Die amüsantesten Viechereien erlebten Literaturfreunde schon in Bambergs grüner Oase. Sie lauschten Froschkonzerten, folgten Kater Murr und Ludwig Tiecks gestiefeltem Helden Hinze durch den Hain. Vergessen wir nicht Berganza, E.T.A. Hoffmanns schwarzen Bullenbeißer, der sich mit bissigen Kommentaren mal hundsgemein und dann wieder geradezu philosophisch zu Wort meldete. Ab 17. Juli lebt mit "Naus die Affen" nun ein weiteres tierisches Kapitel der Domstadt auf, das nicht in Vergessenheit geraten sollte: der kleine Zoo am einstigen Haincafé. An ihn erinnert der neue literarische Spaziergang des Brentano-Theaters, der auch den weiteren Werdegang einiger "Äffla" in Bambergs Stadtpolitik und Gesellschaft beleuchtet.

Großes Interesse

"Schon die Vorarbeiten zu unserem neuen Programm zeigten, welche Wellen das Thema schlägt", berichtet Martin Neubauer, an dessen Seite Dorothea Schreiber zu erleben ist. Über den FT warf der Theaterprinzipal vor einigen Wochen die Frage auf: "Wer erinnert sich noch an die Hainaffen?" Eine "schier überwältigende Fülle an Reaktionen" war die Antwort. "Das Haincafé und der kleine Zoo gleich nebenan leben in den Herzen etlicher alteingesessener Bamberger eben weiter." Da hätte es auch "an Schdorch, zwaa Füchla, an Waschbär, Meerschweinla, Goldfasane, Rehla und an Pfau gegeben", wie Anrufer Neubauer erzählten: "Ja, und der Pfau - och des wor a schöner Kerl!"

Die große Hain-Attraktion aber waren über Jahre hinweg "die glann Resus-Äffla". Besonders die diebische Freude der Tiere daran, nahe am Gitter stehende Kinder zu beklauen, ist Zeitgenossen noch in lebhafter Erinnerung. Da wurde einem Mädchen "a Mäschla", "am Fregger sai Müddzla", zuweilen auch "a Geldbeudala" entrissen, so Neubauer. Amüsant waren die Primaten auf diese Weise, von den sich Spaziergänger gerne unterhalten ließen.
Was Anrufer erzählten

Mehr als nur Anregungen holte sich der Theaterprinzipal bei den Anrufern. So flossen ihre Erzählungen in eine "urbambärcher" Ansprache, die am Ort des einstigen Geschehens ab Freitag zu erleben ist. "Ich was nuch wie hoid ...", "Do wor des ...": Einzelne Mosaiksteine, die Bamberger Neubauer lieferten, sollen sich zu einem Gesamtbild fügen.

Auf welche Viechereien dürfen sich Besucher des sommerlichen Hainspaziergangs noch freuen? Darauf, zu erfahren, wie's mit einigen Äffla weiterging, "die am Tag der Zoo-Auflösung vor über einem halben Jahrhundert das Weite suchten". Manche hätten sich seither scheu hinter dem Gestrüpp des Hains verborgen. "Andere wieder gingen zu den Menschen in die Stadt, um wie sie Karriere zu machen." Darunter "professionelle Krachmacher, denen's nie eng und laut genug sein kann", wie Neubauer noch anmerkte. Oder Stadtplaner, die's als Herausforderung sehen, die Stadt plan zu machen. "Könnte man nicht auch den Hain abholzen und in ein blühendes Stück Freihandelszone oder etwa ein Baugebiet verwandeln - klinisch steril, ganz auf der Höhe der Zeit'?"

Angesichts solcher Fragen ist bei den übrigen Resusaffen guter Rat teuer. Gelingt es ihnen, die Bau- und Neuerungswut zu stoppen? Greifen die Tiere vielleicht gar zu einer List, um die drohende Gefahr abzuwenden? Antworten darauf gibt's beim Spaziergang mit Dorothea Schreiber und Martin Neubauer als Darstellern, die das Ende ihrer Geschichte nicht verraten.

Seit 15 Jahren

Eine "lokal-un-patriotische Posse" entstand auf diese Weise, mit der die Hainspaziergänge des Brentano-Theaters ihr fünfzehnjähriges Bestehen feiern. Seit langem schon reizte Neubauer die Vorstellung, den einstigen Zoo in einem ebenso liebenswerten wie bissigen Programm aufleben zu lassen. "Aber die Quellen-Lage war eher dürftig. Erst die persönlichen Erinnerungen vieler Bamberger machten das Ganze greifbar." Dabei tauchte der Theaterleiter so tief ins Geschehen ein, "dass ich in Gedanken jetzt selbst problemlos 'naus die Affen spazieren und bei ihnen verweilen kann". Inmitten einer vergangenen Idylle, der viele Bamberger nachtrauern. "Keine Brücke durchschnitt damals eben noch den Hain, kein Verkehrsrauschen war zu hören..."


Die Termine

Premiere feiert der literarische Spaziergangs mit Martin Neubauer und Dorothea Schreiber als Darstellern am 17. Juli, um 19.30 Uhr. Weitere Termine sind Dienstag, 21. Juli, 19.30 Uhr, Freitag, 24.Juli,19.30 Uhr, Dienstag, 28. Juli, 19.30 Uhr, Donnerstag, 30.Juli, 19.30 Uhr, Freitag, 31. Juli, 19.30 Uhr, und Sonntag, 2. August, 17 Uhr.
Treffpunkt ist jeweils vor dem Bootshaus - "vo do ab gehd's naus"!