Schon bald, jedenfalls wenn es nach Willi Loose geht. Der Geschäftsführer des Bundesverbandes Carsharing (BCS) in Berlin jubelt über eine historische Marke: Die 150 Carsharing-Organisationen, die der Verband nach eigener Aussage vertritt, haben jetzt erstmals mehr als eine Million registrierte Nutzer. "Deutschland hat weltweit den differenziertesten Sharing-Markt. Täglich melden sich rund tausend neue Nutzer an", sagt Loose.

Sogar auf dem Dorf

Carsharing war zunächst ein Angebot in den Großstädten, etabliert sich immer mehr aber auch in ländlichen Zentren wie Bamberg oder Coburg und startet mit viel versprechenden "Freilandversuchen" inzwischen auch in ländlichen Regionen ("Dorfauto") - auch wenn die Bequemlichkeit und die Status-Symbolik des eigenen Autos den großen Durchbruch der gemeinsamen Nutzung bislang bremsen.
Dabei liegen die ökonomischen und ökologischen Vorteile auf der Hand: Unsere Fahr- sind eigentlich Stehzeuge; die allermeisten Fahrten bewegen sich im Kurzstreckenbereich, in dem es neben dem Carsharing weitere Alternativen gibt. Alles sinnvoller, als für 80 Kilogramm Fracht (Mensch) 2000 Kilo Auto zu bewegen ...

Falsch gerechnet

Die Hürde zum Carsharing ist für viele potenzielle Nutzer die falsche Kosten-Nutzen-Rechnung. Bei der Fahrt mit dem eigenen Auto wird oft nur das Benzin angesetzt; das ist aber der kleinste Kostenblock. Betriebswirtschaftlich gerechnet kommen der Wertverlust des Autos, die Rückstellung für die Neuanschaffung, Versicherungen, Steuern, Wartung, Reparaturen ... hinzu; das ergibt beim Mittelklassewagen und durchschnittlicher Jahresfahrleistung einen Preis um 50 Cent für den Kilometer. Carsharing ist selbst in der teuersten Kategorie günstiger, etwa mit 35 Cent bei Ökobil in Bamberg (21 Fahrzeuge).
Unbezahlbar ist das eigene Gefährt auch bei dieser "spitzen" Rechnung: Für 62 Kilometer von Bamberg nach Nürnberg sind - betriebswirtschaftlich genau - 31 Euro fällig; da ist sogar die Bahn mit 19 Euro sehr viel günstiger.