Peter Müller, Sprecher der Polizeipräsidiums Oberfranken, muss den Spagat schaffen. Das noch ermittelt wird, darf er nicht zu viel verraten. Gleichzeitig will die Polizei die Täter finden. Diejenigen, die Sonntagnacht um 23 Uhr ein Feuer im Verwaltungsgebäude des Schlachthofes in der Lichtenhaidestraße in Bamberg gelegt haben.
"Es sieht nach Brandstiftung aus", sagt Müller. Seine Kollegen vom Fachkommissariat für Branddelikte gehen davon aus, dass Unbekannte eine Seitentür des Verwaltungsgebäudes des Veterinäramts aufgebrochen haben. Die Täter haben verschiedene Gegenstände, zum Beispiel Papierordner, auf einen Haufen geworfen und im Innern des denkmalgeschützten Hauses angezündet. Der Flur brannte vollständig aus und auch die umliegenden Büros sowie die Zwischendecke nahmen erheblichen Schaden.



Wie Stadtbrandrat Matthias Moyano erklärt, habe die Feuerwehr die Decke öffnen müssen, da sich auch in dieser das Feuer ausgebreitet hatte. Moyano schätzt den Sachschaden auf "einen hohen fünfstelligen Betrag", die Polizei spricht von 100.000 Euro. Menschen oder Tiere wurden nicht verletzt.


"Große Hitzeentwicklung"

Etwa 25 Feuerwehrleute waren Sonntagnacht zügig am Einsatzort in Bamberg-Nord gewesen, darunter mehrere Atemschutz-Träger. Als sie eintrafen, dürfte das Feuer laut Moyano etwa 15 Minuten gebrannt haben. "Es hat eine große Hitzeentwicklung gegeben." Der Stadtbrandrat merkt an, dass die Feuerwehrleute das Gebäude nach dem Löschen "nicht gleich ausgeräumt" haben, "weil es die Polizei noch genauer anschauen wollte".
Aus diesem Grund: Die Kriminalbeamten entdeckten mehrere Schmierereien am Brandort. Was genau dort stand, wollte die Polizei aus ermittlungstaktischen Gründen nicht verraten. Aus gewöhnlich gut unterrichteten Kreisen war zu erfahren, dass dort Parolen gestanden haben sollen, die sich gegen einen der größten Schlachtbetriebe Deutschlands richten.
Die Kripo sucht nun nach den Tätern und bittet um Hinweise aus der Bevölkerung. Wer am Sonntag gegen 23 Uhr etwas Verdächtiges bemerkt hat, möge sich unter der Telefonnummer 0951/9129-491 melden.
Der Schlachthofbetrieb läuft unterdessen laut Stadtsprecherin Ulrike Siebenhaar weiter, da die übrigen Gebäude vom Feuer nicht betroffen waren.

Doch was ist mit der Mahnwache, die Tierschützer am Freitag, 16. Dezember, vor dem Bamberger Schlachthof geplant haben? Sie darf stattfinden. Laut Siebenhaar gehe man davon aus, dass es sich bei den Mitgliedern der Tierschutzpartei, die zur Mahnwache aufgerufen hat, nicht um die Täter handelt. Die erste Mahnwache im September sei "ruhig und problemlos" abgelaufen.