• Wachenroth: Starkregen flutet Anfang Juni 2021 komplette Wohnung 
  • "Vom Acker kam die ganze Brühe": Ehepaar wird von Wassermassen überrascht 
  • Tochter rettet Vater (61) im Rollstuhl das Leben - "Wasser stand bis zum Hals"
  • Hab und Gut komplett zerstört - Ehepaar sucht barrierefreie Bleibe 

In Wachenroth wurde am Dienstag (08.06.2021) die Wohnung des Ehepaars Karp durch plötzliches Unwetter mit Starkregen komplett zerstört. Nur der schnellen Reaktion ihrer Tochter und zwei Freundinnen hat es Rollstuhlfahrer Ulrich Karp zu verdanken, dass er heute noch lebt. Gegenüber inFranken.de erzählt seine Ehefrau Christine die tragische Geschichte - und warum sie nach dem Schock noch immer schwer zu kämpfen haben. 

Starkregen flutet Wohnung in Wachenroth: "Vom Acker kam die ganze Brühe"

Es ist Dienstag, der 8. Juni 2021. Christine Karp, Verkäuferin in einem Modeladen in Wachenroth, ist vor 15 Minuten von dem Treffen mit einer Freundin nach Hause gekommen, als es plötzlich anfängt zu gewittern. "Mein Mann mag Blitze, er saß im Wohnzimmer und hat nach draußen geschaut. Am Anfang habe ich gedacht, es ist nur ein bisschen Regen." Doch dann, so erzählt Christine Karp, sei plötzlich unter dem Fenster zum Schlafzimmer Wasser in die Wohnung gelaufen. 

In kürzester Zeit flutet der Starkregen auch die Terrasse und das Wohnzimmer. "Es war ganz schlimm", erinnert sich seine Ehefrau an den Blick nach draußen. "Vom Acker kam die ganze Brühe herunter, so wellenartig. Das Wasser ist erst den Hang herunter, am Nachbarhaus vorbei und dann zu uns." Seit 25 Jahren wohnt das Ehepaar zu diesem Zeitpunkt in einer Kellerwohnung in der Gemeinde im Landkreis Erlangen-Höchstadt. 

Ulrich Karp leidet unter Multipler Sklerose, er ist an den Rollstuhl gebunden und auf einen überlebenswichtigen Blasenkatheter über den Bauch angewiesen. Als das Wasser immer höher steigt, bekommt Christine Karp Panik. "Ich habe meine Tochter Sandra angerufen, sie wohnt ein paar Häuser weiter in Wachenroth und ist Altenpflegerin. Ich hab nur ins Telefon geschrien 'Sandra, wir ersaufen!' und dann war auch schon der Strom weg."

Starkregen: Altenpflegerin aus Wachenroth rettet Vater im Rollstuhl das Leben

Alleine hätte Christine Karp ihren Ehemann nicht aus der Wohnung retten können. "Ihm stand das Wasser schon bis zum Hals ", sagt die 59-Jährige. In letzter Sekunde trifft Sandra Karp mit zwei Freundinnen ein. "Die haben ihn dann rausgezogen und schnell die Treppe nach oben ins Haus gebracht", sagt Christine Karp. Im Anschluss habe Sandra Karp ihren Vater dann sofort ins Krankenhaus gefahren. 

"Wir mussten nachschauen lassen, ob irgendwie Schlamm oder Dreck in den Schlauch oder die Pumpe vom Cystofix (red. Anmerkung: der Katheter) gekommen ist. Er war dann zwei Tage zur Beobachtung da, doch es war zum Glück alles in Ordnung." Nach dem Schock und einem langen Feuerwehreinsatz kommt das Ausmaß der Zerstörung zum Vorschein: Nahezu das gesamte Hab und Gut der Karps wurde durch die Überschwemmung vernichtet. 

"Unterlagen habe ich gar keine mehr, die waren alle in den Schränken und Kommoden in den unteren Fächern", so Christine Karp. "Das Wasser stand ja über der Küchenzeile. Der Gutachter hat gleich gesagt, dass wir das nicht aufschreiben brauchen, das ist einfach alles kaputt, ist ein Totalschaden." Mittlerweile haben die Karps doch eine Auflistung der Versicherung vorliegen. Der Gesamtschaden beträgt rund 80.000 Euro. 

Familie sucht nach Überschwemmung neue Bleibe: "Ist nicht so einfach"

Viel schlimmer aber sei, dass auch alle Hilfsmittel ihres Mannes kaputtgegangen seien, inklusive des erst vor fünf Monaten neu angeschafften Rollstuhls. "Momentan haben wir Leihgeräte und mein Mann soll neue Geräte bekommen. Allerdings fordert die Krankenkasse, dass wir einen Restwert von 7700 Euro zahlen. Dabei ist das höhere Gewalt, wir können da gar nichts dafür", ärgert sich die Modeverkäuferin. Aktuell leben sie und ihr Mann zu viert in der kleinen Wohnung ihrer Tochter, zusammen mit dem Enkelsohn. 

"Wir suchen eine neue Mietwohnung, aber das ist gar nicht so einfach mit meinem Mann", sagt Christine Karp. Schließlich benötige der 61-Jährige eine ebenerdige Wohnung, in der er auch mit dem Rollstuhl ins Badezimmer fahren könne. Gerne würde sie auch in Wachenroth bleiben. "Meine Tochter hat uns als Pflegerin schon so viel geholfen und ist immer sehr schnell da, wenn wir mal anrufen und etwas brauchen." Der Bürgermeister der Gemeinde, Friedrich Gleitsmann (CSU), hat mittlerweile für das Ehepaar Karp eine Spendenaktion ins Leben gerufen.

"Die Nachfrage war sehr groß", erzählt Christine Karp. Im Ort seien nach dem Vorfall viele Menschen geschockt gewesen, hätten sich sehr hilfsbereit gezeigt. "Am 08. Juni 2021 wurde unsere Familie Karp vom auftretenden Unwetter äußerst böse überrascht. Die komplette Wohnung wurde überflutet und sämtliches Mobiliar zerstört beziehungsweise unbrauchbar gemacht", schreibt Gleitsmann in seinem Aufruf "Hilfe für Familie". Die können Christine Karp und ihr Mann derzeit sehr gut brauchen. 

Spendenkonto "Hilfe für Familie Karp", IBAN: DE38770690910500413763, BIC: GENODEF1SED, Raiffeisenbank Ebrachgrund

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