Ins Rot und Weiß mischt sich Rostbraun. Winzig, trutzig ist sie, wie aus einer anderen Zeit. Aber wie kommt man zu ihr hin? Man sieht die winzige Schranke, wenn man vom Bahnhof Richtung Süden schlendert. Steht sie auf dem Gelände der Firma Lösch oder nicht?

Parken beim Verpackungstechnik-Hersteller. Es ist immer besser, wenn man vorsichtshalber fragt, bevor man auf einem Firmengelände herumstiefelt. Der Laufweg zieht sich ganz schön hin, bis unweit einer Sitzgruppe die Schranke durch die Büsche leuchtet. Eisenbahntechnik wie vor über hundert Jahren? Danach sieht es fast aus.


Dem Müller den Umweg erspart

Wenn man über Altendorf etwas wissen will, fragt man am besten Altbürgermeister Wolfgang Rössler.

"1844 war die Ludwig-Süd-Nordbahn bis Bamberg fertig, die Bahnlinie lag östlich des Ortes (heute geht sie durch).

Östlich der Bahnlinie zweigte der Mühlbach zur Altendorfer Mühle, im Besitz der Familie Hagen, ab. Die Wasserzufuhr wurde durch ein Wehr geregelt, das der Müller bedienen konnte. Damit der Müller nicht einen Umweg (über den heutigen Bahnhof) machen musste, wurde ihm zugestanden, die Bahngleise zwischen zwei kleinen Schranken zu überqueren", sagt der Kreisheimatpfleger.

Vorauszusagen ist diesem ungewöhnlichen Relikt kein allzu langes Leben mehr. Wenn der ICE-Trassenausbau auch im südlichen Landkreis in seine heiße Phase geht, wird es verschwinden müssen.


Richtungsweisend müsste sie sein

Ließe sich die Bonsai-Schranke nicht irgendwie retten? Zum Beispiel im DB-Museum in Nürnberg? "Wir versuchen hier, die gesamte Eisenbahngeschichte seit 1835 abzubilden", sagt Christina Block, gefragt nach den Kriterien, die ein Objekt erfüllen muss, um als museumsreif zu gelten. "Im Hinblick darauf müsste es also richtungsweisend sein. Aussagekräftig für seine Zeit. Oder etwas Besonderes. Wenn zum Beispiel König Luitpold seine Hände daran gehabt hätte..."

Letzteres dürfte kaum der Fall gewesen sein. Bestenfalls der Müller hat beim Warten auf den herannahenden Zug ungeduldig mit den Fingern auf der rot-weißen Eisenstange getrommelt.


Hoffnung auf ein Weiterleben?

Doch Museums-Mitarbeiterin Christina Block hat noch eine andere Information: "Zu der Schranke gibt es bei uns im Haus einen Vorgang. Wir prüfen diesen Fall."