Über eine Leiter führt es in Maries Skizze in eine blumenumrandete Wohlfühloase, Marius hat hingegen organische Formen gewählt, um den technisch-naturwissenschaftlichen Charakter seiner Schule hervorzuheben. Diese und noch 30 weitere Entwürfe von Fünft- bis Zehntklässlern sind allein am zweiten Tag des Workshops "Visionenwerkstatt" am Dientzenhofer-Gymnasium entstanden. Im benachbarten Klassenzimmer werden in einem Planspiel mögliche Schulbereiche gestaltet. "Da wo man lernt, sollte es hell sein", fordert einer. "Und da wo getanzt wird, gern dunkler", ergänzt ein anderer Schüler. All diese Überlegungen werden zu kleinen Mosaiksteinchen in einem Gesamtbild, das "neues DG" heißt.

Projektumsetzung wird dauern

Bis das 40-Millionen-Euro-Projekt vollständig verwirklicht ist, werden leicht noch acht Jahre und mehr ins Land ziehen. Und doch ist an der 1965 bezogenen Schule schon längst die Energie des Aufbruchs zu spüren. Viel gekämpft und viel erreicht hat die Schulfamilie bereits in den vergangenen Jahren. Der Umzug in den Landkreis ist vom Tisch, der Neubau am bisherigen Standort vom Zweckverband Gymnasien beschlossen. Seit Juli liegt auch das so genannte abstrakte Raumprogramm der Regierung vor. Es sieht für das DG eine maximal förderfähige Fläche von 8971 Quadratmeter vor, die als Basis für die weiteren Planungsüberlegungen herangezogen werden kann.

"Wir sind froh, dass wir so weit sind", sagt Schulleiterin Brigitte Cleary. "Als das mit dem Standort klar war, haben wir uns gefragt, wie wir mitgestalten und unsere pädagogischen Ideen einbringen können."

Und nun können Schüler, Lehrer und Eltern in einer sogenannten "Phase 0" ihre Wünsche und Vorstellungen für ein neues Dientzenhofer kanalisieren. Der Teilhabeprozess wird vom Berliner Architekturbüro "Die Baupiloten" moderiert und gebündelt, das sich in Sachen Partizipation im Bildungsbereich einen Namen gemacht hat. "Der Zweckverband hat uns auch in diesem Wunsch unterstützt", sagt die Schulleiterin. "Wir waren bereit, uns auch ein halbes, dreiviertel Jahr mehr Zeit zu nehmen, wenn wir dadurch eine zukunftsfähige Schule bekommen." Cleary kann sich vorstellen, dass am Ende des Partizipationsprozesses vielleicht gar keine Machbarkeitsstudie mehr nötig sein wird - was Zeit und Geld sparen würde.

Dass bereits die jetzige freie Ideensammlung nicht ohne Realitätsbezug vonstatten geht, garantieren schon die Workshop-Teilnehmer, zu denen auch Vertreter von Baubehörden oder dem Zweckverband gehörten. Cleary ist überzeugt, dass durch den umfassenden Teilhabeprozess am Ende alle Beteiligten zufrieden mit den Ergebnissen sein werden - von der Schulfamilie bis zu den Geldgebern.

Gute Lernatmosphäre finden

"Wie soll sich die Schule anfühlen, in welcher Atmosphäre möchte ich lernen? Um solche Fragen geht es im Moment", sagt "Baupilotin" Milena Monssen. Gesprochen wurde unter anderem auch darüber, wie man die bisherige Naturverbundenheit der Schule auch in einen Neubau mitnehmen kann oder ob es Möglichkeiten einer Doppelnutzung gibt, etwa als Zweigstelle einer Stadtbücherei.

Monssen und ihre Kollegen dokumentieren, filtern, fassen zusammen. An einer Stellwand sind die Ergebnisse vom Vortag festgehalten, als 50 Erwachsene an den Workshops teilnahmen. "Die Entwürfe der Schüler und der Erwachsenen ergänzen sich ganz gut", sagt Momssen. "Auch Schüler wollen nicht nur chillen, sondern haben ganz konkrete Vorstellungen, wie sie lernen wollen." Um Schultypologien, klassenübergreifendes Lernen und Ähnliches wird es in einem Fortsetzungsworkshop Ende April gehen. Bis dahin sollen die bisherigen Ergebnisse zusammengefasst sein. "Die Stimmung ist sehr positiv", sagt Lehrerin Katharina Reiß. Sie ist schon länger in der Lehrer-Initiative "Neues DG" aktiv, hat unter anderem eine Schule in München besichtigt, wo man das dortige Lernhauskonzept genau unter die Lupe nahm.

Bis Juni Klarheit

Sehr viele Schüler hätten sich an den Workshops beteiligen wollen und jede Klasse habe ihre Stellvertreter entsandt. "Wir hoffen, uns so einzubringen, dass wir einen Teil unserer Vision verwirklicht bekommen", sagt Reiß. Sie spüre, dass wirklich die ganze Schule sehr an ihrer Zukunft interessiert sei - auch wenn die endgültige Ausgestaltung in eine Zeit fällt, an der viele Schüler schon nicht mehr am DG sind.

"Wenn man gern irgendwo hingeht, dann lernt man da auch gerne", ist Schulleiterin Brigitte Cleary überzeugt. "Und im Juni wollen wir wissen, wie's bei uns weitergeht."