Der letzte Vorhang fiel für Molière während er in seiner berühmtesten Komödie auftrat: Ausgerechnet bei einer Aufführung des "eingebildeten Kranken" erlitt der Dichter einen Blutsturz und starb - noch im Kostüm. Jetzt steht der große Dramatiker der französischen Klassik wieder im Blickpunkt, wenn sich im Juli der Vorhang fürs Sommertheater des Theatersommers im Bamberger Raum hebt. Wobei "Don Juan" neben dem 1673 uraufgeführten letzten Werk Molières zu erleben ist. Darüber hinaus zeigt die Landesbühne Jason Robert Browns Kammermusical "Die letzten fünf Jahre" und beschert kleinen Theaterfans Janoschs Kinderbuch-Klassiker:"Komm, wir finden einen Schatz!"

Seit dem 17. Jahrhundert

Aber wenden wir uns zunächst dem notorischen Verführer zu: "Don Juan", dessen Liebesabenteuer Romaniker seit dem 17. Jahrhundert in immer neuen Interpretationen und Variationen beglücken. Grenzen überschreitet der Frauenheld, lebt wider jeder Moral, jeder gesellschaftlichen Konvention - und wirkt dabei noch unwiderstehlich. Wobei Molière den Freigeist auch anders zeigte, rast- und ruhelos, getrieben bis zum bitteren Ende. Ja, und dieses Ende erspart der Theatersommer dem Galan (gespielt von Marc Borchert) nicht, den die eigenen Träume einholen.

Daran lag Jan Burdinski als Intendanten, der Molières Stück bearbeitete, weiterspann und zugleich in die Rolle des moralisierenden Dieners Sganarell schlüpft. "Die Proben waren aber vor allem schwierig, weil wir parallel dazu am ,eingebildeten Kranken' arbeiteten", berichtet Pressesprecher Peter Ackermann. Immer wieder machte auch Petrus den Mimen einen Strich durch die Rechnung, so dass sie im Regen spielen oder in Behelfsräume ziehen mussten.

Ärzte bekommen ihr Fett ab

Als weiteres Werk Molières lebt also "Der eingebildete Kranke" auf. "Viele neue Schauspieler sind darin zu sehen", sagt Ackermann. Zweieinhalb Wochen lang probte die Truppe. Wobei Jan Burdinski, der die Komödie bearbeitete, vor allem die Darstellung der Hypochondrie und Molières Kritik an Apothekern und Medizinern reizte. Ganz im Sinne des französischen Sprichworts "Die meisten Menschen sterben an ihren Ärzten, nicht an ihren Krankheiten."

Thomas Glasmeyer spielt unter der Regie Burdinskis den "eingebildeten Kranken", Laura Mann Béline, seine zweite Frau. Heimgesucht von diversen imaginären Leiden lässt der gut situierte Bürger Argan die Kassen von Apothekern und Ärzten klingeln. Als er dann noch seine Tochter mit einem Mediziner vermählen will, ergeben sich die absurdesten Verwicklungen. Und die heilende Zunft bekommt ordentlich ihr Fett ab. Zumal sich Barbara Seyfried als Kostüm- und Bühnenbildnerin "karikierend ausleben durfte", wie Ackermann anfügte.

Zwei Wahrheiten

Als äußerst anspruchsvoll beschreibt der Pressesprecher des Theatersommers die Inszenierung des Musicals "Die letzten fünf Jahre". Ohne Textpassagen seien die Sänger mehr als bei anderen Stücken gefordert gewesen. "Darüber hinaus mussten sie von zwei Zeitebenen aus spielen." So erinnern sich in Jason Robert Browns Werk Cathy und Jamie als Paar an ihre gescheiterte Liebesbeziehung zurück - vom ersten Kennenlernen über die Hochzeit bis hin zur Trennung - beide ganz subjektiv und in umgekehrter Reihenfolge: Jamie (Marc Borchert) erzählt die Geschichte vom Anfang bis zum Ende, Cathy (Laura Mann) vom Ende bis hin zum ersten Rendezvous. "Nur in der Mitte, beim Heiratsantrag, treffen sich die beiden Handlungsstränge." Und das Ganze geht ohne gesprochene Passagen oder Dialoge über die Bühne, nachdem 14 Songs Zuschauern das Geschehen erläutern.

Zuletzt zum versprochenen Stück, das kleine Theaterfans in den Bann ziehen soll. So wird mit "Komm, wir finden einen Schatz" Janoschs Kinderbuch-Klassiker aufgeführt, in dem der kleine Bär und der kleine Tiger von Reichtum träumen. Rebecca Kirchmann und Meike Hess zeigen unter der Regie von Thomas Herr, wie die tierischen Helden auf Schatzsuche gehen, in der Erde, im Meer - und anderen Glücksrittern begegnen. Irgendwann stoßen sie sie tatsächlich auf den vermeintlichen Schatz, erkennen aber, dass sie das wahre Glück an ganz anderer Stelle längst gefunden hatten ...


Die Termine auf einen Blick

4. Juli, 20 Uhr: "Der eingebildete Kranke", Steinfeld, Pfarrhof
10. Juli, 20 Uhr: "Don Juan - Seine Liebesabenteuer und Träume", Schloss Sassanfahrt
12. Juli, 19 Uhr: "Don Juan - Seine Liebesabenteuer und Träume", Ebrach, Abteigarten
16. Juli, 18.30: "Der eingebildete Kranke", Schlüsselfeld Kirchplatz
17. Juli, 19 Uhr: "Der eingebildete Kranke", Kirchplatz Burgebrach
24. Juli, 9 Uhr: "Komm, wir finden einen Schatz!" Schloss Seehof
25. Juli, 20 Uhr: "Die letzten fünf Jahre" Rathausplatz Scheßlitz

Karten gibt's auch über denTheatersommer unter der Nummer 09274 / 947440.