Nürnberg, sie habe die Lage in ihrem Zuständigkeitsbereich im Griff. Nachdem einige Flüsse aus den betroffenen Kreisen auch durch den Zuständigkeitsbereich der Integrierten Leitstelle Nürnberg fließen, hat die ILS Nürnberg vorsorglich Vorkehrungen für eine sich eventuell zuspitzende Hochwasserlage getroffen. Wie in solchen Situationen üblich wurden zusätzliche Notrufannahmeplätze besetzt und der Lagedienst verstärkt.

Seit Freitagmorgen 7 Uhr gingen in der ILS Nürnberg bislang 485 Notrufe ein. Daraus resultieren bis zum jetzigen Zeitpunkt 100 technische Hilfeleistungen. Es handelte sich dabei überwiegend um Einsätze aufgrund überschwemmter Straßen und vollgelaufener Keller. 

Für den Freitag (09. Juli 2021) hat der Deutsche Wetterdienst Warnungen für Franken ausgesprochen. In vielen Gebieten gilt die Warnstufe 3. Am Samstag (10. Juli 2021) soll sich die Lage etwas entspannen. 

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