Die zwei auffällig geschminkten Frauengesichter fallen sofort ins Auge. Für welches Produkt sie wohl werben? "Magnum" steht in goldenen Lettern am Fuß des Plakats. Eis am Stiel ist jedoch nicht darauf abgebildet. Dafür ein kleinerer Schriftzug, der alles aufklärt: Saunaclub.

An der Pfisterkreuzung und in der Memmelsdorfer Straße machen eine Blondine und eine Brünette auf die nach Angaben des Unternehmens größte Einrichtung dieser Art in Europa aufmerksam. Keineswegs ein Etablissement aus der Region bietet hier die Dienste von 100 Frauen an, sondern eines aus Erkrath bei Düsseldorf. Lohnt sich dafür Werbung in Bayern?

Offenbar, denn ein Anruf im "Magnum", das gleich mit mehreren Web-Adressen im Internet vertreten ist (darunter eine englischsprachige und eine allein nur für die Speisekarte), ergibt, dass das Einzugsgebiet noch viel größer zu sein scheint. "Wir werben weltweit", sagt die Dame in der Telefonzentrale.


Bannmeile für Tabakwerbung

Für Tabakwerbung gibt es eine Bannmeile von 100 Metern rund um Schulen, Kindertagesstätten und Spielplätze. Aber für Bordellreklame?

"Grundsätzlich darf in Deutschland für jedes legale Gewerbe geworben werden", informiert ein Mitarbeiter der Firma Ströer Deutsche Städte-Medien in Bamberg (die übrigens nicht für die "Magnum"-Werbung zuständig ist). "Dieses Unternehmen ist ja ein ganz normal angemeldetes Gewerbe."

Wenn an Plakatwerbung nun aber doch jemand Anstoß nimmt und sich beschweren will? "Dann kann er sich zum Beispiel an den Fachverband für Außenwerbung wenden."

"Unabhängig vom Wertegefühl des einzelnen Betrachters ist im juristischen Sinne an diesen Plakaten nichts zu beanstanden", sagt auch Ulrike Siebenhaar von der Pressestelle der Stadt Bamberg.

"Es ist relativ neu, dass für Bordelle oder Swingerclubs so offen geworben wird. Bis vor einigen Jahren war sowas mit einem Tabu behaftet. Ein Problem gab es damals, als der FKK-Club in der Jäckstraße eröffnete und auf einem großflächigen Werbebanner darauf aufmerksam gemacht wurde."


Nicht in der Nähe von Schulen

Ein Blick ins Archiv zeigt, dass die Stadt Bamberg damals eine Handhabe gegen die Anbringung an einem Baugerüst am Ottoplatz hatte. Es befand sich in unmittelbarer Nähe von Kirche und Schule und war sowohl nach dem Baurecht als auch dem Denkmalschutzrecht genehmigungspflichtig.

Ansonsten jedoch besagt Paragraph 119 des Gesetzes über Ordnungswidrigkeiten (Absätze 1 und 2 ), dass ordnungswidrig handelt, "wer öffentlich in einer Weise, die geeignet ist, andere zu belästigen, oder in grob anstößiger Weise durch Verbreiten von Schriften, Ton- oder Bildträgern, Abbildungen oder Darstellungen oder durch das öffentliche Zugänglichmachen von Datenspeichern Gelegenheit zu sexuellen Handlungen anbietet, ankündigt, anpreist oder Erklärungen solchen Inhalts bekanntgibt." Anstößig sind zwei auffällig geschminkte Frauengesichter, die nicht für Stieleis werben, tatsächlich nicht.

Und wer wissen will, wie es im Saunaclub "Magnum" innen aussieht und mit welchen Problemen eine Stadt zu kämpfen hat, die einem solche Groß-Bordell Heimat bieten muss, dem sei die Reportage "Im Puff nebenan" empfohlen. Hier geht's zum Text.