Familie aus Adelsdorf saniert alte Mühle - dann zerstört Hochwasser die komplette erste Etage: Johannes Grau aus Weppersdorf in der Gemeinde Adelsdorf (Landkreis Erlangen-Höchstadt) lebt mit seinen Eltern, seiner Frau und seinen zwei Töchtern seit 1996 in der ehemaligen Wassermühle des Ortes. Am Samstag (10.07.2021) wird die Familie plötzlich von Hochwasser überrascht, das in kürzester Zeit das Erdgeschoss flutet.

Mittlerweile hat sich Bürgermeister Karsten Fischkal (FW) den massiven Schaden vor Ort angesehen: "Da ist alles Schrott", so Fischkal gegenüber inFranken.de. Jetzt will er Hochwasser-Geschädigte mithilfe der Gemeinde finanziell unterstützen. Denn Familie Grau hat zum Beispiel keine Hochwasserversicherung.

Familie aus Adelsdorf: Hochwasser flutet liebevoll saniertes Haus

"Das Haus ist eine Doppelhaushälfte. Früher war es die alte Wassermühle, die 1792 gebaut wurde", erzählt Johannes Grau. Seine Eltern hätten das Haus 1996 gekauft und es liebevoll saniert. "Da steckt so viel Blut und Schweiß drin." Doch am Samstagmittag (01.07.2021) geschieht das Unfassbare. "Meine Eltern wohnen im Erdgeschoss, wir eins oben drüber", so Grau. Bereits am Vormittag habe er von einem Arbeitskollegen gehört, dass "in Höchstadt Land unter" sei. 

Doch da sei Grau noch fest davon ausgegangen, dass "sich das auf jeden Fall verteilen wird". Besonders, weil es bis dahin an diesem Tag "überhaupt nicht geregnet" habe. Doch gegen 12.45 Uhr muss Grau feststellen, dass auf einer Wiese am Haus bereits das Wasser steht. "Dann ging es wahnsinnig schnell. Die Nachbarn aus dem Ort haben geholfen, Sandsäcke vor die Türen zu stellen, weil wir alle Angst davor hatten, das Wasser in die Wohnung eindringt." 

Doch irgendwann habe "nichts mehr geholfen", weder bei Grau noch bei seinem Nachbarn. "Dann ging es uns nur noch darum, dass die Heizöltanks trocken bleiben. Was anderes konnten wir nicht mehr machen", erzählt der 40-Jährige. "Die Wohnung haben wir aufgegeben." Nach kürzester Zeit hat der Wasserpegel in der ersten Etage einen Stand von 20 Zentimetern erreicht. "Das Wasser stand bis zu den unteren Schubladen", sagt Grau. 

Keine Hochwasserversicherung für Familie aus Adelsdorf: "Man kann sich vorstellen, was auf sie zukommt"

Der Schaden, vor dem Johannes Grau und seine Familie nun stehen, ist immens. "Alle Bodenbeläge müssen wir rausmachen. Die Küchenmöbel sind kaputt, der Pressspan hat das ganze Wasser gezogen", erzählt er. Nun müsse man sehen, ob sich von den Möbeln überhaupt etwas retten lasse. Die Großeltern seien mit dem restlichen Hab und Gut zunächst ins Dachgeschoss gezogen. 

Waschmaschine und DVD-Player seien bei der Überschwemmung ebenfalls zerstört worden. "Zumindest hat die Heizung keinen Treffer, das wäre natürlich der Super-GAU gewesen", so Grau. Und die Familie habe noch schnell reagiert: "Wir haben erstmal möglichst viele Sachen höher gestellt, damit das Wasser sie nicht erreicht. Aber im Gerätehaus im Garten ging es trotzdem bis über den Tisch." Welche technischen Geräte nun noch funktionieren, muss Grau noch ausprobieren. 

Dafür müsse aber erst einmal alles trockengelegt werden. Die Schadenshöhe sei deshalb bislang völlig unklar. "Wir leben im Hochwasser-Risikogebiet. Deshalb wäre eine Hochwasser-Versicherung sehr teuer gewesen, was mein Vater damals nicht zahlen konnte. Unser Nachbar hatte mehr Glück, er hat noch eine alte Versicherung." Johannes Grau hofft jetzt, dass zumindest die Hausratsversicherung für die kaputten Möbel aufkommt. Der Adelsdorfer Bürgermeister Karsten Fischkal (FW) will die Familie dabei unterstützen. "Ich hatte selbst 2018 einen Wasserschaden im Keller. Der hat mich 50.000 Euro gekostet. Da kann man sich vorstellen, was jetzt auf sie zukommt."

Bürgermeister startet Betroffenen-Aufruf: So schwer hat Adelsdorf das Unwetter getroffen 

"Wir sind doch noch relativ - und ich betone das relativ - glimpflich davongekommen", so zieht Fischkal Bilanz zum Unwetter in seiner Gemeinde. Weil das Wasser so hoch gewesen sei "wie noch nie" und trotzdem "kein Mensch zu Schaden kam", könne man sehr froh sein, so Fischkal. Viele vollgelaufene Keller und überflutete Straßen seien das Ergebnis des Starkregens gewesen. Trotzdem habe es schlimme Fälle wie den der Familie Grau gegeben, bei denen nun "alles dahin" sei. Deshalb hat Fischkal einen Aufruf gestartet: Wer auch schlimm von dem Unwetter betroffen ist, solle sich unbedingt bei der Gemeinde melden. 

"Wir haben ja oft noch Möglichkeiten zu unterstützen", sagt er. Gleichzeitig sei er in verschiedenen Gesprächen darüber, wie sich Adelsdorf in Zukunft noch besser schützen lassen könnte -  vor Starkregen und Hochwasser. Für Familie Grau stellt sich vor allem eine Frage: Wegziehen oder bleiben? Schließlich warnen Experten vor künftig deutlich mehr Starkregen durch den Klimawandel. "Es gibt solche Momente, da denkt man sich natürlich, gebe ich alles auf und verkaufe das Haus?", so Grau. "Aber da hängt zu viel Liebe dran." Und doch ist Johannes Grau sich sicher: "Wir müssen das stemmen und werden das auch hinkriegen." Bei den Einsatzkräften und Helfern wolle er sich auf jeden Fall "herzlich bedanken". 

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Hinweis: In einer früheren Version hatten wir berichtet, die Familie hätte keine Versicherung bekommen. Dies hat sich nach einem Gespräch als Missverständnis innerhalb der Familie herausgestellt. Wir haben die entsprechende Passage berichtigt und bitten, dies zu entschuldigen.