• Unwetter in Zeil am Main: Demente Frau im ersten Stock von Hochwasser überrascht
  • "Um Hilfe gerufen": Seniorin "völlig verstört und geschwächt"
  • Feuerwehr soll Tür aufbrechen: "Wohnung war schon zerstört"

Die Stadt Zeil am Main im Landkreis Haßberge wurde am Wochenende von einem heftigen Unwetter heimgesucht. Eine demente Frau saß im ersten Stock ihres Wohnhauses fest. Sie rief um Hilfe. Die zuständige Feuerwehr sollte die Haustür der über 80-Jährigen aufbrechen, wie Kommandant Tobias Hetterich von der Feuerwehr Zeil erläutert. Das Unwetter verwüstete mehrere Orte im Landkreis Haßberge.

Hochwasser in Zeil: "Dort konnte sie nicht bleiben" - demente Frau aus Haus gerettet

"Das ist eine stark demente Frau, die gar nicht weiß, was hier passiert", berichtet Hetterich. Ihre Verwandten hatten bereits die Einsatzkräfte alarmiert, um die Frau aus dem Wohnhaus zu holen. Sie befand sich im ersten Stock ihres Hauses, "dort konnte sie aber nicht bleiben", erklärt Bürgermeister Thomas Stadelmann (SPD). Die Frau muss wohl "völlig verstört und geschwächt" gewesen sein. Das Haus war bereits vom Hochwasser erfasst worden "und im ersten Stock befinden sich nicht einmal Toiletten."

Die Feuerwehr war wegen der Überschwemmung bereits vor Ort und muss gehört haben, wie sie um Hilfe gerufen hat. Bevor die Tür aufgebrochen werden musste, konnten Verwandte der Dame jedoch mit einem Schlüssel aushelfen. "Die Wohnung war bereits komplett zerstört", berichtet Hetterich. "Die gesamten Böden müssen raus, das Haus wird wohl erst einmal nicht bewohnbar sein." 

Zwischenzeitlich konnte schon eine Wohnung für die über 80-Jährige organisiert werden: Stadelmann erklärt, man habe Möglichkeiten gefunden, die Frau anderweitig unterzubringen. Von Nachbarn sei bereits eine Unterkunft angeboten worden. "Die Dame musste dann allerdings ins Krankenhaus, vermutlich wegen des Schocks", sagt Stadelmann. Dort befinde sich die über 80-jährige, körperlich ohnehin angeschlagene Frau aktuell wohl immer noch - "wie es weitergeht, darum kümmern sich nun die Verwandten."

Unwetter in Zeil zerstört Wohnungen: "Das Wasser sucht sich seinen Weg"

Wie Kommandant Hetterich erklärt, hat man nicht geahnt, was auf die Stadt zukommt. "Früh um halb 8 hatten wir den ersten vollgelaufenen Keller, da war uns allerdings noch nicht bewusst, wie schlimm das wird." Innerhalb kürzester Zeit wurden auch alle anderen Feuerwehren alarmiert. Schnell war klar, dass der überlaufende Bach nicht mehr zu halten ist. "Das hatte keinen Sinn mehr", sagt Hetterich. Das Wasser kam von überall. "Wir haben versucht, die Hauseingänge, so gut wie es geht, zu schützen." Das hatte jedoch nicht viel genutzt.

"Das Hochwasser stand plötzlich fast einen halben Meter hoch, die Keller und Wohnungen entlang des Bachs waren schnell geflutet. Das Wasser sucht sich einfach seinen Weg. Mein Vater mit 63 kann sich nicht erinnern, dass es jemals so schlimm gewesen ist", erzählt Hetterich. Die Feuerwehrkräfte sahen Ratten um ihr Leben schwimmen. 

Und auch am Montag (12. Juli 2021) sind die Nachwirkungen noch deutlich zu erkennen: "Überall stehen riesige Container mit Sofas und dem ganzen Inventar. Man sieht herausgerissene Böden und Sperrmüll in der ganzen Stadt."

Feuerwehr: Menschen halten zusammen 

Was Hetterich allerdings freut: "Die Leute helfen uns und sich." Die Anwohner haben Kaffee, Kuchen und Getränke gebracht. "Von überall sind Menschen gekommen und haben mit angepackt." Die Arbeiten werden wohl noch eine ganze Weile dauern.

Das Unwetter hat jedoch nicht nur im Landkreis Haßberge gewütet: Viele Orte in Franken litten unter dem "Jahrhunderthochwasser".