Nach sechs Jahren hatte wohl kaum einer mehr daran geglaubt, dass man den Einbruch in eine Goldschmiede und eine Wohnung in Bamberg aufklären würde und die Schuldigen hinter Gittern kämen. Dank eines DNA-Abgleichs konnte aber genau das nun gelingen. Das Schöffengericht am Amtsgericht Bamberg verurteilte die beiden rumänischen Täter nun zu drei Jahren und drei Monaten bzw. zwei Jahren und zwei Monaten.

Fünf Jahre liegen die Akten bei der Kriminalpolizei Bamberg. Fünf lange Jahre, in denen weder umfangreiche Ermittlungen, noch der Kommissar Zufall den Beamten helfen. Dann trudelt im Sommer 2018 die Nachricht ein, dass in der DNA-Datenbank ein direkter Treffer aufgetaucht ist. Plötzlich geht alles ganz schnell. Ein europäischer Haftbefehl wird erlassen. Einer der Angeklagten wird in Italien festgenommen und packt aus. Wenige Tage später findet man auch seinen Komplizen in Liechtenstein, wo er gerade im Landesgefängnis Vaduz einsitzt. Beide sind nach ihrer Auslieferung seit Dezember 2018 "Gäste" in den JVAs Bamberg und Bayreuth.

Beute im Wert von 21.000 Euro

Vor dem Vorsitzenden Richter Martin Waschner gestehen beide die Tat, die ihnen Beute im Wert von rund 21.000 Euro eingebracht hat. Allerdings erlösen sie nach eigenen Angaben bei einem Pfandleiher im Raum Stuttgart nur 2000 Euro. Dabei handelt es sich um individuell gefertigte Schmuckstücke wie Ringe, Armreife, Ketten und Ohrstecker aus massivem Silber, manche vergoldet. Den Würfeltresor aus dem Keller hatte das Duo mitgenommen, dann aber in der Parkanlage am Troppau-Platz zurückgelassen. Der jüngere Angeklagte gibt an, seinen Anteil von gerade einmal 300 Euro in Heroin reinvestiert zu haben. Er sei damals abhängig gewesen.

Der Prozess ist gleich in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert. Zum einen durch die lange zurückliegende Tat. Das sorgt dafür, dass noch die alten Paragrafen zum Wohnungs-Einbruch-Diebstahl gelten, bevor diese zuletzt deutlich verschärft wurden. Noch sind es mindestens sechs Monate und nicht ein Jahr, was als Mindeststrafe droht. Zum anderen wird kein einziger Zeuge vernommen. Hatten beide Angeklagten doch einer Verständigung zugestimmt.

Umfassendes Geständnis

Der Deal fordert ein umfassendes Geständnis, und das kommt dann auch. Das erspart dem Opfer, das auch heute noch traumatisiert ist, wie Staatsanwältin Christiane Schütte mitteilt, eine ausführliche Aussage. Nicht nur psychisch, auch finanziell ist das 51-jährige Einbruchsopfer in arge Bedrängnis gekommen. Waren die Schmuckstücke doch nicht versichert. Da fallen die 400 Euro Sachschaden für die mit einem etwas größeren Schraubenzieher gewaltsam aufgehebelte Tür nicht weiter ins Gewicht.

Dass es sich um eine "Bande" im juristischen Sinne gehandelt haben könnte, dafür sprechen mehrere Indizien, beweisen lässt es sich aber nicht. Ein Zeuge hatte in unmittelbarer Nähe zur Goldschmiede eine weitere südländisch aussehende Gestalt gesehen. Dann wären es mindestens drei Personen gewesen, die sich zusammengetan hätten, um nach Absprache miteinander einzubrechen und zu stehlen. Außerdem wurde DNA einer bislang noch unbekannten Person in einer Vitrine gefunden. Aufschlussreich sind die europäischen "Aktivitäten" beider Angeklagter, 46 und 33 Jahre. Der ältere Angeklagte wurde in seinem Heimatland alleine acht Mal zu insgesamt fünf Jahren verurteilt. Genauso hoch war die Strafe in Österreich für einen Diebstahl unter Einsatz von Waffen. Der jüngere Angeklagte war in Italien wegen Diebstahls zur Rechenschaft gezogen worden.

Mit ihrem Plädoyer tut Rechtsanwältin Raluca Ricker (Offenbach am Main) ihrem Mandanten am Ende der Verhandlung keinen Gefallen. Sie erweckt den Eindruck, die ausgeraubte Goldschmiedin habe die Gelegenheit genutzt, um einige Schmuckstücke beiseite zu schaffen. Zudem unterstellt sie der Polizei, diese habe den anderen Angeklagten durch Druck und Zwang zu einem Geständnis genötigt.

Am Ende lautet das Urteil drei Jahre und drei Monate für den älteren Angeklagten. Darin ist ein Urteil des Amtsgerichtes Heidelberg enthalten. Er war 2016 in Sandhausen in zwei Firmengebäude eingebrochen und hatte 4803 Euro Bargeld und ein Tablet, ein Smartphone und eine Digitalkamera mitgenommen.

Der jüngere kommt Dank seiner Aussage bei der Polizei, die zur Aufklärung der Straftat geführt hat, mit zwei Jahren und drei Monaten weg. Er hat dabei noch weitere Taten im Bundesgebiet zugegeben. "In diesen Kreisen kann er sich nun nicht mehr sehen lassen", so sein Rechtsanwalt Andreas Dräger (Strullendorf). Mal sehen, welcher alte Fall demnächst noch aufgeklärt werden wird. Dann ganz ohne DNA.