Ihre erste Titelrolle spielte sie mit acht Jahren in "Ritter Rost und der Drache Koks". "Ich war der stolze Drache", erinnert sich Nathalie Parsa mit leisem Schmunzeln. Bei den Bamberger Schultheatertagen war das Musical zu sehen. Und natürlich träumte die kleine Darstellerin davon, einmal ein Star zu werden wie all die anderen Nachwuchstalente. Nathalies Wunsch aber erfüllte sich. So profiliert sich die 25-Jährige mittlerweile spielend, tanzend und singend am Theater Chemnitz, am Staatstheater Braunschweig und auf anderen Bühnen, über die sie gerade in der Schweiz, Frankreich und Italien wirbelt.



Auf Achse

"Ein voller Erfolg war die Premiere von ,Sound of Music' im Genfer Théâtre Forum Meyrin", schwärmt Nathalie Parsa, die mit Yan Duyvendaks moderner Musiktheaterproduktion am 24. September wieder in Marseille zu erleben ist.



Shining Light / Wonder - BBC "Children in Need" from Nathalie Parsa on Vimeo.

Vorher aber tanzt sie noch in Braunschweig beim Musical "Ragtime" als "Evelyn Nesbit" ins Rampenlicht. In einer deutschen Uraufführung wird das Stück, basierend auf der gleichnamigen Novelle von E.L. Doctorov, ab 18. September am Staatstheater gezeigt, wo Parsa dann im kommenden Jahr im Kultmusical "Hair" die "Sheila" mimt: "Ja, ich habe im Ensemble angefangen und komme über Nebenrollen wie in ,Ragtime' 2016 zu meiner ersten Hauptrolle."


Erste Bühnenerfahrungen

Wie gelang es der Deutsch-Französin, sich im Haifischbecken der Branche zu positionieren? "Mit Ballett fing alles an, nachdem mich meine Mutter erstmals in die Tanzetage mitnahm", erinnert sich die Musicaldarstellerin. "Nach jedem Unterricht war ich erfüllt von Glück, kam nach Hause, machte die Musik an und tanzte einfach weiter." Ballett, Jazz-, Step Dance, Moderner Tanz - unter der Anleitung von Erika Krug und Claudia Orlovsky sammelte das Nachwuchstalent bald über Aufführungen am E.T.A.-Hoffmann-Theater auch Bühnenerfahrungen. Darüber hinaus sang die Schülerin begeistert im Chor und übte ihre Stimme, was ihr als Musicaldarstellerin ebenfalls zugute kommt. "Bis heute ist es für mich kaum vorstellbar, mich irgendwann zwischen Tanz, Gesang und der Schauspielerei zu entscheiden."

Ganz in diesem Sinne startete Nathalie Parsa nach dem Abitur am Clavius-Gymnasium 2008 ihre Karriere. "Zumal mich Phil Laduca bei einem Tanzworkshop in der Tanzetage ermutigte, den Weg zur Bühnendarstellerin einzuschlagen." Der ehemalige Broadway-Tänzer zeigte sich fasziniert von Nathalie Parsas Ausstrahlung - neben der die Nachwuchsdarstellerin in den darauf folgenden Jahren aber auch einiges Durchhaltevermögen brauchte.

Ja, entmutigen darf sich kein Newcomer lassen, dem Türen vor der Nase zugeschlagen werden. "Gerade Studienplätze an den staatlichen Hochschulen sind hart umkämpft", berichtet Nathalie Parsa, die ebenfalls an diversen Aufnahmeprüfungen teilnahm. 2010 erhielt sie endlich die Chance, an der Hochschule für Musik und Theater Leipzig zu studieren - Gesang, Schauspiel und Tanz. Ein Stipendium ermöglichte der Hochschülerin zwei Jahre später die Teilnahme am Chicager Steptanzfestival "Human Rhythm Project", was Nathalie restlos begeisterte. Schließlich ist Tap dance eine ihrer großen Leidenschaften.


Mit Auszeichnung

2014 der erste Abschluss der Musicaldarstellerin: "Bachelor of Arts" mit Auszeichnung. Zuvor legte Nathalie Parsa noch zwei Auslandssemester ein, um in Glasgow das Royal Conservatoire of Scotland zu besuchen. Ihren Master in Gesangspädagogik hat sie mittlerweile ebenfalls in der Tasche.

Nur führen gute Qualifikationen nach dem Studienabschluss nicht schnurstracks zu guten Engagements. "So hatte ich einige Auditions, bei denen ich keine Rollen bekam", berichtet Nathalie Parsa. Damit müsse jeder Künstler, der sich noch keinen Namen machte, klar kommen. "Ich bin dann auch mal entmutigt, freue mich am nächsten Tag aber wieder auf die nächste Herausforderung."

Auf diese Weise arbeitete die 25-Jährige zwischendurch mal als Model, warb für "Dove", die "Telekom" - und glänzte als Tänzerin in einem Werbespot von "Skoda". Lange musste die Musicaldarstellerin glücklicherweise nicht auf interessante Rollen warten. Schon 2014 ging Nathalie Parsa beispielsweise als Solistin mit der Elbland Philharmonie Sachsen auf Tour, die junge Musicaldarsteller auf diese Weise fördert, und stand in "Vorhang auf: Revue!" auf der Bühne. Auch sang und tanzte sie in "Flashdance" am Theater Chemnitz, bevor "Ragtime" spruchreif wurde.

Mittlerweile gibt die Sängerin und Tänzerin ihr Wissen übrigens schon an die nächste Generation weiter. "Schließlich komme ich aus einer Lehrerfamilie", meint die 25-Jährige. Unterricht im Singen und Steppen kann man bei Parsa nehmen, die in erster Linie aber weiterhin als Musicaldarstellerin arbeiten möchte. Wer weiß, ob sie ihr Weg irgendwann nach Bamberg zurückführt, wo alles begann...