An welche Corona-Regeln halten sich die Menschen am ehesten? Mit dieser Frage hat sich eine psychologische Studie der Otto-Friedrich-Universität Bamberg beschäftigt. Das Ergebnis überraschte selbst die Autoren der Studie Johannes Leder, Alexander Pastukhov  und Astrid Schütz und wurde nun in der psychologischen Fachzeitschrift "Comprehensive Results in Social Psychology" veröffentlicht.

Das Team führte für die Studie zwei Online-Befragungen durch: eine während des ersten Lockdowns im März 2020 und eine nach dem Lockdown im Mai und Juni. Insgesamt nahmen über 600 Menschen an der Studie teil und bewerteten darin 17 verschiedene Schutzmaßnahmen, die zur Eindämmung des Coronavirus eingeführt wurden.

Umfrage der Uni Bamberg: Wie nehmen die Menschen die Corona-Regeln an?

Zu den Maßnahmen gehörte unter anderem einen Mundschutz zu tragen, Abstand zu halten, aber auch Partys zu vermeiden. Die Befragten sollten dabei bewerten, wie sie die jeweiligen Schutzmaßnahmen nutzen und für wie wirksam sie die Maßnahmen halten. Die Forscher erhoben außerdem, wie die Studienteilnehmer sozial eingestellt sind - also, ob sie prosozial sind und mit anderen Menschen kooperieren, um Lösungen zu finden oder selbstorientiert sind und egoistisch handeln.

Zwar erwiesen sich ganze 92 Prozent der Befragten als "prosozial", wenn es um die Einhaltung der Corona-Regeln ging, stand für sie aber dennoch der eigene Nutzen im Vordergrund. "Überraschend war für uns, dass sogar für prosoziale Menschen der Schutz anderer Personen zweitrangig ist", so Erstautor der Studie, Johannes Leder.

In diesem Punkt waren sich die Befragten sowohl während als auch nach dem Lockdown einig. "Menschen sind motiviert, Maßnahmen umzusetzen, die vor allem sie selbst schützen und wenig aufwendig sind", fasst Leder zusammen. Dazu zähle zum Beispiel Händewaschen. Diese Erkenntnis hat aber nicht unbedingt Schlechtes zu bedeuten.

Wer andere schützt, hilft auch sich selbst

Leder schlägt vor, dass Politiker, Forscher und andere Menschen aus dem Gesundheitswesen, den Selbstschutz mehr zu betonen, wenn es um die Umsetzung der Corona-Maßnahmen geht. Es sollte deutlich werden, dass sich jeder Einzelne auf lange Sicht selbst hilft, wenn er andere schützt und so die Ausbreitung von Covid-19 reduziert. "Dann würden vermutlich mehr Menschen die Maßnahmen umsetzen", heißt es in der Mitteilung der Universität Bamberg zur Veröffentlichung der Studie.

Die Studie zeigte außerdem, dass persönliche Erfahrung mit Corona Einfluss darauf haben, wie die Corona-Regeln angenommen werden. Wer jemanden kennt, der sich von der Infektion erholt hat, hält sich zum Beispiel seltener an die Regeln. Ist ein Mensch aus dem persönlichen Umfeld an Covid-19 verstorben, versuchen die Menschen eher sich und andere zu schützen.

Insgesamt gibt es zudem einen großen Unterschied zwischen während und nach dem ersten Lockdown: Die Nutzung fast aller Maßnahmen hat nach dem Lockdown abgenommen, nur das Tragen von Masken wurden mehr genutzt, da sie verfügbar waren und als wirksam wahrgenommen wurden.

Mindestabstand wird immer seltener eingehalten

Besonders das fehlende Abstandhalten seit dem ersten Lockdown bereitet Leder Sorgen: Im Mai haben wesentlich weniger Menschen den Mindestabstand als wirksam eingeschätzt als noch im März. "Diese Einstellung ist problematisch: Die steigenden Infektionszahlen zeigen, wie wichtig es ist, Abstand zu halten", so der Forscher. Zudem nehmen viele irrtümlich an, dass Covid-19 nicht so gefährlich sei, nachdem die Pandemie bis Mai noch glimpflich verlaufen war.

Fazit: Die Studie der Universität Bamberg zeigt, dass Menschen eher die Corona-Maßnahmen umsetzen, die sie selbst schützen. Damit Regeln wie Maskenpflicht und Mindestabstand besser angenommen werden, ist es also wichtig, dass allen klar wird: Die Maßnahmen, die in erster Linie andere Menschen schützen, helfen auf lange Sicht auch jedem Einzelnen. In dem sich jeder selbst schützt, kann er oder sie also auch seinen Teil dazu beitragen, die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen.

Welche Corona-Regeln momentan in Bayern gelten, lesen Sie hier.