Kino unter Sternenhimmel: Im romantischen Innenhof von Schloss Geyerswörth genießen Cineasten derzeit Komödien, Dramen und andere Filme, die unter die Haut gehen. Darüber hinaus gibt's Musik, eine kulinarische Lesung und magische Momente, die das Publikum auf wieder andere Weise verzaubern sollen. Bei hochsommerlichen Temperaturen gingen die ersten Vorstellungen über die Bühne, nach denen sich die Veranstalter nun zum meteorologischen Herbstbeginn für alle Eventualitäten rüsten, um Zuschauer mit Regenschirmen, Decken und Glühwein vor Petrus' Launen zu schützen. So klingt erst am 10. September das Programm in "Bambergs schönstem Kinosaal" aus, wie sich Gerrit Zachrich und Diana Linz ausdrückten.



Zum sechsten Mal veranstalten die Betreiber des Odeons und Lichtspiels das Open Air, zu dem gleich in den ersten Tagen über 1000 Besucher strömten. "Wir lassen Gäste auch nicht einfach warten, bis es dunkel ist", meint Diana Linz. Vielmehr gäbe es Tag für Tag ein Vorprogramm mit Künstlern aus Bamberg, die Filmfans unterhalten.


"Honig im Kopf" vor Birdman"

Überdurchschnittlich gut besucht waren die ersten Vorstellungen des Festivals, "besser noch als in den vergangenen Jahren". Als absoluter Renner erwies sich "Honig im Kopf", die mehrfach ausgezeichnete Tragikkomödie von Til Schweiger. Während der "beste Film" der diesjährigen Oscarverleihung den schlechtesten Zulauf fand: "Birdman".



Mit "Heute bin ich Samba" geht das Programm am 2. September weiter. Eine erfrischend leichte Komödie der Regisseure von "Ziemlich beste Freunde" erwartet Zuschauer. Passend dazu spielt das Bamberger Samba-Ensemble Bateria quem é im Vorprogramm ab 20 Uhr "heiße Rhythmen".


Nach einer wahren Begebenheit

Cordes Swing eröffnen mit Swing und Gipsy Jazz am 3. September den Filmabend. Im Anschluss daran erlebt das Publikum "Die Frau in Gold": ein amerikanisch-britisches Filmdrama mit Helen Mirren - beruhend auf einer wahren Begebenheit. Unter der Regie von Simon Curtis wird der Kampf um sechs, von den Nazis geraubten, Klimt-Gemälde neu aufgerollt.



Kleine Filmfans sollen bei den "Minions" auf ihre Kosten kommen, die am 4. September über die Leinwand toben: Kevin, Stuart und Bob aus "Ich - Einfach unverbesserlich" melden sich zurück. Zauberer Klausini übernimmt das Vorprogramm, um dabei natürlich auch große Zuschauer zu bannen.



Chansons zur Romanze

Auf einen romantischen Kinoabend stimmen die Chansons von Les Francophiles am 5. September ein. So können sich Zuschauer danach auf eine gefühlvolle Sommer-Komödie von Isabel Coixet freuen, die von einem Neuanfang nach 21 Ehejahren erzählt. Patricia Clarkson fährt mit Oscar-Preisträger Ben Kingsley an der Seite in "Learning to drive" einer besseren Zukunft entgegen.

Als Film, der aus einer einzigen 140-minütigen Kameraeinstellung besteht, räumte "Victoria" diverse Preise ab. Ein irrsinniges Experiment gelang Sebastian Schipper, der eine Berliner Club-Nacht zum Ausgangspunkt seines Thrillers machte. Pili leitet als fränkischer Franzose den Abend des 6. September mit der "human electronic music" ein, mit der er sich jenseits des Mainstreams positionierte.

Die neue Woche beginnt mit Brotmüller und ihrer Mixtur "aus Brecht, Kästner, White, Dylan und Led Zeppelin". "Frau Müller muss weg" folgt als bittersüße Abrechnung mit dem bundesdeutschen Bildungssystem. So zeigt Sönke Wortmanns Streifen eine Grundschule als Kampfarena elterlicher Eitelkeiten.


Zurück aus der Versenkung

Noch brutalere Kämpfe erwarten das Publikum am 8. September beim Endzeitdrama, das nach 30-jähriger Drehpause an die "Mad-Max"-Reihe mit Mel Gibson anschließt. Wobei Tom Hardy in "Fury Road" durchs postapokalyptische Ödland irrt und sich gegen neue Tyrannen behauptet. Dr. Umwuchts Tanzpalast mixt im Vorfeld Jazz, Offbeat und Liedermachersongs. Gefolgt vom Derabeudischen Orkester Oberfranken, das am 9. September Besuchern traditionelle Musik "frisch, frech und unkonventionell" kredenzt. Dazu gibt's am vorletzten Tag des Festivals "Das Salz der Erde - Eine Reise mit Sebastião Salgado". Man kann sich auf eine poetische Hommage an den Meister der Sozialfotografie freuen, bei der Wim Wenders gemeinsam mit dem Sohn des 71-Jährigen ein eigenes Kunstwerk gelang, wie ein Kritiker schwärmte. Eine kulinarische Lesung mit dem Bamberger Schauspieler Stephan Bach steht am letzten Abend des Kino-Open-Airs an, an dem die Veranstalter Zuschauern noch "Kiss the Cook - So schmeckt das Leben" servieren.